—
—;—;—xxx———
———ÿj—
226 Novellen⸗Jeitung.
deſto wärmer pflegen die Herzen zu ſein, deſto lang⸗ ſamer geht man, und damit das Dienſtmädchen zu Hauſe nicht raiſonnire, ſteckt der Herr Lieutenant ihr heimlich ein Viergroſchenſtück in die Hand. O ſchöne Zeit der Proben!
Nur Einer hat gewöhnlich die Qual davon,— das iſt der Arrangeur, Regiſſeur und Souffleur; ge⸗ wöhnlich werden dieſe drei Aemter näglich in eines vereinigt,— ſo auch bei Herrn von Roſenkranz. Bei den Proben ſteckte er wenigſtens noch nicht in dem engen Souffleurkaſten, ſondern ſaß auf einem Stuhle vor der erſten Couliſſe rechts.
Die erſte traurige Erfahrung, die er machte, beſtand in der Entdeckung, daß keiner der Mitſpielenden bis auf zwei Perſonen ſeine Rolle ordentlich auswendig gelernt hatte. Dieſe beiden rühmlichen Ausnahmen machten Fräulein Selma Reichenau und der Fähnrich von Sperling.
Die junge Dame ſpielte mit Luſt und Liebe an der Sache und verrieth große Befähigung dazu, wel⸗ ches letztere man von keinem einzigen der übrigen Mitſpieler behaupten konnte; der Premier war ganz entzückt über ihr Spiel. Der Fähnrich mußte ſchon par ordre lernen, aber er blieb ſteif wie im Gliede, und wenn er zu dem Baron Jakob„gnädiger Herr“ ſagen ſollte, ſo verſprach er ſich regelmäßig und ſtot⸗ terte, mit den Händen an der Hoſennaht:„Herr Lieutenant.“
Der Lieutenant von Langen ſpielte ganz hübſch und gewandt, aber er behauptete feſt, es ſei ſein Grund⸗ ſatz,„ſich ganz auf den Souffleur zu verlaſſen, denn ſonſt habe dieſer eigentlich keinen Zweck“; Fräulein Tinchen kam immer zu ſpät auf die Bühne und de⸗ elamirte wie eine Marionette, die übrigen jungen Damen verſprachen ſich alle Augenblicke und wollten ſich dann darüber todtlachen, und die Herren theil⸗ ten meiſtentheils die Anſichten des Lieutenants von Langen.
Nun denke man ſich dabei die Verzweiflung unſe⸗ res Premiers, der wollte, daß Alles am Schnürchen gehen ſolle!
„Meine Herrſchaften, wir wollen jetzt beginnen,
ich werde das dreimalige Zeichen mit der Klingel
geben. Bitte ſehr, verlaſſen Sie jetzt, bis auf die zuerſt Auftretenden, die Bühne, oder ziehen Sie ſich wenigſtens gefälligſt in den Hintergrund zurück. So! — Wenn ich aber um ein wenig Ruhe bitten dürfte! — Jetzt geht es an,— ich klingele einmal,— nun das zweite Mal,— bei'm dritten Male hebt ſich der Vorhang. Alles in Ordnung?— Aber wo iſt denn Fräulein Schmidt? ſie macht ja die Marie.“
4
von verſchiedenen Seiten. aber?“
„Ach, iſt es ſchon ſo weit?— bitte um Ent— ſchuldigung,“ ſagt das niedliche Fräulein und tritt erröthend hinter den letzten Couliſſen hervor, an denen das lächelnde Geſicht des ſarkaſtiſchen Lieutenants bemerkt wird.
„Aber ich muß doch ſehr bitten, meine Herr— ſchaften, etwas aufmerkſamer zu ſein,“ brummt der Premier;„was ſoll ſonſt aus der Aufführung werden? — Sind Sie jetzt fertig?— Ja, Gott ſei Dank!“ (Drittes Klingeln.).
Baron Jakob(der Guirlanden aufhängt, während ſeine Dienerſchaft, mit dem Rücken gegen die Zu⸗ ſchauer gewandt, zuſieht):„Ihr müßt das am beſten beurtheilen können. Hängen die Guirlanden regel⸗ recht?“
Johann:„Rechts mehr in die Höhe, Herr Lieu⸗ tenant!“
„Aber Fähnrich, ſind Sie denn ſchon wieder des Teufels?“ ſchreit der Premier.„Wer iſt hier Lieute⸗ nant? Hier giebt's keine Lieutenants!“
„Wo bleiben Sie denn
S
„Fräulein Schmidt! Fräulein Bertha!“ heißt es
„Gnädiger Herr!“ ſtammelt der Fähnrich, blut— roth im Geſichte..
„Fangen wir alſo nochmals an! Wen. iſt, Herr von Langen—“
Baron Jakob:„Ihr müßt das am beſten. d — Auf Ehre! der Fähnrich hat mich, qayn Concept gebracht. Wie war's doch g leur!“ ₰
Der arme Souffleur wiederholt. dieſes Mal geht's, und der Fä—„2 nicht wieder..
Baron Jakob.„So?“.
Marie:„Zu hoch, Eure Gi E Pr.
Souffleur:„Mein verehrtes Fräulein, Sie win⸗ ken nach den Hintercouliſſen hin und nicht nach dem Baron Jakob. Sie haben es nur mit dem Baron Jakob zu thun.“.
Der ſarkaſtiſche Lieutenant ſtreckt wieden ſein Mephiſtopheles-Geſicht hinter den bezeichneten Cou⸗ liſſen vor und lacht; auch Fräulein Bertha eade kann ſich nicht mehr ernſt halten und bricht in lein helles Gelächter aus. Das Beiſpiel wirkt anſteckend, — die ganze Geſellſchaft lacht.
„Aber lieber Camerad,“ ruft der Premier, der jetzt erſt den Störenfried bemerkt,„was ſuchen Siß da? Bitte, kommen Sie hierher,— nein, Sie trete erſt im zweiten Acte auf. Haben Sie die Gefälli⸗ keit, ſich einſtweilen in den Zuſchauerraum zu placi u Meine Herrſchaften, auf die Weiſe kommen wir i von der Stelle.“ 5
aahinter
50 weitn vergelt wenn i Su ſich ncher ſie ltſpiele
„Li Langen Act beg die weit Leider! nicht g. „] zig Stu
„Ne geht nich
durchkom
M
lernt.
lieber— 90 Etlaut
A
ihm Reich
lein 2


