Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
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ſung ihrerſeits und erbat ſich endlich ſelbſt die un⸗ moraliſche Rolle für ihr Tinchen zurück.

Dieſes Mal hatte der Regiſſeur triumphirt, er wußte allerdings nicht, daß, als er das Zimmer verließ, das ſüßfreundliche Geſicht der Frau Majorin ſich ſehr verwandelte und ſie, hinter ihm her drohend, flüſterte:

Wartel das werde ich Dir gedenken!

An demſelben Tage wurden auch noch die übrigen Rollen ausgetheilt; jeder Lieutenant mußte eine ſolche übernehmen; wer keine Anlage zum Schauſpieler be⸗ ſaß, kam in die KategorieEin Kellner odermeh⸗ rere Bediente nur Herr von Roſenkranz ſelbſt hielt ſich frei, damit er das Ganze leiten könne. Auch die dicke Hauptmannsfrau nahm das Amt einer Dame

d'honneur an, weil die Majorstochter mitſpielte. (Schluß folgt.)

Jakob Grimm.

Erinnerungen aus ſeinem Jugendleben, erzählt von Dr. Paul Wigand.

(Fortſetzung.)

Novellen⸗Zeitung.

tem Fleiß punktirte. Sein getroſter Muth, ſein hei⸗ terer Sinn verließen ihn nie, wenn er ſich auch oft ſehr elend fühlte, und alle Arzneien nichts helfen wollten.

Am lebhafteſten bewegte mich damals der briefliche Verkehr mit den nach Marburg abgegangenen Freun⸗ den. Es war der erſte Briefwechſel, der für mich eine Bedeutung gewann, manche Fähigkeiten in mir weckte, und mir eine heitere Unterhaltung gewäaͤhrte. Ich ſchrieb den Cameraden immer mit Frohſinn und Humor über Alles, was ſich in der Schule, in unſern jugendlichen Kreiſen und ſonſt in Caſſel zutrug. Ich malte es ihnen hübſch aus mit heitern Farben, und miſchte launige Einfälle mit ein. Sie freuten ſich daher, wenn Briefe von mir ankamen. Ein guter Camerad ſchrieb mir:Deine Briefe gewähren uns ausnehmendes Vergnügen; ſie ſind immer voll Laune und zeigen von Deinem heitern Temperament. Das Melodrama, was Du uns ſchilderſt, war ganz geeig⸗ net, mir das Zwerchfell zu erſchüttern. Es hat mich und den Grimm einen ganzen Abend delectirt, und er wünſchte, daß ſich mehr dergleichen Scenen ereig⸗

ſtellt zu erhalten. Der Brief iſt nicht verbrannt, ſondern wohl aufgehoben, um uns noch öfter zu amüſiren.

Ich weiß nicht mehr, was ich den Freunden für

Kehren wir zur Jugendzeit und ihren Erlebniſ⸗ ſen zurück. Unſere Blicke richteten ſich mehr und mehr nach der Univerſität. Mehrere der beſten Cameraden waren ſchon dahin abgegangen, oder hatten eine andere Beſtimmung gewählt, und es gab manchen rührenden Abſchied; auch verfehlten wir nicht theure Namen und Sinnſprüche in die Stammbücher ſchreiben zu laſſen.

Auch Jakob Grimm verließ uns im Frübjahr 1802. Sein Bruder und ich waren theils noch zu jung, theils hatte Jener durch Fleiß, Kraft und ſchnelle Auffaſſungsgabe uns Alle überflügelt. Sein Bruder blieb mit mir zurück, und leider kränkelte der einſt blühend prächtige Junge ſeit Jahr und Tag, und mußte das Zimmer hüten. Er wurde blaß und matt und litt an einem Herzübel, das ihn noch mehrere Jahre peinigte und ängſtlich verfolgte, bis der be⸗

rühmte Arzt Reil in Halle mit Argusaugen das Uebel Der liebe Camerad

durchſchaute und glücklich heilte. that mir herzlich leid, und meine Liebe zog mich täg⸗ lich zu ihm hin. Ich referirte ihm dann über die

luſtige Dinge ſchrieb; aber das weiß ich, daß un⸗ ſägliche bittere Lebensgeſchicke dazu gehörten, meinen

heiteren Jugendſinn nach und nach zu verdüſtern, die

immer frohe Laune mir zu rauben.

Ich habe ſeit meinen Schuljahren alle Briefe, die für mich eine Bedeutung hatten, wohl aufbewahrt, und in Paketen nach den Jahren geordnet. Wenn ich ſie durchblättere, fühle ich die Wahrheit der Worte Goethe's:Das Vorzüglichſte, was wir durch die Mittheilung älterer Briefe gewinnen, iſt: uns in einen früheren vorübergegangenen, nicht wiederkehren⸗ den Zuſtand unmittelbar verſetzt zu ſehen. Wir ge⸗

laſſen auf uns einwirken, wie von Perſon zu Perſon. Man wird in einen Zuſtand zurückgeſetzt, wohin Ge⸗ fühl, Einbildungskraft, Erinnerungsgabe uns kaum ſo lebhaft würden hinſtellen können.

Meine erſte regelmäßige und fortſchreitende Correſpondenz knüpfte ſich mit JakobGrimm an, weil unſere Freundſchaft harmoniſche Geſinnung und zugleich geiſtige und literariſche Beziehungen zur Grund⸗

Schularbeiten und Schulneuigkeiten, und er ſuchte durch eigene häusliche Uebung mit uns gleichen Schritt zu halten. Dabei brachte ich ihm auch Lectüre und freute mich über ein ſchönes Bild, das er mit größ⸗

lage hatte, weil ich auch zu ihm mich vorzugsweiſe mit aufrichtiger Liebe und Hochachtung hingezogen fühlte. Ich habe ſie noch alle, die vergilbten Blätter, die damals mir ſo große Freude gewährten,

neten, um ſie durch Deine Briefe verſinnlicht darge⸗ iſ

winnen eine klare Anſchauung jener Gegenwart, wir

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