Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
214
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Ich? fuhr der Major auf.Nein, durchaus Nichts, wenn meine Tochter Luſt dazu hat.

Tinchen wird Ihrer Wahl Ehre machen, Herr von Roſenkranz, das bin ich überzeugt, meinte die Majorin.

Ich werde mir alle mögliche Mühe geben, flüſterte Tinchen erröthend.

Aber Sie werden wohl die Güte haben, Herr von Roſenkranz, mir auf ein paar Stunden das Buch zu leihen, in dem das ganze Theaterſtück ſteht? fragte die Majorin.Als Mutter möchte ich doch

Das Buch ſteht ganz zu Ihren Dienſten, gnädige Frau; ich werde es Ihnen ſogleich herumſchicken.

Man plauderte noch eine Weile über das neu arrangirte Vergnügen; die Majorin und Tinchen fanden es ganz entzückend, der Herr Major, Lieute⸗ nant von Langen und Minchen ſagten kein Wort, Jedes von ihnen hatte ſeine eigenen Gedanken.

Der Premier ſchien heute wie angenagelt an ſeinem Platze; Lieutenant von Langen gab ihm ein paar Mal einen heimlichen Wink, daß es Zeit zum Auf bruche ſein möchte, aber Herr von Roſenkranz ant⸗ wortete ihm immer wieder nur mit einem wüthenden Blicke. Endlich konnte der Major nicht umhin, hinter der vorgehaltenen Hand zu gähnen, auch wurde die Unterhaltung der Majorin immer einſylbiger; Lieu tenant von Langen rutſchte bedenklich mit ſeinem Stuhle.

Der Premier mußte einen Entſchluß faſſen: er erhob ſich und ſuchte die wunde Stelle auf das Beſt möglichſte mit ſeinem Federhute, den er hinter ſich hielt, zu decken. Man machte wieder Complimente über Complimente.

Bleiben Sie immer dicht hinter mir! raunte der Premier dem Lieutenant von Langen zu.

Dieſer ſah ihn verwundert an und verſtand ihn nicht.

Herr von Roſenkranz trat einen wahrhaft xeno⸗ phontiſchen Rückzug an: immer rückwärts gehend, kam er glücklich bis an die Thür, wobei er ſich ein paar Mal ängſtlich umblickte, ob ſein Mißgeſchick ihm nicht wieder ein anderes Hinderniß, über das er ſtolpern könne, in den Weg führe. Nun war noch ein zweites Zimmer zu paſſiren; der Major ließ es ſich nicht nehmen, die Herren auch da hindurch und bis auf den Flur zu geleiten, ſo dringend Herr von Roſen⸗ kranz auch bat, alle Umſtände zu vermeiden. Man kann ſich denken, wie langſam er vom Platze gelangte. Lieutenant von Langen begriff ihn noch weniger als vorher, der Major gewiß auch nicht.

Endlich war man auf der Treppe.

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Novellen⸗Zeitung,

Aber zum Teufel! was fehlt Ihnen denn, Pre⸗ mier? fragte der Lieutenant naiv.

Was mir fehlt, Herr? das ganze Bodenſtück iſt Aber daran ſind Sie ſchuld! Wer zum Hen⸗ ker! hieß Sie mir den Stuhl fortzuziehen, den ich bereits genommen hatte?

Aber, lieber Roſenkranz, ich bitte Sie wieder⸗ holt um Entſchuldigung; Sie werden doch nicht glau⸗ ben, daß ich mir hätte erlauben wollen, einen ſchlech⸗ ten Witz mit Ihnen zu machen?

Nein, das glaube ich allerdings nicht, aber es war ſehr unvorſichtig von Ihnen, junger Camerad.

Ja, ſehr unvorſichtig, wiederholte der Lieute nant demüthig.

Ich habe wie auf Nadelun geſeſſen.

Ich glaube es Ihnen jetzt, aber ich hatte keine Ahnung davon.

Gut, daß es jetzt wenigſtens finſter iſt, ſo daß man über den Alarmplatz kommen kann.

Die beiden Herren gelangten glücklich nach Hauſe, und der Premier vergaß nicht, ſofort der Majorin das Buch mit dem Luſtſpiele zu ſchicken.

Aber, Herr Lieutenant! ſagte Käſemeyer vor⸗ wurfsvoll, als er ſeinem Herrn beim Auskleiden be⸗ hülflich geweſen war,das ſind ja die neueſten, die uns der Schneider erſt vor vierzehn Tagen geſchickt hat.

Was kümmert's Dich, Kerl? Bringe ſie zum Compagnieſchneider, er ſoll ſehn, was ſich damit noch machen läßt. Und dann rufe mir gleich den Fähnrich von Sperling.

Der Burſche ging kopfſchüttelnd und beſah drau⸗ ßen an der Laterne auf dem Corridor noch einmal mit ſchmerzlicher Miene die Allerneueſten.

Wenn das mit ſeinem Theaterſpielen ſo fort⸗ geht, brummte er,ſo kommen wir noch auf Stumpf und Stiel.

Der Fähnrich ließ nicht lange auf ſich warten; er kam mit ſeiner Rolle in der Hand und einem wahren Armenſündergeſichte. Der Premier hatte ihm die Rolle des Johann, Kammerdiener des Baron Jakob, zugetheilt; ſie war eine der kürzeſten und leichteſten im ganzen Stücke, aber der Fähnrich hatte eine außer⸗ ordentlich ſchwere Faſſungskraft zum Auswendiglernen und dann ſtand er immer ſo ſteif wie vor der Front. Das war ſchwer herauszubringen, aber der Premier hatte ſich auch dieſer Aufgabe unterzogen und exer⸗ cirte alle Abende aus dem Fähnrich heraus, was der

Hauptmann den Tag mit vieler Mühe hineinexercirt

hatte. So verging denn auch dieſer Abend. Am andern Morgen lag Herr von Roſenkranz

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