Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
156
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156 Nonellen⸗Zeitung.

thut man wohl, dieſe dichteriſche Freiheit und Divi⸗ nationsgabe nicht an den geſtrigen Tag zu knüpfen.

Man könnte eine ganze Reihenfolge von moder⸗ nen Novellen und Romanen nennen, worin der hier geſchilderten Charlatanerie in der umfangreichſten Weiſe gefröhnt iſt; ja, der deutſche Buchhandel kün⸗ digt in dieſem Augenblick eine große Zahl hierher gehöriger noch nicht erſchienener Werke von leider namhaften Autoren an. Es iſt für dieſe Induſtrie jedenfalls ein Verluſt, daß es ſich nicht möglich ma chen läßt, ſchon im Voraus novelliſtiſch zu behandeln, wie ſich gewiſſe europäiſche Fürſten mit ihren Mi⸗ niſtern und Agitatoren bei noch nicht geſchehenen Actionen der nächſten Zukunft benehmen werden, um dann dieſenhiſtoriſchen Roman mit den Thatſachen ſo recht à tempo im Buchhandel erſcheinen zu laſſen. Der Effect müßte ungeheuer lucrativ ſein, und dieſe Einrichtung gliche derjenigen, welche von einem be⸗ liebten ſchwediſchen Dichter in einer humoriſtiſchen Pièce:Eine Seele nach dem Tode in der Hölle geſchildert wird, wo nämlich die Zeitungen zu raſcherer Befriedigung der Neugier einen Tag früher ausge⸗ geben werden, als die darin beſprochenen Ereigniſſe geſchehen.

Kaum wird nach dieſen Vorbemerkungen noch eine ausführliche Beſprechung derNeuen Pariſer Myſte⸗ rien nothwendig ſein. Jener dreibändige Roman zählt zu den hier erwähnten Zeiterſcheinungen und bringt in der bezeichneten Weiſe Sittengemälde aus dem zweiten Kaiſerreich. Der Verfaſſer iſt in Paris und vielleicht auch in Frankreich mit mancherlei Ver⸗ hältniſſen wohl bewandert und mit den Sitten des Landes mehr bekannt als viele Andere. Die ganze Compoſition ſeines Romans knüpft ſich an das be⸗ kannte Theater⸗Attentat gegen Napoleon III., und die Handlungen ſind in engeren und weiteren Kreiſen um dieſes Ereigniß und ſeine politiſchen wie perſön⸗

lichen Folgen gruppirt. Die Schilderungen des unterhöhlten vulcaniſchen Pariſer Bodens, des fran⸗ zöſiſchen geheimen Polizeiweſens mit ſeinen Mouchards aus allen Regionen einer herabgekommenen Geſell⸗ ſchaft enthalten manches beachtenswerthe Detail, und ein Gleiches darf man, wenn auch in ganz anderm Sinne, von dem Bilde ſagen, das der Autor aus dem Leben und der Natur der Bretagne entwirft. Von einer rein geſtimmten Zeichnung und Färbung, die durch poetiſche Intenſionen erwärmt, iſt zwar nirgend

die Rede, ebenſo wenig von einer erträglichen Styliſtik und jenem gewiſſenhaften Fleiß, der einen befähigten Geſchmack zu erſetzen ſucht. Aber einzelne genrebildliche Züge und ſcharfe Beobachtungen der realen Welt geben dieſer lockern Moſaik ſelbſt für Kenner einige gefällige Eindrücke. In der Charakterzeichnung hat man ſich jetzt an ein ſo effecthaſchendes Carikiren gewöhnt, daß dies der frivolen Unzartheit, mit welcher die Schilderung der Liebe und der Frauen behandelt wird, auf eine beklagenswerthe Weiſe vollkommen die Waage hält. Forcirte Eindrücke, Spannung und Sinnenreiz ſind die groben Erfolge, auf welche man zunächſt rechnet und für die der geſunkene Geſchmack der großen Menge durch eine Mitleid erweckende Zufriedenheit bezahlt. Die Erſcheinung des Weiheloſen, ja geradezu Un⸗ ſaubern iſt in unſerer modernen Literatur ſo häufig, daß man kaum noch etwas Anderes erwartet und ſchon froh iſt, davon nur ein Minimum zu finden. Dabei bilden bekanntlich die Frauen und Jungfrauen Deutſchlands das Hauptpublicum der Leihbibliotheken und der Leſerwelt überhaupt. Es iſt daher ein ſchwer zu löſendes Räthſel, wie ſich das ſittliche Taktgefühl und der weibliche Zartſinn all dieſerſchönen Leſerin⸗ nen mit jenen Eindrücken der laſciven Frivolität ohne eine zu große Seelenverletzung abzufinden ver⸗ mag. Man ſollte dem Damenpublicum die Kunſt

zutrauen, mit zugemachten Augen zu leſen.

Feuilleton.

Erinnerungen an die größte hiſtoriſche Richtftätte.

Es giebt hie und da Orte in Europa, ſagt Raſch, welche die

Seit langen Jahren ſpielt die engliſche Politik eine grauſamen Thaten vergangener Jahrhunderte mit beſonders nicht minder anmaßende als charakterloſe Rolle. Dieſe Rolle blutiger Schrift erzählen; Orte, an deren Wänden das Blut iſt zugleich zur Bequemlichkeit Europas ſehr unblutig. Das der Gemordeten, der Gefolterten und der Hingerichteten im⸗ Gegentheil davon aber war, auch als die Parlamente ſchon mer wieder zum Vorſchein kommt, ſo oft man ſie auch wieder

beſtanden, die frühere engliſche Geſchichte. Wer den Schleier lüftet, erblickt mit Staunen und Grauen, was hinter der jetzi⸗ gen Humanität und deren ſorgſam gepflegtem Anſchein für Haufen von ſchuldloſen Leichen liegen, über welche Opfer der Geiſt der Staatsgeſittung erſt hinwegſteigen mußte.

übertüncht hat.

Vor einigen Jahren beſuchte ich ein altes Jagdſchloß

im Blühnbachthal, welches die Biſchöfe von Salzburg be⸗ wohnten, als ſie mit den Folterwerkzeugen und mit dem Beil des Nachrichters die Reformation in den Salzburger Alpen

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