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Vierte
Augenblicke auf, als dieſelbe ſich aufbäumte und zu
kreiſeln anfing, um für immer in den Abgrund zu
verſinken.
Indeß war Francois Bart mit ſeinen beiden
Fremden ohne den geringſten Unfall in den Hafen gekommen, wo eine große Unruhe und Geſchäftigkeit in Folge der Kanonade auf der Höhe eingetreten war. Der Lootſe legte ſein Boot feſt und ging mit den beiden Fremden, die wie Matroſen gekleidet waren und jeder ein Paket unterm Arme trugen, nach dem Hauſe des Marquis La Ferroux.
Die Dämmerung des Morgens fing an einzu⸗ brechen.
Bart betrachtete die beiden Männer aufmerkſam. Es war ein ſtarker ſchwarzbärtiger Mann von etwa vierzig Jahren und ein blonder, rieſenhaft gebauter junger Menſch, der kaum zwanzig Jahr zählen mochte. Beide ſprachen ein Pariſer Franzöſiſch. Der Jüng⸗ ling trug einen Ring mit Diamanten am Finger. Bart erinnerte ſich nicht, daß er je Männer geſe⸗ hen hatte, in deren Erſcheinung ſich eine ſolche Ent⸗
ſchloſſenheit ausſprach, wie bei dieſen Fremden. Er
zitterte tief im Herzen, als er bedachte, was dieſe beiden Menſchen, die er als Verderber, als eine Art von Würgengeln betrachtete, im nächſten Augenblick beginnen würden. Sein franzöſiſches Herz fühlte ſich, ungeachtet er einen großen Schritt vorwärts
gethan zu haben glaubte, um ſich Blanca zu eigen
zu machen, ſchwer beklommen über die Folgen, welche ſeine verrätheriſche Expedition nach ſich ziehen konnte. 8
Dieſe Bedenken verloren viel von ihrem furcht⸗ baren Charakter, als der Lootſe bei dem Marquis eingetreten war. Beide, der Ci-devant und ſeine Tochter, waren nicht im Bett geweſen. Der Alte umarmte mit Lebhaftigkeit und Herzlichkeit den bra⸗ ven Seemann und flog dann den beiden Fremden entgegen.
Es zeigte ſich, daß der Aeltere ein Schotte von Geburt und Marinecapitain, der Jüngere aber ein Artillerielieutenant von des Königs deutſcher Legion, der deutſche Baron von Marbeck war. Sie waren beide augenſcheinlich intime Freunde des Mar⸗ quis La Ferroux.
Bart und Blanca, die bleiche Blanca, welche in dieſer Nacht um das Schickſal ihres Geliebten mehr als hundert Mal im Herzen den Tod erduldet hatte, Bart und Blanca mußten ſich aus dem Zim⸗ mer entfernen. Der Ariſtokrat dachte in dieſem Augenblicke, vollſtändig von ſeinen Plänen und ſei⸗ nen Gäſten in Anſpruch genommen, nicht daran, daß er den Liebenden einige Minuten des Glücks ver⸗
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ſchaffte, die Blanca vollkommen für ihre ausgeſtan⸗ dene Angſt entſchädigen und den Lootſen ſeine ge⸗ fahrvolle Expedition ſammt ſeiner Verrätherei ver⸗ geſſen ließen.
„Und Sie haben, beſter von Marbeck, ſogar auch Uniformen mitgebracht?“
„Wie Sie ſehen, mon cher!“ erwiderte der Deutſche, eine reich galonnirte Uniform eines Adju⸗ tanten von der kaiſerlich⸗franzöſiſchen Suite aus ſei⸗ nem Pakete hervorziehend und ſie mit militäriſcher Schnelligkeit anlegend.
„Und hier;“ ſagte der dicke Schotte,„ich werde wahrſcheinlich mit Anſtand einen franzöſiſchen General vorſtellen können.“
Er zeigte ſeine prächtige Uniform.
„Sie bedürfen nur Hüte, Degen und Mäntel,“ bemerkte La Ferroux,„und bei St. Louis, Sie wer⸗ den deren ausgezeichnete bei mir finden, behaupte ich.“
Die engliſchen Officiere kleideten ſich vollſtändig an, nahmen Hut, Degen und Mantel und ſahen ſich dann einander ſchweigend in’'s Auge.
„Wir gehen alſo!“ murmelte der Schotte.
Der Deutſche nickte.
V„Mit Gott und für den König!“ preßte der Marquis hervor.„Jetzt aber dürfen Sie nicht länger ſäumen, meine Freunde; der Tag bricht an, und man möchte Sie ſpäter überraſchen..
„Wir gehen. ſtruction für uns?“
„Mein ſchönſter Baron, Sie wiſſen Alles! Das Uebrige kommt auf Ihre Geiſtesgegenwart an. Aber Ihre Materialien... Ihre Inſtrumente...“
Der Deutſche zog ein Ding wie eine Taſchenuhr hervor und ſteckte daſſelbe ruhig wieder ein.
„Das iſts?“ fragte der Marquis, unwillkürlich zurücktretend.
„Das iſt's! Und nun Adieu! Wo iſt unſer Fähr⸗ mann? Sie werden ſorgen, daß er heute Abend zu unſeren Dienſten iſt.“
Die Officiere umarmten den Marquis herzlich, ſcheuchten auf der Flur Blanca aus den Armen des Lootſen, gaben dieſem jeder eine Hand voll Guineen und gingen raſch durch den Garten dem Lager zu, nachdem zuvor der junge Lieutenant es möglich ge⸗ macht hatte, die Hand des Fräuleins La Ferroux zu küſſen.
Eine halbe Stunde ſpäter ſtanden die beiden Fremden vor dem Director der beiden furchtbaren Pulvermagazine, welche jenſeit des Lagers angelegt waren.
Der faſt noch ſchlaftrunkene franzöſiſche Oberſt, welcher dieſen Poſten bekleidete, kam, von der Schild⸗
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