— 1. 8 Zieſem Vietor de Ruailles Liebe zu heucheln.
Novellen⸗
rückſichtslos zurückſtoßen konnte... Du, die Du be⸗ ſtimmt biſt, am künftigen Hofe unſeres legitimen Königs einen der hervorragendſten Plätze einzunehmen, wie ihn mein Adel und meine Verdienſte um die legitime Krone erheiſchen... Bon Dieu! Ich kann nicht endigen... Ein Schiffer, ein Matroſe hält Dich in ſeinen Armen...“
Er blickte wild an den Wänden umher, wo einige ſchöne Degen aufgehängt waren. Unwill⸗ kürlich machte er eine Bewegung, um eine der Waf⸗ fen zu ergreifen, dann ſank ſein Arm ſchlaff herab. Er ſtand ſeiner Tochter in gebrochener Haltung gegenüber.
„Du biſt mein Kind, mein einziges,“ murmelte er,„der letzte Sproſſe eines Hauſes, älter und nicht minder glorreich als die Sire's de Rohan. Mich hat nichts gebeugt, nichts entmuthigt. Ich habe, mit ſtolzem Nacken und raſtlos gegen das übermächtige Geſchick anringend, alles bittere Unglück, welches mich und meine Brüder, die Emigré's und die Fa⸗ milie des Königs traf, ertragen. Hier aber iſt meine Kraft zu Ende... Soll ich Dich ermorden, Wahn⸗ ſinnige? Oder ſoll ich ſelbſt mir den Degen durch die Bruſt ſtoßen, um dieſen Schimpf, wovon ich Zeuge war, auszulöſchen? Die Marquiſe La Ferroux und ein Matroſe...“
Er faßte Blanca am Arme und ſchüttelte ſie mit Heftigkeit. Blanca's Wangen hatten ſich gerö⸗ thet. Ihr Herz ſchlug wild und ungeſtüm. Sie verſuchte einigemal zu ſprechen, mußte aber, weil ihr der Athem fehlte, ſchweigen. Dennoch war ſie nie entſchloſſener geweſen, als in dieſem ſchrecklichen Augenblicke.
„Sie ſind Zeuge dieſer Scene geweſen, Herr Marquis...“ begann ſie endlich.
„Sie gedenken ſich alſo wirklich zu vertheidigen?“ erwiderte La Ferroux mit leidenſchaftlicher Bitterkeit. „Wirklich?“
„Wenn Sie Zeuge dieſer Scene waren,“ fuhr Blanca immer ſichrer werdend fort,„ſo wüßten Sie, daß Sie nichts weniger als zornig darüber ſein ſollten.“
„Wie?“ werden mein Geſpräch mit dieſem Lootſen
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„Sie gehört haben...
„Ich habe geſehen, daß Du ſaßeſt, Schamloſe.“
„Herr Marquis, werden Sie jetzt die Guͤte haben aufzuhören, mich zu mißhandeln? Sie ſelbſt, haben Sie mich nicht gelehrt, dieſe Rolle zu ſpielen, die Sie jetzt ſo ſchändlich finden 2 Ich habe verweigert, Wir
auf ſeinem Knie
Zeitung.
werden ihn für den König gewinnen, antworteten Sie, und Du biſt feierlich verpflichtet, unſrer Sache Deinen Widerwillen gegen dieſes Manöver zu opfern... Und als es beſtimmt war, daß dieſer neue Capitain der eingefleiſchteſte Bonapartiſt ſei, als ich mir's aus⸗ bat, nunmehr der Sache ein Ende zu machen, um mich von der Qual, welche ſie mir verurſachte, zu befreien, ſagten Sie da nicht abermals: Er giebt mir Nachweiſungen, wie wir ſie zu unſeren Opera⸗ tionen nützen können und nothwendig haben; ich er⸗ fahre durch ihn Alles, was in der Flotte vorgeht... Fahre fort; dieſer Mann darf uns nicht entſchlüpfen, bevor der Admiral Keith ſeinen Angriff auf die Bou⸗ logner Landungsflotte unternommen hat...Iſt das nicht die Wahrheit?“
La Ferroux ſah ſeine Tochter ſprachlos an.
„O, Du wirſt mich ſicher nicht überliſten!“ murmelte er.„Weiter! nur immer weiter. Ich werde Ihnen antworten, Mademoiſelle, ſobald Sie geendigt haben werden...“
In Blanca's Augen aber glänzte der ſichere Vorſatz nicht nur, ſondern auch die Ueberzeugung, dieſer alte Intriguant ſolle ihr diesmal erliegen.
„Que voulez-vous?“ fuhr das Fräulein fort. „Sie haben, ſeit vor vierzehn Tagen der Verſuch unſrer engliſchen Freunde mißglückte, die franzoͤſiſchen Kreuzer zu täuſchen und hier ans Land zu kommen, immerwährend geklagt: O, hätte ich nur einen ſtar⸗ ken entſchloſſenen Burſchen, welcher hier das Fahr⸗ waſſer hinlänglich kennte, damit ich eine Communica⸗ tion mit dem engliſchen Geſchwader bewirken könnte!... Sie haben von de Ruailles die Karten erhalten... Nun fehlt mir wieder ein Mann, ein Braver, ſpra⸗ chen Sie, der es riskirt, durch die Linien zu ſchlüpfen, meine Depeſchen zu befördern und ein engliſches Boot hier in den Hafen zu führen... Eh bien, Herr Marquis... Ich habe dieſen Braven, den wackerſten Piloten von Boulogne, aufgefunden, und Sie ſind Zeuge
geweſen, wie ich ihn für Ihre Sache, die ſicherlich
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auch die meinige iſt, gewonnen habe.
„Zittere,“ rief La Ferroux, bereits vollſtändig wankend;„zittere, liſtiges Geſchöpf; Du willſt mich täuſchen, mich belügen...“
„Darauf habe ich keine Antworr!“erwiderte das Fräulein La Ferroux ſtolz.
„Du ſagſt die Wahrheit?“ fragte der Ci-devant mit einer Donnerſtimme.„Du ſchwoͤrſt es mir, daß Du mich nicht hintergehſt?“
„Ja,“ hauchte Blanca.
„Bei Deinem Schutzpatron, Mädchen!“ befahl der Vater feierlich die Hand ausſtreckend.
„Bei meinem Schutzpatron!“ erwiderte das Fräu⸗
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