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Vierte Folge.
II. Jahrgang.
Eine Mochenchronik ſür Titeratur, Kunät, ſchöne Tliſſenſchaften undl Geſeulſenaft.
Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.
Leipzig, am 5. Februar 1864.
Abonnementspreis jährl. 5 ⅛ Thlr.
Napoleon I. in Bonlogne.
Novelle von
Adolph Görling
(Fortſetzung.)
Franceschi's Verdächtigungen ſchwebten nur einen Augenblick vor de Ruailles' Seele. Er warf nur einen Blick auf dieſen Mann, und er mußte unwill⸗ kürlich über den Freund lächeln.
„Willkommen als Lieutenant, mein Freund!“ ſagte La Ferroux mit ſchnarrender, näſelnder Aus⸗ ſprache.„Sie werden hoffentlich heute Abend bedacht geweſen ſein, ſich einen längeren Urlaub als ge⸗ wöhnlich zu erwirken, damit wir, Blanca und ich, uns Ihrer neuen Würde mit Muße erfreuen können...“
Als Victor den Namen„Blanca“ höͤrte, blitz⸗
eeen ſeine Augen, und jener entzückende Rauſch ſeiner Empfindungen von vorhin bemächtigte ſich abermals
ſeiner. Er blickte durch eine angelehnte Thür for— ſchend in's Nebenzimmer, um zu entdecken, wo ſich die Königin ſeines Herzens verberge.
„Vor allen Dingen aber,“ fuhr La Ferroux fort,„kommen Sie mir hier ein wenig bei meinen nautiſchen Studien zu Hülfe...“(der Marquis machte ein ironiſches, ziemlich häßliches Geſicht)..„Ich mühe mich bei Ihren verzweifelten Karten ab, wie Sie ſehen, und werde jede Minute verwirrter. Setzen Sie ſich doch, Victor... Auf dieſer Stelle“(er bezeich⸗ nete eine Untiefe auf der Karte)„iſt nach Ihrer Zeich⸗ nung keine drei Fuß Waſſer. Eben hier iſt ja aber die Vorpoſtenlinie markirt, obgleich keine Peniche über dieſe weite Bank ſegeln kann.“
„Ach, Herr Marquis,“ ſagte Victor, indem er ſich ſtolzer aufrichtete,„bemühen Sie ſich nicht, dieſe wahnſinnige Vorpoſtenlinie zu begreifen. In einer Stunde ſchon wird meine flachbordige Flotille eine Stellung ganz andrer Art einnehmen und eine Kette bilden, durch welche mir keine Nußſchale unbemerkt in den Hafen treibt.“


