Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
808
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Novellen

Held Ctibor antwortet ſeufzend: Sah ein Frauenbild da ſtehen, Das ins Herz mir Feuer eingoß, Und ich glaubte Dich zu ſehen.

Weißgeſchmückt bracht' es im Becher Einen Trank blutrothen Scheines Als es mir ihn bebend reichte,

War ſein Antlitz blaß wie Deines.

Meine Seel' erſchrak doch lang' ich Nach dem Glas es dampft und glühet Klirrend fällt es mir zu Füßen

Und ſie ſchreit wild auf und fliehet!

Ha, da ſtürzt die Frau zu Boden, Gräßlich bangt ihr vor dem Rächer: Ja, ich bracht' Dir Gift o Gnade! Sprach's und leeret ſelbſt den Becher!

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Germaniſches Blut. Lebensbild aus dem indiſchen Archipel von Hermann Breuſing. Hanno⸗ ver, Karl Rümpler. 1863.

Man hatte, je fünf an einem Tiſche, Platz genommen, und das Mahl begann. Den Reigen eröffneten getrocknete und geräucherte Haifiſchfloſſen mit Gurkenſchnitten, Würſtchen und dergleichen zube⸗ reitet. Gebratenes von Schwalben folgte. Dann kamen Taubeneier in Lammfleiſchbrühe gekocht und weiter Schwalbenneſter... An Hunderippchen reihten ſich Hirſchſehnen, Fiſchaugen, mehrere Gemüſe, ſämmt⸗ lich in verſchiedener Weiſe hergerichtet, von deren Schmackhaftigkeit für die betreffenden Gaumen die Aufmerkſamkeit zeugte, welche ihnen allgemein gewid⸗ met wurde.

Mit einem gewiſſen Aufſehen wurde jetzt die Saalthür geöffnet, und an den Tiſchen vorbei in die Mitte des zwiſchen denſelben freigelaſſenen Raumes glitt eine faſt feenhafte Erſcheinung, eine Rongeng, malaiiſche Tänzerin, von wunderbarer blüthenfriſcher Schönheit, ſchlank wie ein Rohr, das feine gerundete Geſicht wie von Verklärung angehaucht, ſehnſüchtige Gluth in den tiefdunkeln Augen. Das glänzend ſchwarze Haar zurückgeſchlagen, im Nacken zum Knoten geſchlungen und mit den ſtarkduftenden gelben und weißen Blumen der Kembang Kanonga und Kembang Melatti beſteckt. Den braunen Sammet der Arme entblößt, um die Handgelenke ſilberne Spangen.

Zeitung.

Buſen und Schultern mit einem ins Kreuz gefalteten goldgeſtickten Krepptuche loſe verhüllt; vom Silber⸗ gürtel oberhalb der Hüften ein gelbſeidener Sarong in reichen Falten bis über die Füße herniederfallend. Als ob die Luft ſie trüge, ſtand das Mädchen da, den Kopf gehoben, die Arme über einander gelegt. Im vollen Bewußtſein ihrer Bedeutung ließ ſie die Blicke über die Verſammlung ſtreifen. Da flog es wie ein Zucken des Erſchreckens über ſie hin. Meng⸗Ka's Anweſenheit hatte ſie überraſcht, ſein gieriges Auge war dem ihrigen begegnet. Sie wendete ſich haſtig zur Seite, aber ſchnell geſammelt, gab ſie den Spielleuten ein Zeichen.

Durcheinander hinquellend, durcheinander hinge⸗ haucht, ohne ſich zu vermiſchen, begannen die vollen eindringlichen Klänge des Spoton Tombage, einer Harmonika mit Stäben von japaniſchem Kupfer, der keck mahnende Ruf der Trommel, das ſchneidend erregende Singen der zweiſaitigen Geige. Mit kleinen nach den Tönen bemeſſenen Schritten trat Sedona anfangs ſtill und lautlos vor, den Kopf zurückgebogen, Arme und Hände mannigfach, aber nur bis zur Höhe der Schulter, gehoben, bis zu den Hüften geſenkt. Jetzt fluthen ein paar Verszeilen von ihren blüthen⸗ friſchen Lippen. Anmuthiges Wogen der Arme und Hände begleiten den Geſang; die Glieder ihrer aus⸗ geſtreckten geſpreizten Finger zittern wie Baumblätter im Winde. Schweigend ſchreitet ſie wieder leicht und gehalten zurück; ihr Oberkörper ſchmiegt ſich und windet ſich wie der Leib einer Schlange. Für ſich allein quellen die Tonperlen des Kajudengar dahin, entſprühen den Pringprings die Klänge zu Läufen, wie zu funkelnden Büſcheln geſellt. Von neuem fällt das Mädchen mit zwei Verszeilen ein, drückt den üppigen Inhalt durch Gebehrdungen aus. So weiter und weiter bäumt ſich die Leidenſchaft auf, brandet und wallt, zürnt oder begehrt in entzückendem Wechſel von Sang und Klang, von Geſtaltung und Haltung. Jetzt wonnige Gluth, jetzt träumendes Sehnen, und wieder der Inbrunſt Gewalt und der Sinne Trotz in lodernder Kraft und abermals ſchmeichelndes Locken und ein hingegebenes flehendes Leben. Vor⸗ wärts und rückwärts ſchwebt das ſüße Weib, den weichen Klängen folgend, von den milden Tönen gewiegt, wie eine blüthenſchwere Ranke unter den Küſſen der Lüfte ſchwankt, wie eine Lilie auf ſpiegel⸗ hellen Wogen ſchaukelt. Ueber all ihren Liebreiz iſt es wie ein Zauber ausgegoſſen; in jede Bewegung, in jede Stellung iſt ein Zauber verwebt. Es iſt ihre Stirn, von der eines Paradieſes Verheißung leuch⸗ tet; es ſind ihre Augen, in denen Fackeln glühen,

wie ſie zur Brautkammer leiten; es iſt das Spiel

ihrer Mienen, das berückt und berauſcht.(1!)