Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
806
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pfiffig,ihr Frauen beſitzt doch ſonſt ſo viele Fein⸗ heit, wenn es darauf ankommt, gewiſſe Dinge heraus⸗ zufinden. Na, ich will Dir nur etwas auf die Sprünge helfen. Nun, als wir in Memel waren... ſiehſt Du,... ich meine den Rechnungsrath Alberti, er iſt ein ganz hübſcher Mann, ſolid und anſtän⸗ dig... ja, hm, ſiehſt du 3

Hören Sie auf, lieber Vater, rief hier mit ungewöhnlichem Eifer die Tochter,ich habe gar nichts gegen Herr Alberti, aber...

Nun aber? Er hat Gönner,. noch höher ſteigen.

Was geht mich das Alles an 2 ſagte faſt em⸗ pfindlich das junge Mädchen,ich gönne dem Herrn ſeine Ausſichten, aber damit glaube ich auch genug gethan zu haben.

Larifari! bemerkte Herr Gotthelf in heiterer Laune,wenn es ſich um Herzensangelegenheiten handelt, ſo ſeid ihr Frauen im Punkte der Verſtellung alle aus einem Thon geknetet.

Um Herzensangelegenheiten? rief Hedwig mit ſo beſtürzter Stimme, daß dies zuverläſſig jedem Anderen als dem alten Herrn aufgefal⸗ len wäre.

Na, ich ſehe ſchon, entgegnete dieſer mit der Miene eines Mannes, der ſeiner Sache gewiß iſt, ich muß nur zuerſt mit der Sprache heraus. Beſag⸗ ter Alberti alſo hatte ſchon in Memel ein Auge auf Dich geworfen, und geſtern, als das Bureau geſchloſſen wurde, nahm er mich bei Seite und öffnete mir ſein Herz und hielt feierlich um Deine Hand an.

Und was antworteten Sie, mein Vater?

Nun, ich bat mir des Anſtandes halber eine Bedenkzeit von vierundzwanzig Stunden aus, aber

.. er wird

ich gab ihm dabei zu verſtehen, daß ich gar nicht

zweifle...

Daß ich ſeine Hand ausſchlagen würde, rief Hedwig,ja daß ich ſeine Hand unter allen Umſtän⸗ den ausſchlagen würde, wiederholte ſie mit der größ⸗ ten Entſchiedenheit.

Der alte Mann, welcher ſich in ſeinen Erwar⸗ tungen ſo plötzlich getäuſcht ſah, ſaß wie verſteinert da und heftete ſeine verwunderten Blicke mit dem Ausdruck ſchmerzlichen Vorwurfs auf ſeine Tochter.

Das junge Mädchen aber, welches einen Augen⸗ blick, jedoch vergeblich, verſucht hatte, den Sturm ihrer Gefühle zu bekämpfen, brach jetzt in Thränen aus, und an den Hals ihres Vaters ſinkend, rief ſie mit bewegter Stimme:

Verzeihung, Verzeihung für die Enttäuſchung, welche ich Ihnen bereitete, aber ich kann mich nicht

Novellen⸗eitung.

Ihren Wünſchen fügen, mein Vater, es iſt für mein Herz eine Unmsglichkeit!

Das ſind die modernen Ideen, murmelte der Kanzleirath;ſeitdem man den Zopf abgelegt hat, iſt es mit der guten alten Zeit vorbei.

Dann, als er in das thränenfeuchte Antlitz ſeines geliebten Kindes blickte, ſchwand jeder Groll, und Hedwig zu ſich heranziehend, ſagte er in beruhigen⸗ dem Tone:

Nun, ich will Dich ja nicht zwingen, und eine Ehe, die ſich nicht auf Liebe gründet, iſt ſchon von vorn herein eine verfehlte. Aber, fuhr er ernſter fort,ich will doch nicht glauben, daß ſich hinter dieſer Weigerung noch ein anderes Geheimniß ver⸗ birgt?

Mein Vater, rief Hedwig, vor dem Greiſe niederknieend,ich bekenne meine Schuld, wenn über⸗ haupt das treue Feſthalten an den reinſten und edel⸗ ſten Gefühlen eine Schuld genannt werden kann. Ich habe gefehlt, daß ich Ihnen eine Neigung verbarg, die ſchon hier in Berlin, ehe wir daſſelbe verließen, ihre Entſtehung fand. 3

Hinter meinem Rücken? ſagte vorwurfsvoll der Kanzleirath.Du meine Tochter, die ſich ſtets ſo ſittſam und tugendhaft bewieſen, konnteſt Du Dich ſo weit verirren, um ein heimliches Verhältniß anzu⸗ knüpfen?

Nein, mein Vater, antwortete Seud ihren

klaren Blick zu dieſem erhebend,einen folch n Weg habe ich nicht betreten, und hierüber können Sie alſo beruhigt ſein. Mein einziger Fehler beſtand darin, daß ich einen Briefwechſel führte, deſſen reinen Inhalt Sie wiſſen konnten, den ich Ihnen aber verheimlichte, um Ihnen keine Unruhe zu bereiten, weil die Ver⸗ hältniſſe damals noch ſo zweifelhaft und verworren waren. Jetzt aber, wo dieſelben geordnet ſind,

jetzt, mein Vater, ſollen und können Sie Alles

wiſſen.

Das ſcheint mir auch ſehr nothwendig, ent⸗ gegnete der Kanzleirath.Vor allen Dingen, wie heißt und was iſt der Mann, dem Du Deine Neigung ge⸗ ſchenkt haſt?

Hedwig wollte eben mit holdem Erröthen dem Greiſe etwas ins Ohr flüſtern, als draußen der Schellenzug heftig in Bewegung geſetzt wurde.

Mein Gott, ſagte Herr Gotthelf, der bereits allen Groll vergeſſen hatte, verlegen,mein Gott, wenn das der Herr Alberti wäre!

Mein Gott, ſetzte Hedwig in Gedanken hinzu,

wenn meine Ahnung mich nicht täuſchte, wenn mein Herz die Wahrheit ſpräche!

Und ſie eilte nach dem Vorzimmer. Eine Minute

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