Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
775
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Vierte Folge.

77⁵

Patriot, der ſeinen König liebt, hat das Recht, ſich nicht verſtehen? ſeit wann iſt es Sitte, daß der Hand⸗

h zwiſchen rum zu kümmern, und ich meine, ſtatt unwillig zu werker ſich berufen fühlt, die Waffe in die Hand zu

on ein leth werden, ſollten Sie, Herr Oberſt, mit Dank den guten

Willen der Bürgerſchaft anerkennen. rief der DhitWir brauchen die Bürger nicht, rief die

wahrhaftig, 1 haushälterin, auch hier wieder naſeweis dazwiſchen

eine Ruhe. idend.

Höre Sie, Jungfer, ſagte der alte Nettelbeck furz und entſchieden,halte Sie gefälligſt Ihren un⸗ dr von Loutgh ſützen Mund, ſonſt.... und er ſtreckte ſeinen prechhenden Sit rm aus und zeigte in ſehr verſtändlicher Weiſe nach der Thüre.

Sie vergeſſen, wo Sie ſind! rief Herr von

Sie der St. o ncadou, ſich ſtolz in die Bruſt werfend.

heben ſollen, zeKeinesweges, antwortete Nettelbeck,ich ſtehe volſtändig kl or dem Commandanten von Colberg und bin hier,

ihn auf ſeine Pflicht aufmerkſam zu machen.

Zuletzt komnteHerr! ſchrie der Oberſt und faßte aufgebracht diß, wer Koh n u ſeinen Degen.

was iſt dem uLaſſen Sie ihn ſtecken, ſagte Nettelbeck ruhig, nal zu, Frieden ſich bin ein Greis von ſiebenzig Jahren und habe

3 nehr als einmal dem Tode auf offener See in's An⸗

ſicht geblickt. Wenn ein freimüthiges Wort Sie nit einen af ſeleidigt hat, ſo verzeihen Sie mir dies der Liebe 6 verkünde gegen, die ich für meinen König hege.

4 de DrdeAber was wollen Sie denn eigentlich? fragte

daß ir Vorzint. daß 1 herr von Loucadou, jetzt wieder einigermaßen be⸗

ſic haarchaus ſ.

R hn inftigt. gep⸗ ben dNun, antwortete Nettelbeck,ſo kann es nicht Ban dam lleiben, das müſſen Sie ſelbſt einſehen. Wall und nſänden pude hraben ſind verfallen, von Paliſſaden iſt keine Spur. ge abwehrend pur in der Baſtion Pommern ſtehen drei Kanonen, die ich kenne Niegrigen liegen im Graſe, während die Lafetten in f und wenn in den Remiſen vermodern, und die Schleußen, welche

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ſen Süden und Nordoſten der Feſtung unter Waſſer itzen ſollen, theilweiſe unbrauchbar ſind. Bedenken die ſelbſt, Herr Oberſt, was geſchehen könnte, wenn 6 dem Feinde einfiele, in einem raſchen und kecken Anſatz Colberg zu nehmen.

Das iſt meine Sache, entgegnete Herr von voucadou in wegwerfendem Tone,dafür bin ich lommandant. Uebrigens habe ich bereits die nöthi⸗ zen Befehle ertheilt, um den Uebelſtänden, die noch lier und da vorhanden ſind, abzuhelfen.

Gut, antwortete Nettelbeck,es war aber auch ne höchſte Zeit hierzu... Und nun noch Eins, Herr Dierſt. Die Bürgerſchaft entſendet mich.....

1Die Bürgerſchaft, und immer nur die Bürger⸗

aft! antwortete der Commandant mit einem ge⸗

angſchätzigen Lächeln,ich habe Soldaten und brauche ſae Bürgerſchaft nicht!

Was kümmern Sie ſich,

nehmen? Hier in Colberg iſt es immer ſo Sitte gewe⸗

ſen, entgegnete unerſchrocken Nettelbeck;von älteſter

Zeit her ſind die Bürger die natürlichen und geſetzlich berufenen Vertheidiger ihrer Wälle und Mauern ge⸗ weſen. Ich ſelbſt habe noch neben meinem Vater im ſiebenjährigen Kriege bei dem alten ehrwürdigen Oberſt von Heyden freiwillige Adjutantendienſte verrichtet, als er hier gegen die Schweden und Ruſſen ſo ruhm voll Stand hielt, und auch damals haben die Bürger ihre Pflicht gethan und mit Ober⸗ und Untergewehr geſchworen, mit Gut und Blut die Feſtung vertheidi⸗ gen zu helfen.

Und ich ſollte meinen, ſagte Herr von Schill, welcher bisher ſchweigend zugehört hatte,daß man eine ſolche patriotiſche Geſinnung nach Kräften unter⸗ ſtützen müßte.

Warten Sie, bis Sie um Ihre Meinung gefragt werden, entgegnete Herr von Loucadou mit Härte, und ſich wieder zu Nettelbeck wendend, fuhr er fort:

Eigentlich weiß ich immer noch nicht, was Sie wollen, ich ſtelle es Ihnen aber frei, mich damit be⸗ kannt zu machen.

Nun, entgegnete Nettelbeck,wir Bürger ſind entſchloſſen, mit der Beſatzung Noth und Gefahr zu theilen, und haben uns daher nach unſerer Väter Sitte in ein Bataillon vereinigt, das ſeine acht⸗ hundert Streiter ſtellen kann. Deßwegen bin ich hier und erſuche Sie nun, Herr Oberſt, uns unſere Poſten anzuweiſen.

Der unerſchrockene Patriot ſchwieg, während Herr von Loucadou einige Mal in der Stube auf und ab ging, wobei er mitunter ſpöttiſch die Mundwinkel verzog und mitleidig mit den Achſeln zuckte. Endlich blieb er vor Nettelbeck ſtehen und ſagte:Ich habe ſchon vorhin bemerkt, daß das, was außerhalb der Stadt geſchieht, mich nicht kümmert; hinter Wall und Graben dagegen werde ich mich ſchon zu ver⸗ theidigen wiſſen. Gelüſtet es Sie und die Bürger wirklich ſo ſehr nach Heldenthaten, ſo mögen Sie es in Gottes Namen da draußen verſuchen und auf Ihre eigene Hand Krieg führen. Hier ſteht ein Herr, welcher ſich Ihnen mit Vergnügen anſchließen wird es iſt der Herr Lieutenant von Schill, der die Güte gehabt hat, meine Beſatzung durch fünf Mann zu verſtärken.

Herr von Loucadou verzog von neuem ſpöttiſch ſeine Lippen, während ſeine Haushälterin diesmal in ein helles Gelächter ausbrach.

Das iſt zu arg! rief Nettelbeck, welchen ſein