Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
720
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Novellen⸗

Im Herbſt am Teich im Walde,

Wo Wandervögel ziehn,

Wo an dem Grau der Halde

Die goldnen Blätter glühn; 4

4 Wo hoch über Bäum' und Gebüſche Der Falke ſchweigend kreiſt, Darunter das Silber der Fiſche Auf ſilberner Welle gleißt;

Wo laut die Häher krächzen Und ſtumm der Reiher lauſcht, Im Wind die Eichen ächzen, Der Fichten Wipfel rauſcht;

Wo blau die Lüfte ſich malen Und weiß die Birken ſtehn, In Abendſonnenſtrahlen

Die roſigen Wolken gehn:

Da zieht von Farben und Tönen Ein wunderſamer Klang,

Wie ungekanntes Sehnen,

Das ſterbende Thal entlang.

Es iſt gewiß ein charakteriſirendes Zeichen für unſere moderne Lyrik, ein testimonium paupertatis, daß man ein Ge⸗ dichtchen wie das vorſtehende ein ſehr erfreulich angenehmes nennen muß, obgleich es nichts thut, als tauſend Mal Wieder⸗ holtes mit andern, ja oft mit den alten Worten noch ein mal auszuſprechen. Aber die meiſten Poeten von heute haben ſogar die geringſte der Künſte, die nämlich verlernt, einen einfachen Gegenſtand mit einfachen Worten natür⸗ lich und ohne Schwulſt oder geſuchte Geſchmackloſigkeiten und auch ohne fehlerhafte Styliſtik zu ſchildern. Man kann beinahe ausrufen: ſo viele Lieder, ſo viele grammatikaliſche Schnitzer! wahrlich ein Urtheil, von der Thatſache geboten, aber thatſächlich höchſt trübſeligen Inhalts! O. B.

Die Hamburger in Amerika. Romantiſch⸗poli⸗ tiſches Gemälde aus der Gegenwart und jüngſten Vergangen⸗ heit von Moritz Reichenbach. Hamburg, Richter's Ver⸗ lag. 1863.

Das vorliegende Romanwerk denn dieſem Genre gehört es hauptſächlich an ſcheint mir den Anfang zu bilden zu einer langen Reihenfolge von Darſtellungen, wel⸗ che ſich jetzt in der Literatur einfinden werden. Man wird

La Gazette littéraire,

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Zeitung.

nämlich von Seiten der Novelliſten, die ein ſehr großes uner⸗ ſchöpfliches Dintenfaß und viel weißes geduldiges Papier haben, ſehr froh ſein, in dem unglücklichen amerikaniſchen Bruderkrieg, der alle Ordnung auflöſt, einen romantiſch⸗ politiſchen Hintergrund zu erblicken, der das Intereſſe der Leſer an ſich feſſelt und ein ungeheuer bewegtes Leben voll Ungewöhnlichkeiten und roher Kraftthaten möglich macht.

Da das Terrain ſo weit, das wüſte zügelloſe Treiben ſo groß und eine hiſtoriſche Buchführung darüber unmöglich alſo keine ſtörende Controlle von Seiten der realen Wirklich⸗ keit denkbar iſt, ſo können die Herren Poeten ihrer Ein⸗ bildungskraft den Zügel ſchießen und die abenteuerlichſten Dinge in's Leben treten laſſen. Blut iſt eine ſehr brauch⸗ bare Farbe, um dadurch auf dem grauen Hintergrunde von Rauch und Verwüſtung die Frescobilder der Uebertreibung zu malen und den Leſern ein geiſtiges Nervenfieber zu verſchaffen.

Der Verfaſſerdieſer Hamburger in Amerika hat allt ſeine Erfindung aufgeboten, um in möglichſt romantiſchen Con⸗ flicten ein buntes Durcheinander ruheloſer Handlungen und Begebenheiten darzuſtellen. Ein Vorgang folgt dem andern⸗ und der rothe Faden der Unwahrſcheinlichkeit iſt oft für den Leſer der Anhalt, welcher die einzelnen Scenen verbindet. Armand, Möllhauſen, Ruppius ſind frugal in ihrer Phantaſte gegen dieſe Fülle von Stofflichkeiten. Blutdürſtige Neger⸗ banden ſind zu Mord und Unſitllichkeit entfeſſelt, Landhäuſan werden erſtürmt, Bären getödtet, ſchöne Frauen von Canibalc entführt und von ihren ritterlichen Verehrern mit Hülfe treug Mulatten wiedererobert.Nein, Maſſa nicht todt ſein! W bleibendann meine Rache? Aber Maſſa ſein auch nicht todt, it fühlen Herzklopfen, und Hand ſein noch warm, die bekannte Neger⸗ oder Mulattenſprache wird auch hier gefühn und wer ſie hört, der fühlt ſich ganz in das Beiwerk jene dreihundertundfünfundſechszig Romane hineinverſetzt, dien neueſter Zeit von deutſch⸗amerikaniſchen Schriftſtellern ge⸗ dichtet worden ſind.

Uebrigens hat der Verfaſſer die patriotiſche Tendem verfolgt, ſeine Hamburger Landsleute in Amerika zu charakte riſiren und ihr Wohl und Wehe zu ſchildern. Er ſucht ſie in all ihrer deutſchen Tüchtigkeit und Biederkeit darzuſtellen um führt ſie zu jenem ſchönen Siege, welche das rüſtige unermi⸗ dete Schaffen in ſeiner Rechtlichkeit endlich immer findet oden wenigſtens finden ſollte.

Für das ſich mit Vorliebe den Romanen zuwendend Leſerpublicum bietet dieſe 650 Seiten umfaſſende Erzählum ohne Frage ein die Neugier ſpannendes realiſtiſches Intereſſt dar.

Im Verlage der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig erſchien und iſt in allen Buchhandlungen zu haben:

1. I* ſ Nilgernuſchela⸗

Gedichte eines Touriſten von Heinrich Freiherr von Maltzan. kl. 8. eleg. broſch. 27 Ngr. In höchſt eleg. Leinenband in Hochdrut mit Bild und in Goldſchn. 1 Thlr. 12 Ngr. 3 Die Pilgermuſcheln, poetiſche Reiſeerinnerungen, vom Ver⸗

faſſer auf ſeinen Streifzügen in drei verſchiedenen Welttheilen ent⸗ worfen, ſind zum Theil lebhafte Naturſchilderungen, zum aber Balladen und Legenden, deren Stoff

Librairie Louis Bosheuyer à Cannstatt.

jetzt in Europa unbekannt geblieben iſt.

Redigirt unter Verantwortlichkeit von Oue Frnedrich Duürr in Leipzig. Verlag

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der Dün'ſchen Buchhandlung in Leipzig. Druck von A. Edelmann in Leiplige

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