Novellen⸗Jeitung.
Alhum.
Ernſt Wegener.
Liebeslieder.
In des Waldes tiefſte Gründe Wall' ich einſam niederwärts, Ob ich hier nicht Ruhe finde
Für mein argzerquältes Herz.
Ach, auch dieſe Wipfel neigen Trauernd ſich zur Grabesnacht, Auch in dieſen kranken Zweigen Iſt ein wildes Weh erwacht.
Dürres Laub rauſcht herbſtlich nieder, Bange ſtöhnt der finſtre Wald,
Und das tönt im Herzen wieder
Mit dämoniſcher Gewalt.
Ach! ſo laß mich mit dir weinen, Dunkle Waldung, bitterlich,
Um die Sonnen, die nicht ſcheinen, Um den Lenz, der ſchnell entwich!
Wer kommt dort aus dem Aehrenfeld? Das iſt mein Liebchen zart und fein. So denk' ich mir im Himmelszelt
Die lieben Engelein!
Sie trägt ein Röcklein weiß und klar, Wie Lilien auf der Au.
Sie trägt ein Kränzlein in dem Haar Von Blumen weiß und blau.
Sie hat zwei Augen ſo blau und klar, Es iſt'ne Luſt hineinzuſchau'n. Zum Küſſen iſt ihr Lippenpaar, Thät Hans ſich's nur getrau'n.
Sie iſt gewachſen hoch und ſchlank Wie eine Tann' in Gottes Hut; Ach, und ihr Leib ſo weiß und blank, Und auch ihr Herz ſo gut!
Wenn ſie nur ſo von ferne nickt,
Das Haar ſo wallt wie lauter Gold, Da iſt der Hans gleich ganz entzückt Und allen Menſchen hold.
Ein Maientag ſtrahlt lau und linde
Von meines Liebchens Wangenpaar, Ihr Lockenkränzlein weht im Winde— Wie Blumen, duftig, blond und klar.
Die Nachtigall, die Stimme grüßet
Hervor aus knospendem Roſenſtrauch, Vergißmeinnicht und Veilchen ſprießet Im großen, blauen, lächelnden Aug'.
Den Leib, den Lilienleib umfließen Gewänder, wie von Maienluft;
Die kleinen Hände, die weißen, die ſüßen,
Sind lauter Blüthenſchnee und Duft.
O wär' ich unter den Veilchen und Roſen
Der ſanfte, ſelige Frühlingswind, Wie wollt' ich ſie mit Küſſen und Koſen Umfahn ſo wonnig, weich und lind!—
Feuchtes Auge, liebestrunken Haſt du mir in's Herz gelacht, Und ich bin hinabgeſunken In die dunkle Zaubernacht;
Und ich habe nichts empfunden, Nichts gefühlt von allem Leid, Allen Wehen, allen Wunden, Als die Liebesſeligkeit.
Unter deiner Sterne Funkeln Träumte ich, und wußt' es kaum,
Nich hinüber in den dunkeln, In den lichten Himmelsraum.
O du Mund, ſo glockenhelle,
O du böſer, kleiner Mund, Friſche, rothe Tagesſchwelle,
Kuß und Hauch der Morgenſtund',
Warum weckſt du mich, du lieber Morgenmund, mit Kuß und Hauch? Schliefe gar zu gern hinüber
Durch die Nacht in deinem Aug'.
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ewi etri Lui


