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Freunde beſtimmen, ins Tory⸗Miniſterium einzutreten und in dieſer Stellung die Whigs zu bekämpfen, die bisher durch Feuer und Waſſer gegangen waren, um ihn zu unterſtützen. Noch kurz vor dem Fall der Palmerſtonſchen Verwaltung hatte Lord Clarendon den Lord Normanby im Parlamente gegen die Anklage ſeiner öſterreichiſchen Tendenzen zu verthei⸗ digen gehabt, was ihm ſicher nicht leicht wurde. Jetzt erhielt er dafür ſeinen Lohn, denn der erſte Act des neuen Miniſters, Lord Normanby, war, ſeinem frühern Vorgeſetzten, der ihn ſo männlich vertheidigt hatte, entgegenzutreten. Bei jeder Gelegenheit bekämpfte er in den letzten Jahren im Parla⸗ mente die von dem jetzigen Miniſterium in der italieniſchen Frage befolgte Politik, und eben ſo brachte er fortwährend die von der italieniſchen Regierung im ſüdlichen Italien ver⸗ übten Gewaltſamkeiten zur Sprache. In England hat man ihm ſeinen unerwarteten Uebertritt zu den Tories nicht ver⸗ geben, trotzdem daß es keinem Zweifel unterworfen iſt, daß die damals von den Whigs vertretene Politik ſeiner Ueber⸗ zeugung widerſprach, und keineswegs Gewinnſucht ihn zu dieſem Schritte beſtimmte, denn der Marquis of Normanby war ein ehrenwerther und wahrheitsliebender Mann, der ſelbſt dann ſeine Ueberzeugung laut ausſprach, wenn er auch recht gut wußte, daß das engliſche Volk ihm deßhalb zürnen werde. In ſeinen Titeln folgt ihm ſein einziger Sohn, der Earl of Mulgrave, nach. Er ruhe in Frieden!
C.
Miscellen.
Friedrich der Große, der bekanntlich den Adelſtand im Militär ſehr vorzog und hierin eine gewiſſe pedantiſche Wunderlichkeit zeigte,— ſchien es dem Quintus Icilius nicht verzeihen zu können, daß er bürgerlichen Urſprungs und der
„Sohn eines Fayence⸗Händlers in Magdeburg war. Der König ſchrob ihn daher mehrmals damit: daß ſein(des Quin⸗ tus) Vater ein Töpfer geweſen ſei. Dies geſchah einſt zu der Zeit, als der König ſeinen Unterthanen anbefohlen hatte, kein anderes als Brandenburger Porzellan(bei hoher Strafe
im Uebertretungsfalle) zu kaufen.
Novellen⸗Zeitung.
„Es iſt wahr,“ ſagte Quintus,„mein Vater iſt ein Töpfer geweſen, aber er hat den Leuten nie ſeine Töpferwaaren aufgedrungen.“
Kleine Kritiken.
Kunſt und Künſtlerleben. Novellen von Louiſe Otto. Bromberg bei Roskowski. 1863.
Es iſt in neuerer Zeit Mode geworden, künſtleriſche Perſönlichkeiten zu kleinen novelliſtiſchen Bildern zu gebrau⸗ chen und darin wenigſtens ein draſtiſches Stück ihres Lebens abzuſpiegeln. Selbſt wo die Wirklichkeit dazu keinen Stoff darbietet, erfindet man ihn und ſetzt für die handelnden Ge⸗ ſtalten öffentliche Namen ein, deren Charakter einigermaßen zur Action paßt. Es wird durch dieſes Verfahren dem Pu⸗
wonnen und der Leſerkreis in lebhaftere Spannung verſetzt, da es intereſſant und wohl gar noch belehrend iſt, auf dieſe amüſante Weiſe mühelos ein Stückchen Kunſt⸗ oder Literatur⸗
geſchichte zu erfahren.
Eliſe Polko hat durch ein ſolches mehr oder minder leichtblütig gehandhabtes Verfahren ſchon eine beträchtliche Anzahl kleiner Erzählungen unter das Publicum gebracht, und ſie ſteht keineswegs allein in dieſer modernen Manier.
Auch die vorliegenden Novellen von Louiſe Otto ſind in dieſem Genre gehalten und machen zum Theil öffentlich be⸗ kannte Geſtalten zu Helden ihres Stoffs. So finden wir eine Skizze über Paul Flemming. Eine kleine anekdotenhafte Geſchichte,„zwei Cantoren“, vertritt die Zukunftsmuſik in der katholiſchen Kirche, und auch in ſocialer Beziehung hat die Verfaſſerin ihrer Lieblingsrichtung Folge gegeben.
Ernſte künſtleriſche Anforderungen in Bezug auf Form und poetiſche Durchführung oder in Hinſicht der pſychologi— ſchen Charakteriſtik muß man an dieſe leichten Productionen nicht machen. Sie ſind in ihrer flüchtigen Natur auf einen flüchtigen Genuß berechnet und gehen in Summa auf ſpan⸗ nende Unterhaltung und nicht auf Entfaltung kefer Idern aus.
D..
Die„Mitteldeutſche Volkszeitung“ in Leipzig.
(Organ der Fortſchrittspartei.)
Kernige Leitartikel, Tagesgeſchichte dc., Wöchentlich 6 Mal; für Leipzig monatlich 6 Ngr., durch alle
In unſerm Verlage iſt erſchienen und in allen Buchhandlun⸗ gen zu haben: Die
Völkerſchlacht bei Teipeig im Jahre 1813.
Nach den beſten Quellen bearbeitet von Franz Sommer. 2. revidirte und vermehrte Auflage. Eine Erinnerungsgabe zur Jubelfeier i. J. 1863. Wit einem Führer durch das Schlachtteld und einem Plane desselben. Preis cart. in eleg. Umſchlag 15 Ngr. Dürr'ſche Buchhandlung.
Leipzig.
reiches Feuilleton. ſächſiſchen Poſtanſtalten vierteljährlich 24 Ngr.
E* 1„* 47
Uilgermuſcheln. Gedichte eines Touriſten von Heinrich Freiherr von Maltzan. kl. 8. eleg. broſch. mit Bild und in Goldſchn. 1 Thlr. 12 Ngr.
Die Pilgermuſcheln, poetiſche Reiſeerinnerungen, vom Ver⸗ faſſer auf
worfen, ſind zum Theil lebhafte Naturſchilderungen, zum The aber Balladen und Legenden, deren Stoff faſt durchgängig bis
jetzt in Europa unbekannt geblieben iſt.
Nedigirt unter Verantwortlichkeit von Oue Sriedrich Dürr in Leipzig.—
Verlag der Dürr'ſſchen Buchhandlung in Leipzig.
. — Druck von A. Edelmann in Leipzig.
blicum ein allgemeines Intereſſe für den Gegenſtand abge⸗
27 Ngr. In höchſt eleg. Leinenband in Hochdruch
ſeinen Streifzügen in drei verſcheedenen Welttheilen ent⸗ 1 zum Theil


