Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
639
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Vierte

beutegie ode Mnifß denadſ chte Demetrius, läge zu Ulitſch begraben. Demetrius will n affentlich auf dem Marktplatz die Wahrheit enthüllen. Als iss Godunnd aber das Volk draußen ſchreit: ſchlagt ihn todt! drängt ſich , velte in gewiſſer Walujew heran und ſchießt den Demetrius mit

en Worten nieder: das iſt der rechte Segen für den polni⸗ ſchen Pfeifer!

Seine Leiche wurde außerhalb des Thores verſcharrt, dann wieder ausgegraben, öffentlich verbrannt und die Aſche ſeni eine Kanone geladen, die man in der Richtung nach Po⸗ den Seeſ, len hin abſchoß. So endete der falſche Demetrius, und bei *ſeinem Tode wurden gegen 2000 Polen mit erſchlagen.

Wir überlaſſen es den Leſern, mit dieſer Wirklichkeit die dichteriſchen Pinſelſtriche zu vergleichen, welche uns die

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gritiurs I. Skizze des gewaltigen Poeten hinterlaſſen hat. 5. ie dem henee 3 ſ

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g gevorder dzehn Jahteg Wenig bekannt dürfte die folgende dem Tagebuche des trius biel Königs Georg IV. von England entlehnte Mittheilung über

des von den franzöſiſchen Geſandten Caulaincourt ſein, der als Mörder des unglücklichen Herzogs von Enghien verabſcheut wurde. Feer ihr Sohl Abgeſendet, den Herzog gefangen zu nehmen, ſoll er ihn hat ſein Zer dringend zu retten gewünſcht und beim Eintritt in das Zim⸗ ner, wo ſich derſelbe befand, ſich unbefangen umgeſehen und den Herzog als eine ihm ganz unbekannte Perſon behandelt

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Sturz. G zjaben. Dann ſagte er zu ſeinen bewaffneten Begleitern: HellebandeIhr ſeht, der Herzog iſt nicht hier, wir müſſen ihn ander⸗ ur einfinen, wärts ſuchen! In dieſem Augenblicke ſtürzt eine Dame, mit

ie ein Koel welcher der Herzog in vertrauter Verbindung lebte, in das or dem Ce Zimmer und rief, vor Caulaincourt auf die Kniee fallend: und nach da⸗Retten Sie ihn, Sienſehen ihn vor ſich! Sie werden nicht

ſo grauſam ſein, ihn zu verderben! Dieſe Unbeſonnenheit allein nöthigte Caulaincourt, die ihm ertheilten Befehle zu ſein vollziehen, und er wies, ſchmerzbewegt, ſeine Leute an, ſich des unglücklichen Opfers zu bemächtigen.

Im Walde von Boulogne fand dieſer Tage ein Duell ſtatt, welches aus einer höchſt nichtigen Urſache ſich entſpon⸗ nen hatte, glücklicher Weiſe jedoch ohne Folgen blieb. Zwei Herren aus der Provinz waren im Parterre eines Pariſer Theaters gerade auf zwei hinter einander befindlichen Plätzen; der Inhaber des vorderen Sitzes war aber ſo dick, daß ſein Hintermann gar nichts ſehen konnte. Aergerlich darüber rief dieſer endlich laut:Wenn man ſo viereckig iſt, ſollte man füglich zu Hauſe bleiben.Mein Herr, erwiderte der Andere allſogleich,es kann nicht Jedermann flach ſein! ds Surngelu Dieſes doppelſinnige Wort brachte die Beiden als Käm⸗ ePewaffnet pfer gegenüber; doch nach einigen Erklärungen kam es raſch D zur Ausgleichung, und ein gutes Frühſtück, welches die Zeu⸗ ſe gen im Voraus beſtellt hatten, ließ man den beiderſeitigen

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igen wollt Der letzte Dominikaner in Bern. Von Dr. ut r Drohunge Anton Henne. Schaffhauſen, Brodtmannſche Buchhand⸗ ue ins behu lung. 1863. bund beruft ſi 1 Wie ſchon ſo Viele hat auch dieſer Verfaſſer als eingeborner ar, der Gzati Schweizer ganz ausdrücklich in der ſchweizer Art zu denken und zu Drohungel zurden geſchrieben, und ähnlich wie bei Gotthelf weiß man oft 7 ur Srhn,d3 nicht, auf welche Weiſe man dieſes hart conſtruirte, mit

nerkwürdigen Provinzialausdrücken verſehene Deutſch ver⸗

Folge. 639 ſtehen ſoll. Es kommt noch erſchwerend die bekannte That⸗ ſache hinzu, daß der ſchweizer Dialekt für das übrige Germa⸗ nien zu den fremdartigſten gehört. Herr Henne nennt uns in ſeiner Vorrede noch mehrere Stoffe, die er bearbeitet hat, und erwähnt gleich das erſte Werkfolgendermaßen:a) Sagen, bloß mythiſche, mit Ausſchluß der hiſtoriſchen, heimiſche und analoge fremde, auch claſſiſche, im innern Zuſammenhange als Reſte des älteſten Glaubens und Dichtens nachgewieſen, vielleicht die reichſte Sammlung, die bei uns jetzt exiſtirt, die unſrigen aus dem Volke ſelbſt auf meinen Wanderungen ge⸗ pflückt, eine Großzahl völlig neu.(!) Dieſer Styl des Ver⸗ faſſers verbirgt eine ſolcheGroßzahl völliger Neuheiten, daß ſich nur wenige Leſer mit dergleichenaus dem Volke gepflückten Sagen befreunden werden.

Dennoch iſt es wieder erfreulich, den hiſtoriſchen tailkenntniſſen zu begegnen, welche der Autor in nicht gerin⸗ ger Menge beſitzt und im Einzelnen natürlich zu verwenden weiß, wenn auch die Geſammtcompoſition ohne Rundung und Flüſſigkeit iſt.

So findet ſich z. B. imletzten Dominikaner, worin die religiöſen Bewegungen zu Anfang des 16. Jahrhunderts ge⸗ ſchildert ſind, eine intereſſante Stelle über die altdeutſchen Todtentänze:Die Todtentänze des Mittelalters ſind eine ſonderbare, tief eingreifende Idee. Wie aus den Feſtſpielen der Alten und aus den in den Herbſtfeſten ſtattfindenden Scherzen und Tänzen der den Dionyſos begleitenden Satyrn das Satyrſpiel und die Komödie entſtanden waren, ſo knüpften ſich im chriſtlichen Mittelalter an die ernſten Feſte beluſtigende Volksanhängſel, Faſtnachtsſcherze vor der Faſt⸗ nachtszeit ꝛc. Das Komiſche iſt in der Menſchennatur dem Ernſten ſo eingeadert, daß die Alten ſich nicht enthalten konn⸗ ten noch wollten, in rein kirchlichen Handſchriften, wie in den Steinhauereien der Münſter, nicht nur neckiſche, ja ſogar unſaubere Figuren anzubringen. Andrerſeits galt der nächt⸗ lich ob unſern Häuptern ſich hinbewegende Sternenreigen urfrüh als ein Wandern und Weiden der verſchiedenſten Thiere, die, unſterblich und ewig jung, der Erde Frucht⸗ barkeit, Wohl und Wehenbedingen, Gottheiten in dieſen Ge⸗ ſtalten verehrt.

Es war ein Bild höchſter Poeſie, in dieſem Reigen ſich die in Thiergeſtalten vor dem verfolgenden Typhon nach Aegypten fliehenden Götter zu denken, wie galliſch oder deutſch Thor's oder Odin'swilde Jagd. Chriſtlich wandelte ſich dies in den nächtlichen Zug der Todten(ſtatt der Heiden⸗ götter), die geſpenſtiſch durch die Luft fahren, in Spanien noch dasalte Heer, im Rhätiſch⸗Romaniſchen la caval- cada nocturna geheißen, bei uns ein Grauen erregender Zug Mitternachts durch die ſchlummernden Dörfer aller in der Gegend bis dato Geſtorbenen, dasNachtvolk, bleich, leiſe betend, ſonſt ſtill. An einzelnen Orten(Goethe hat einen ſolchen Zug aufgegriffen) wurde das zum Tanze klappernder Gerippe, und hier haben wir unſtreitig den Keim zu der hoch⸗ tragiſchen Idee, der Tod beginne ſeinen Reigen mit allen Ständen und Geſchlechtern, den die Kunſt aufgriff und je nach dem Genius des Malers mehr oder minder dichteriſch ausführte. Wo dies zuerſt geſchah, wiſſen wir kaum, da immer wieder noch ältere Todtentänze aufgefunden werden. Der im Kloſter Klingenthal in Kleinbaſel reicht in's 14. Jahr⸗ hundert hinauf; ebenſo der zu Minden in Weſtphalen. Vom Jahre 1424 iſt der danse macabre im Kloſter des Innocents in Paris; von 1436 der zu Dijon, von 1440 etwa der auf der friſchen Mauer des Predigerkloſters in der St. Johannenvor⸗

De⸗

ſtadt zu Baſel.