Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
616
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Ehre dem Manne, er iſt ein ſchlichter Handwerker, hat aber ein biederes, edles Herz ſtreckte mir hun⸗ dert Dollars vor, daß ich mich anſtändig kleiden und zurückreiſen konnte. Die Sehnſucht nach meiner Hei⸗ math ließ mich nicht ruhen noch raſten, und jetzt, in dem Augenblicke, wo ich ankomme, zögert mein Fuß, die Schwelle meines Hauſes zu überſchreiten.

Alſo Sie ſind ſoeben erſt angekommen? fragte Reichendorff.

Vor einer Viertelſtunde, antwortete Arthur, und mein erſter Gang war zu Ihnen. Von jenem Deutſchen erfuhr ich, daß Sie ſich meiner armen Fa⸗ milie ſo ſehr angenommen haben, Sie werden mir alſo auch am beſten ſagen können, wo meine Frau wohnt, und ob ſie meiner noch gedenkt.

Oskar ſoll Sie hinführen, ſagte der Commer⸗ zienrath;auf Ihre letzte Frage kann ich Ihnen freu⸗ dig die Antwort geben, daß Ihre Gattin Tag und Nacht im Geiſte bei Ihnen iſt, und Ihre Kinder den Vater in jedes ihrer Gebete einſchließen.

Arthur war tief bewegt.Nehmen Sie meinen Dank, ſagte er nach einer Weile, indem er die Hand des Bankiers drückte,für all' das Gute, welches Sie meiner Familie gethan haben.

Laſſen Sie das, fiel Reichendorff ein,es iſt ſo viel nicht, Ihre Frau hat meine Unterſtützung be⸗ harrlich ausgeſchlagen und mit unermüdlichem Fleiße den Unterhalt für ſich und ihre Kinder durch die Ar⸗ beit ihrer Hände verdient. Sie iſt eine edle, gute Frau, Winter, in den Schlägen des Schickſals lernt man das weibliche Herz kennen, und das Ihrer Frau hat ſich glänzend, als lauteres Gold bewährt.

Mit dieſen Worten zog der alte Herr an dem Schellenzuge.Ihr Poſten in meinem Hauſe iſt noch offen, fuhr er fort;Oskar hat denſelben bis jetzt verſehen, weil ich mich noch immer nicht entſchließen konnte, denſelben anderweitig zu beſetzen; wenn es Ihnen genehm iſt, können Sie ihn wieder einnehmen.

Arthur ſprang freudig überraſcht auf, um dem alten Herrn, der ihn freundlich lächelnd anſchaute, zu danken, in demſelben Augenblicke aber trat Oskar ein und zog nach einem flüchtigen Blicke den wieder⸗ gefundenen Freund ſtürmiſch an ſein Herz.

Um dieſelbe Stunde ſaß in einem kleinen, freund⸗ lich meublirten Wohnzimmer eine noch junge Frau am Stickrahmen und ſetzte die am Tage begonnene Arbeit beim Scheine der kleinen Kugellampe, die vor ihr auf dem Tiſche ſtand, mit unermüdlichem Fleiße fort. Nur ſelten unterbrach ſie dieſelbe, um aus ihren dunk⸗ len, umflorten Augen, aus denen die ungeſtillte Weh⸗ muth einer trauernden, gramgebeugten Seele ſprach, einen liebevollen Blick auf die beiden Kinder zu wer⸗

Novellen⸗Zeitung.

fen, die ihr gegenüber im Sopha ſaßen und ſorglos

mit einander ſcherzten. Der blankgeſcheuerte Waſſer⸗

keſſel auf dem Ofen ſang ſein eintöniges Liedchen un⸗ bekümmert fort, und nur der kleine Inſaſſe des Meſ⸗ ſingkäfigs, der in der Ecke am Fenſter auf dem Blu⸗ mentiſchchen ſtand, welcher ſein gelbes Köpfchen ſchlafbefangen ſchon auf die Bruſt geſenkt hatte, ſchien auf die eintönige Weiſe zu merken, denn von Zeit zu

Zeit hob er das Köpfchen in die Höhe und ſchaute

ſich einige Mal neugierig um.

Mama, Heimweh, iſt das eine Krankheit? fragte plötzlich das älteſte der Kinder, welches ungefähr ſie⸗ ben Jahre zählen mochte.

Die Mutter ſchaute auf.Allerdings, Eduard, erwiderte ſie,und zwar eine ſehr böſe Krankheit, aber wie kommſt Du dazu?

Der Lehrer hat es uns heute erzählt; er ſagte, wenn Jemand eine weite Reiſe machen müßte und nicht mehr nach Hauſe zurückkehren dürfte, dann be⸗ käme er wohl das Heimweh, und das wäre ſehr ſchlimm, denn daran könnte man ſterben.

Nach einigem Sinnen fuhr er fort:Dann iſt Papa gewiß auch am Heimweh Mama?

Möglich, erwiderte die Mutter, zuſammenfah⸗

rend und tief aufſeufzend.

Kommt Papa denn nie mehr wieder? fragte jetzt das Mädchen.

Doch, Marie, antwortete die Mutter,aber das dauert noch ſehr, ſehr lange; wenn Ihr einmal älter ſeid, werde ich Euch ſagen, wo wir ihn einſt wiederſehen werden. S

Papa iſt beim lieben Gott, ſagte Eduard,da iſt er ein ſchöner, ſchöner Engel, weißt Du, Marie, ſo einer wie der, welcher in der Kirche am Altare ſteht.

Ein leiſes Geräuſch an der Thüre veranlaßte die Mutter, von ihrer Arbeit außzublicken, erſchreckt aber fuhr ſie zuſammen, als ſie Oskar an derſelben ſtehen ſah.Was bringen Sie? fragte ſie.

Eine gute Botſchaft, antwortete dieſer näher tretend,ſind Sie gefaßt, eine ſolche zu hören?

Gute Botſchaften ſind ſtets willkommen, ent⸗ gegnete Helene traurig lächelnd, während ſie ſich er⸗ hob, um Oskar einen Stuhl anzubieten.

Und doch möchten Sie auf dieſe nicht gefaßt ſein, erwiderte der junge Mann.Ich habe heute Nachrichten aus Amerika erhalten, Arthur lebt noch. Einen Augenblick blieb Helene regungslos, die Augen ſtier auf Oskar gerichtet, ſtehen, dann auf ihre Kinder zueilend, preßte ſie dieſelben ſtürmiſch an

geſtorben, nicht wahr,

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