Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
610
Einzelbild herunterladen

Die Leuthner Sthlacht.

Sie decken eine Meile mit ihrem Heer,

Sie zählen neunzig tauſend und dreißig Er Und dennoch muß ich's wagen! Thut eure Pflicht! Das iſt der große Friedrich, der alſo ſpricht.

Marſch! tönt es, doch die Trommel wird nicht gerührt, Das Reitervolk, im Schritte wird's ſtill geführt; Sie ſchreiten durch den Nebel und durch die Nacht;

Der König von der Höhe noch Dämmrung rings Sieht rechts den Marſch der Seinen, die Feinde links, So reitet er inmitten die Höh'n entlang,

Das Schlachtfeld überſchauend der Nebel ſank.

Soll Preußen auf der Erde noch thronend ſtehn? Der Tag wird es entſcheiden, der Abend ſehn.

Tiefernſt, doch voller Ruhe er wägt, er denkt;

Nun blicket er gen Himmel der oben lenkt.

Und dort den Kaiſerlichen ſagt es ein Mann,

Die ſahen wohl verwundert einander an.

Hört, was zum Lotharingen der Daun da ſpricht, Er ſpricht:Die Leute gehen man ſtöre nicht!

Er ſpricht's da dröhnen Salven, Stückdonner kracht, Mit lauter Stimme rufend:Es gilt die Schlacht! Und mit den frohen Schaaren dringt Wedel vor;

Da ſchlug den Preußen allen das Herz empor.

Und horch, Fanfaren tönen, Huſaren ſind's,

Der Ziethen führt, ein Wehen des friſchen Wind's; Sie brauſen an, ſie werfen, was da ſich ſtellt,

Die wirren Reihn der Schwaben zurück, ins Feld.

Der Baiern wirre Schaaren werfen ſie leicht, Der Flügel iſt gebrochen, der Flügel weicht; Es iſt mit ſeinen Preußen der Ziethen da; Der Tag wär' gut begonnen: Victoria!

Doch weh, in den Gebüſchen, dort lauert's, droht, Weh, der Karthaunen Donner, er ſchmettert Tod! Tod in die frohen Reihen im Siegeslauf:

Des Tages erſter Lorbeer ein theurer Kauf!

Da blähet nur ſich ſtolzer der ſtolze Feind: Der Tag, da Preußen endet, der Tag erſcheint; Es gab der Ueberkühne die Flanke bloß:

Auf ſeine ſchwache Linke nur einen Stoß!

So ſprach der ſichre Führer; er ſprach noch mehr: Sein Häuflein jetzt erdrück' ich mit meinem Heer! Zehnfach, was dort verloren, gewinn' ich hier Und läſſet Heere rücken ins Kampfrevier.

Buch deutſcher Lyrik. Herausgegeben von Adolf Böttger.

4 4 . 8

Es feuchtet kalt wohl heiß wird der Tag der Schlacht.

ööͤöͤöͤöͤöͤöͤöööͤnn

Novellen⸗Zeitung⸗

Album.

O. F. Gruppe.

Es rücket unabſehbar die Heersmacht vor, Als hätte ſich geöffnet der Völker Thor,

Sie ordnen wohl ſich lange: dort Grenadier', Und hier, zehntauſend Roſſe, der Cüraſſier!

Sie ſtürzen bald ſich raſſelnd, entrollt in Reihn Weh, Preußen, deinen Schaaren! auf's Fußvolk ein. Doch das wird ſtehn und ſterben auf dieſem Feld,

Wird ſtehen feſtgewurzelt, ein einz'ger Held!

Sie ſtürzen bald ſich raſſelnd doch eh's vollbracht, Hat Friedrich ſchnellen Blickes beherrſcht die Schlacht! Schon krachen ſeine Donner nun zum Entgelt,

Und hundert Schlünde mähen ins Reiterfeld;

Und hält an rechter Stelle der Drieſen Wacht, Und in des Feindes Flanke ſtürmt Reitermacht; Das war ein Niederſchmettern mit voller Wucht: Was nicht erliegt, es ſtürzet in wilde Flucht.

Und ihre Flucht reißt nieder das eigne Heer, Die dichten Reihn zerreißend, ob Feind es wär'; Des Doppeladlers Flügel, er bricht, er ſinkt: Laß ſehn, ob ſeine Krone ſo hell noch blinkt!

Der Tag iſt kurz: Entſcheiden muß ſich's vor Nacht! Im Dorfe Leuthen kämpfen ſie wilde Schlacht.

Da iſt viel Blut gefloſſen, viel edles Blut,

Doch Preußen hat's genommen mit Löwenmuth.

Und jetzt die Höh'n! dort wieder die weißen Reihn, Hellleuchtend, bei der Mühle, im Abendſchein.

Die Brandenbnrger ſtürmen hinauf, hinein;

Da ſchlug zum Schluß der Wedel im Takt mit drein.

Die ſchlachterprobten Fahnen, wie ſtolz ſie wehn! Wo die Fanfaren ſchmettern, kein Widerſtehn! Schon dämmert's; eine Stunde nur länger Tag,

Und Oeſterreich erlieget auf einen Schlag!

Sie fliehn, hier, dort! gewonnen iſt Leuthens Schlacht Flucht überall, ſie fliehen im Schutz der Nacht!

Sie fliehn auf allen Straßen, in Haufen dicht Wer ſprach: die Leute gehen man ſtöre nicht?

Doch Friedrich läßt nicht raſten das flücht'ge Heer, Drei Stunden in die Nacht hin noch reitet er,

Sein Stern, kein andrer, leuchtet ſein Donner kracht,

Und ſchrecket noch den Flüchtling in finſtrer Nacht.

Im Schloß zu Liſſa raſten beim Ungarwein Die kaiſerlichen Führer, ſchaun düſter drein. Es kracht da draußen wieder im Hof Getös Die Thür geht auf Held Friedrich: Bonsoir Messie

u

Zweite verm. und verbeſſ. Aufl. Leipzig, Dürr'ſche Buchhandlung.

*

3