Der Reichsfürſt und des Kaiſers Schwert.
3 Der Deſſauer⸗Fürſt gar hoch berühmt, Der alte Schnurrbart zubenannt, In Worten nicht eben zartverblümt, Doch edelſtark von Herz und Hand,
Eine Flammenſäul' er für das Preußen⸗Heer, Am Etſch und Po, und an Elb' und Rhein! Als Friede gebot:„nehmt ab das Gewehr!“ Da fiel's ihm zu reiſen nach Deutſchland ein.
Und was er ſonſt nicht an der Elbe that, Und nicht an Etſch und Rhein und Po, Das ward nun mit Eins diesmal ſein Rath, Er gedachte zu reiſen incognito.
Wohl mocht' er meinen in ſeinem Sinn: „Die Leute, ſie fürchten vor'm Deſſauer ſich. Brauchen gar nicht zu wiſſen, wer ich bin, Ich reiſe ganz heimlich und ſäuberlich.“
Mein Deſſauer, hätt'ſt in den Spiegel geſchaut, Da hätt'ſt an Incognito nie du gedacht,
Dein Name nicht iſt's, wo den Leuten vor graut; Dein Aug' iſt's, dunkel und ſtreng wie die Nacht.
V
Es iſt deiner Stimme donnernder Schall, Gewaltig auch wenn ſie freundlich ſpricht,
Dein Bart, dein Zopfhaar, dein ganzes All,
V Schier ähnlich dem Cherub vor'm letzten Gericht.
S Sie kannten dich, wo du betratſt einen Ort, Sie erzeigten dir Ehr' und Furcht und Luſt. Da ſprach er:„ſo kennt mich denn fort und fort!
So kam er denn auch nach Nürnberg hin, Der weitaus kunſtgeprieſ'nen Stadt.
Sie wollten ihn feiern nach ihrem Sinn, Deß war der Schnurrbart im Voraus ſatt.
Er ſprach:„was all ihr an Schnurrpfeiferei'n Mir zeigen könnt, weiſ' ich von der Hand,
Die Bilder, die Puppen von Erz oder Stein,— 's iſt Alles mir doch blos Nürnberger Tand.
Die Reichs⸗Kleinode, die will ich ſehn,
Da liegt ernſt Sinn und Bedeutung d'rin.— Ihr beſinnt euch, ob ihr's wollt' zugeſtehn? Ihr müßt, derweil ich ein Reichsfürſt bin.
Und wenn ich vormal ein Reichsfeind war, So war ich's als preußiſcher General. Jetzt aber iſt's Friede ganz offenbar.“— Und innerlich murrt er:„mir freilich fatal.“—
Rovellen⸗Zeitung.
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Friedr. de la Motte-Fouqué.
Bleib' ohn'hin ja doch ich mein ſelbſten bewußt.“
Lieder⸗Chronik deutſcher Helden. Zuſammengeſtellt von Adolf Böttger. Vierte Auflage. Leipzig, Friedr. Wilh. Grunow.
Sie thaten auf raſch Thür und Thor,
Und zeigten ihm die Kleinodien all.
Er kam ihnen wie ein Löwe vor;
Sie fürchten, er ſpiel' mit dem Reichsapfel Ball.
Er aber verhielt ſich ganz ſittſamlich,„
Sah ſtill hin auf all das Gold und Geſtein
Und regte nur kauns mit der Mühe ſich,
Als dächt' er:„'s iſt gut;— könnt' auch anders ſein.“
Doch unter den zierlichen Dingen zumal
Von edler Bedeutung und reichlichem Werth, Lag auch lang, ſcharf und breit ein Stahl, Mit guldigem Griff: ein gewaltiges Schwert.
Da ſprach der Fürſt:„o du leuchtende Pracht“—
Und die Augen funkelten feucht gerührt,—
„Wer war einſt dein Herr?“— Und ſie ſprachen:„in Macht Hat dies Schwert Kaiſer Karol Magnus geführt.“
Und der Deſſauer nahm in die ſtarke Hand
Das ſtarke Schwert gar keck und frei.
Und ſie baten:„Durchlaucht, verfahrt galant, Und brecht uns das ſchöne Schwert nicht entzwei.
Wir wären verfehmt vor Kaiſer und RNeich, Wenn uns zerbräche dies Helden⸗Schwert.“ Da lachte der Fürſt:„zerbräch' es gleich, Wär's nicht der Müh' des Zerbrechens werth.
Hat's aber geſchwungen des Karol's Fauſt, Zerbricht's in des Deſſauers Fauſt auch nicht. Doch weil euch gar ſo gewaltig grauſt,
Prüf' ich nur ein Bischen das ſcharfe Licht.“
Er nannt' es:„ein Bischen,“ ſie nannten's„gar ſtark“, Und ward ihnen herzlich bang zu Muth,
Doch ſo wie gut war des Deſſauers Mark:
Des Karol's Klinge war gleichfalls gut.
Da gab es der Deſſauer wieder zurück, Und lacht' und freute ſich friſch und klar. Sie aber nannten's ein großes Glück, Daß Alles gut abgelaufen war.
Und ſie nahmen ſich's gar vorſichtiglich vor, Nie wieder zu zeigen das Helden⸗Schwert, Als ſei es von Marzipan oder Flor;— Die Thorheit hat aber nicht lange gewährt.
Seit Sieg auf Deutſchland kam vom Herrn, Und wir All' uns fühlen des Karol's werth, D die Herrn von Nürnberg gern Jed Manne das Karol⸗Schwert.


