Das verroſtete Schwert in Halberſtadt.
Zu Halberſtadt, am Domplatz, da hängt ein Ritterſchwert, Und Keiner geht von dannen, dem das nicht ward erklärt. So meld' ich denn die Kunde, wie ich ſie ſelbſt vernahm,
Was jenes Schwert bedeute, wie's an die Kirchwand kam.
Zur Zeit, als in den Menſchen das Herz lebend'ger ſchlug, Als ſie zum heil'gen Lande noch fromme Sehnſucht trug, Da lebte Curt von Spiegel, aus hoher Ahnen Blut, Dem Namen gleich ſo lauter, des Ritters Herz, ſo gut.
Es betet an der Ritter ein Fräulein ſchön und zart, Ihm war nur ſie ſein Höchſtes, ſein Stern der Erdenfahrt.
Die größten Opfer bringen, ihm ſchien's ein Kleins zu ſein,
Der taub für alle Freuden, als die, nur ſie erfreu'n.
Doch lange blieb vergebens ſein Opfern und ſein Mühn; Die ſchlaue Spröde wußte ihn gut am Seil zu ziehn.
So ſehr er ſchätzt die Ehre, will gelten gern als brav,
So ſtolz iſt er des Glückes, wenn ſie ihn macht zum Sclav.
Und als durch langes Minnen er's ſtandhaft noch erringt, Daß ſie, von ſolcher Treue gerührt, den Stolz bezwingt: Da tönt der Ruf des Herzogs, von dem er trug zur Lehn, Zu folgen nach Aleppo, wohin die Banner wehn.
Denn Trübſinn und Beſtürzung die Chriſtenheit erfüllt, Um ihre dort'gen Brüder, wo's ſchnelle Hülfe gilt. Auf's Neu' iſt eingefallen in's Land der Muſelmann, Edeſſa ging verloren, wo blut'ge Rach' begann.
Den Ritter ruft von hinnen die Pflicht, der heil'ge Zorn, Die Ehre ſeiner Schönen iſt auch kein ſchwacher Sporn. Er tröſtet ſie, beim Abſchied wird ew'ge Treu' gelobt,
Und im Gewühl der Schlachten wird oft ſein Muth erprobt. Und träufelt Blut zu Boden, daß rings das Gras verdorrt.
Novellen⸗Zeitung.
Album.
Dr. Brüg.
„Im feſtlich Putz der Gäſte geht Mancher aus und ein;
Der Kaiſer ſelbſt hat Curten, der ihm zur Seite focht, Mit Ehrenkreuz geſchmücket, ſo daß ſein Herz ihm pocht, Weil er nicht kann erwarten den ſüßen Augenblick,
Sein Liebchen zu erfreuen, ihr meldend ſein Geſchick.
Und wie er hält am Thore, ſieht er der Knappen viel Bewachend Roß und Wagen, im Hauſe klingend Spiel;
Er fragt; man iſt verwundert, wie's nicht bekannt ſollt' ſein,
Daß heut' der hohen Herrin die Hymensfackel brennt.
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Der Ritter ſteht verſteinert, als man den Bräut'gam nennt; mſame, .
Graf Rheinſtein, ſein Halbbruder, hat ihm die Braut bethört; H feſti
Er wend't ſein Pferd gelaſſen; er hat genug gehört. dan Str 4 1 Nd W
Hin vor der Gottesmutter knie't er, dem Wunderbild: Theite,
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„Dich, Königin des Himmels, nehm' fürder ich als Schildz peoßen Was hab' ich auf der Welt noch, wenn tüͤckiſcher Verrath daoff m So dicht an meinem Herzen, ſo ungeahnt mir naht?“ den nit zu
Da dringt ein Stich, ein raſcher vom Rücken, durch die Brut. Ein Hochzeitgaſt, der fürchtet, daß Curt noch ſtört die Luſt,
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War hier ihm nachgeſchlichen. Der geſtern noch am Bord, Deß Blut ganz Syrien färbte, er fiel durch Meuchelmord. iuaa
lddena Dem Bruder ward die Kunde zu ſeiner großen Scham. hnd b Hin welkt ſein Weib in Bälde; es nagt an ihr ein Gram. K
Sie ließen Meſſen leſen und die Kapelle bau'n, Daß Niemand ferner ſollte der Mordthat Stelle ſchaun.
ſe ſtoblſc ſcinr die n Weſten Wälzer d Flihe Aarg Vitter
Sie ſchenkten auch der Kirche wohl manche Hufe Land, Doch ihre ſchwere Blutſchuld verdeckt nicht Stein, nicht Sand, Es ſchwebt an dem Gemäuer ein blutig Schwert hinfort,


