Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
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genannteSchmiere zu pachten. Nicht lange darauf werden wir durch ſeinen Tod, den er als vergeſſener Privatmann findet, nicht ſowohl ſchmerzlich berührt, als vielmehr von einem wahren Alpdruck auf unſer Gemüth und unſer äſthetiſches Gefühl erlöſt. Ein Held, der keine erkennbare Naſe mehr hat und bei deſſen Erſcheinen ſich die Welt abwendet, iſt eine be⸗ klagenswerthe Invalidenperſönlichkeit, aber keine Auf⸗ gabe mehr für die Poeſie.

Holtei wußte dies vollkommen; doch er wollte anatomiſch wahr ſein und den Hohn der eiſernen unerbittlichen Wirklichkeit ſchildern, welche ſo gern das Höchſte als Kanonenfutter im Kampfe des täg⸗ lichen Lebens verbraucht. Dieſe Abſicht iſt ihm ge⸗ lungen; aber er hat, über ihre Tendenz die befriedi gende Wirkung unter den Händen verloren, welche ein Product der Dichtkunſt und ein ſolches iſt

Novellen⸗Zeitung.

ſein Roman urſprünglich durchaus auf den höͤherenn. D Geſchmack machen ſoll. lezeüſſe no

All jene Mängel haben jedoch nicht verhindert, i auert daß ſich feſſelnde und von reichen praktiſchen Erfah hatln rungen durchwebte Einzelſchilderungen in den beiden e

Wwebte mns Be letzten Theilen ſeines Werkes zu einer Epiſodenkettſ

a du nim locker an einander reihen, die überall von der leben es di ei digen Phantaſie und reichen Lebensanſchauung deß Verfaſſers zeugt.

Dieſer ſein neueſter Roman wird im erſten Bandeue glüch von empfänglichen Geiſtern verſchlungen und in den Pvon Dan beiden anderen immerhin gern geleſen werden, dennſaill daß er bildet ein ſpätes Hauptmoment in der Entfaltungſtte, um des Holtei'ſchen Talentes; beſonders aber muß ich noch 4 6 üir den Fleiß anerkennen, mit welchem Holtei ſeinen in⸗ hhenes dividuellen Styl correct und umſichtig durchgearbei⸗ dherzlich tet hat. m würdi nen war en Vät

Waru

kilen, gel

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Briefe aus zwei Jahrhunde

1760.

Lieber Bruder, du erinnerſt dich gewiß noch an die Jungfer Chriſtiana Wincklerin, an das fromme Mädchen, das immer ſo beſcheiden und andächtig neben ihrer Mutter in der Kirche ſaß und ihr Auge nur aufſchlug, um den alten Prediger anzuſehen. Unſvre Eltern machten uns ſchon als Knaben auf ſie aufmerkſam, und wenn die Mutter ihren Fleiß und ihre Wirthſchaftlichkeit lobte, ſo wußte der Vater von ihrer Freundlichkeit und Sittſamkeit zu erzählen. Ihre Mutter iſt geſtorben. Sie kam am letzten Sonntage in tiefer Trauer in die Vormittagspredigt, und mein Herz ward ſehr bewegt, wie ich ihr blaſſes leidendes Geſicht und ihr rothgeweintes Auge ſah. Unſer Herr Superintendent hielt eine herrliche Predigt über das Vertrauen auf Gott, und wie man in allen Dingen nur auf ihn ſehen und ſeine Hoffnung auf den Höch ſten allein ſetzen müſſe, der für unſer Schickſal väterlich ſorgt. Da kam mir der Gedanke ein, ob dieſes fromme Mädchen nicht eine gute Hausfrau für mich werden könnte, und ich bat Gott recht aus der Fülle meines Herzens, er möchte ſeinen gnädigen Segen dazu geben, wenn es ihm wohlgefällig ſei, oder es hintertreiben, wenn es ſeinen weiſen Abſichten nicht gemäß wäre. Drei Tage trug ich den Gedanken ſtill in mir herum, aber geſtern, da der Vater ſo ernſt fragte, was mir fehle, konnte ich es nicht länger verbergen. Du hätteſt unſern ehrwürdigen Vater ſehen ſollen, wie ſein Auge vor Freude glänzte, er ſprach wenig, aber Worte voll Rührung und Se⸗ gen. Darauf hieß er mich aus der Stube gehen, und rief die Mutter herein, und die beiden Eltern waren lange mit einander allein. Als die Mutter wieder herauskam, fiel ſie mir um den Hals und weinte. Abends in der Betſtunde mit unſern Leuten ſangen wir das ſchöne LiedIn allen meinen Thaten. Ich war ſehr bewegt, der Vater ſang aus voller Bruſt, die Mutter konnte ſich der Thränen nicht ent⸗

Jeuilleton.

um ſi er ſich ſchwer

nicht * ich: tit beſc rten über Liebe und Ehe. 4 1860. 8 Herzensbrüderchen, freue dich oder platze vor Nein irrtem Fanny, die göttliche Fanny iſt mein, trotz all der Menge von s ſeh Anbetern, die ſie umlagert hatten! Ich habe geſiegt, mein andich f Triumph iſt vollkommen. Ha, es iſt zum Todtlachen, w ren üi die Herrrchen für Geſichter ſchneiden, die ihr ſeit Jahren de as Feſt Hof machten, und von welchen jeder im Stillen glaubte, erſatt ſei der einzige Beglückte. Ich habe, hol mich der T, noch nicht ſg ſo viel kaltes Blut, dir das Alles umſtändlich und erden zu erzählen. Kriegsraths gaben einen Ball auf ihrem Land⸗i 14 dauſs Wir ſwaun um 6 Uhr hinaus. Die Geſellſch eeen verſammelte ſich, es war langweilig, ſteif, eine echte Theesee h, partie. Jetzt trat Fanny mit ihrer Mutter herein, und all jungen Leuten ſchlug das Herz höher, und ſelbſt die Alt

Lehr wurden lebendig. Ehe der Tanz anging, bat man ſie zu 5 bh ſingen; ſie ſang und accompagnirte ſich ſelbſt. Welch ein hache Ton, welch ein Vortrag, welch ein Spiel! Alles war ſtilll ii weint und lauſchte den ſilberreinen Tönen, die über die ſchönſtenſ. ſen Lippen floſſen. In der That, ſie hat die vortrefflichſte Er n siſ ziehung gehabt, ihr Vater hat nicht geruht, bis er ſie im 8* 3

Franzöſiſchen, in der Muſik und im Geſang zur höchſte le uns

Vollkommenheit gebracht hat. Jetzt wurde getanzt. J un L. flog mit ihr den ſtürmenden Galopp den Saal entlang, und 3 3 ihre Pulſe ſchlugen an den meinigen, ihr voller Buſen wall d meinem klopfenden Herzen entgegen. Der Tanz war vorbei⸗ te Ich küßte ihren Arm, und ein raſcher Druck von ihrer weichen 1 ſchönen Hand durchzuckte meine Nerven. Sie ſchlug e e9 zit ä Tuch um und bat mich, ſie in den Garten zu führen. Wir jeßzeitn waren allein, die Nacht war göttlich, ich ſchloß ſie in meine ſa der d

Arme, ich drückte ſie an mein glühendes Herz, ich ſprach vo

... 9 un Liebe, von Ehe, von dem Glücke ewig mit ihr zu leben, und Mte zitternd und erröthend erwiderte das himmliſche Geſchöp nder un

löhat.

meine Küſſe, und das Verſprechen, das mich zum Glücklich