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des Rechten und Unrechten ſein. Aber da das höchſte Weſen durch den Hohenprieſter dargeſtellt wird, der in deſſen Namen ſpricht, ſo zeigt der Ehrgeiz und der Egoismus der Prieſter⸗ herrſchaft ſich ſtets klar genug, ſelbſt wenn ſie von deren Solidar ität aller Menſchen als der erſten Pflicht derſelben ſpricht.
Die drei erſten Tage der großen eleuſiniſchen Myſte⸗ rien vergehen unter Gebeten, Faſten, Abwaſchungen, Opfern, Darbringung von Gaben und Proceſſionen an dem Ufer des Meeres.
Am folgenden Tage folgen heilige Tänze, Pantomimen, welche die Entführung der Proſerpina und die Entdeckung des Ackerbaues durch Triptolemus darſtellen, Feſte und Er⸗ götzlichkeiten aller Art auf den Wieſen.
Der fünfte Tag wird durch die Ceremonie der Fackeln bezeichnet, welche der zu Sais in Aegypten nachgeahmt iſt. Die dazu Geladenen halten eine brennende Fackel in der Hand, ziehen ſchweigend zu Zwei und Zwei in einer langen Reihe hin und wechſeln dann gegenſeitig die Fackeln, indem ſie dieſelben ſich von einer Hand zur andern reichen.
Der ſechſte Tag iſt dem Jacchus gewidmet, dem Sohn der Ceres. Die Bildſäule dieſes Gottes iſt mit Myrthen gekrönt; man trägt ſie mit großen Pomp und bei dem Klange der Inſtrumente mit der ſeiner Mutter von dem Elyſium in Athen bis nach dem Anactorum oder dem Tempel von Eleu⸗ ſis. Die heilige Wanne, der Kalathos, der Rhombos, der Phallos folgen der Proceſſion, welche Athen durch das dypi⸗ liſche Dorf verläßt und auf dem heiligen Wege gegen Eleuſis fortſchreitet. Die Prieſter ſingen Hymnen zu Ehren des Jacchus, und die ſie begleitende Menge ſchreit: Jacchi! evohe Jacchi! a.
Migsrellen.
Ein Componiſt, der ſich durch Geiſtloſigkeit eben ſo ſehr, als durch Arroganz auszeichnete, klagte in einer Geſellſchaft über die häßlichen Druckfehler, die ſeine Werke immer ver⸗ unzierten.„Noch neulich,“ ſagte er,„ließ ich ein Lied, das, wie ich ohne Eitelkeit ſagen darf, großen Beifall eingeerntet hat, in der—— Zeitſchrift abdrucken; aber, mein Gott! wie hat es die Preſſe entſtellt!“„Allerdings,“ erwiderte ein anweſender ſehr geachteter Tonkünſtler,„gleich die erſte Note war ganz ohne Kopf!“
„
Die Sammlung des Bongarſius von den Geſchichts⸗ ſchreibern der Kreuzzüge hat den beſcheidenen Titel: Gesta Dei per Francos in Oriente(Die Thaten Gottes durch die Franken im Oriente). Heut zu Tage würde der Titel ganz anders lauten!
Kleine Kritiken.
Geſchichte eines jungen Mäd s, deutſch von Henrik Helms. Leipzig, Verlag von Wiedemann. Dieſe kleine Erzählung iſt angenehmer als viele andere auf dem modernen Büchermarkt. In der That liegt über derſelben der Duft der einfachen ſcandinaviſchen Vollnatur verbreitet, und neben innigen tief angelegten Charakteren fin⸗
Novellen⸗
Zeitung.
det ſich auch ein ſtiller Humor, der durch die Gegenſätze inneren und äußeren Lebens einer darin gut gezei Perſon, eines jungen Officiers, ungezwungen hervortri Die Schilderung hat viel Wärme, und trauliche zelvorzüge laſſen gern über jene Mängel hinwegſehen, welch man an der Geſtaltung des Ganzen rügen könnte. lich weibliche Herzen werden eine willkommene Stunde beim Verfolgen dieſer kleinen Leiſtung genießen. O. B.
Lebensbilder unbekannter St. Gallen. 1863..
Die ungenannte Verfaſſerin widmet, wie ſie ausdrücklich ſagt, ihre Lectüre„den Frauen und Mädchen, denen ein ge⸗
müthliches Buch lieber iſt, als jedes andere, und welche darin
Zeitgenoſſen.
Erholung ſuchen nach des Tages Arbeit, nach dem Lärm der
Kinderſtube und nach der unfreiwilligen Muße, welche die Gebrechlichkeit des Alters mit ſich bringt.“ Die Verfaſſerin fühlt ſich als Frau im Rechte, dieſem Bedürfniß entgegen zu
kommen. Sie verſichert hier Darſtellungen gegeben zu haben,
deren Urbilder wirklich im Leben an ihr vorübergegangen ſind, und wünſcht zum Schluß, daß ſich ihr Büchlein einniſten möge bei ihren lieben Schweſtern in allen Gauen deutſcher Zunge.
Man iſt heut zu Tage gewohnt, von weiblichen Federn in dieſem Ton niedlicher beſcheidener Gemüthlichkeit reden zu hören. Eine kleine überall gerne geſehene Moraltendenz ſucht dem Entgegenkommen des Publicums eine Brücke zu bauen, und mit dem gleichen Hülfsmittel ſind denn auch dieſe kleinen Geſchichten:„Eine Weltdame“,„eine deutſche Pfarr⸗ familie“,„ein Picknick“,„auch eine unbekannte Größe“,„der letzte Nachtwächter“,„zwei Bilder aus dem Leben auf der ho⸗ hen See“,„eine Feuerſeele“,„glückliche Menſchen“, auf das Reichlichſte verſehen und bilden den Beſtand eines literariſchen Hausgärtchens, in dem jedes Zweiglein angebunden und jedes Giftpflänzchen mit einer Warnungstafel derſehen iſt.
Blumengeſchichten für denkende Mädchen. St. Gallen. Verlag von Scheitlin und Zollikofer. 1863.
Noch mehr paßt das Bild eines literariſchen Gartens für dieſes Product der Verfaſſerin. Es wurde für die noch ſehr hoffnungsvolle Jugend beſtimmt, denn je jünger je hoffnungsvoller ſind die Knäblein und Mägdlein bekanntlich; eine Zugabe, die ſich mit den Jahren häufig zu verlieren pflegt. Die Blumen und der Begriff ihres Seins wurden hier zu Märchen verarbeitet, vom Gänſeblümchen bis zur Roſe, und es wäre wirklich kein Wunder, durch ſo viele Bilder der Sittlichkeit die Kinder recht frühzeitig der Tugend in das wohlwollend ausgebreitete pädagogiſche Schmetterlingsnetz gerathen zu ſehen. Freilich werden dabei die bunten Flügel
des Frohſinns ein wenig lädirt, und nachdem der unartige, aber
kecke Uebermuth gehörig geſchwefelt und gedämpft iſt, wird er mit Nadeln geſpießt und regelrecht aufgeſteckt.
den wieder ausgleicht.
Frau Julie Burow hat für ſolche ſinnige Erziehungs⸗ J beſtrebungen ihrer ſchriftſtelleriſchen Genoſſinnen ein nicht wenig anregendes Beiſpiel gegeben, welches die Peiatere.
lente emſig nachahmen.
7.„„ Nedigirt unter Veräntwortlichkeit von Oito Friedrich Dürr in Leipzig.— Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig.— Druck von A. Edelmann in Leipzig.
Vorzüg⸗
Man tröſtet ſich, daß das moraliſche Geſammtreſultat den poetiſchen Scha⸗
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