Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
830
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Endlich, wenn du erſcheinſt, du Geiſt der Zukunft, Suchſt du unter den Namen, die für Deutſchlands Sieg und Chre im Vordertreffen ſtritten,

Und du wirſt rufen: Ludwig Uhland!

Ludwig Uhland hallte ein ſchallendes Echo von der gegenüberliegenden Hügelwand nach, als hätte der Geiſt des deutſchen Volks beſtätigend geantwortet..

Gedichte von Nicolaus von Gerbel.

O Myrthenſtrauß, den einſt in holder Blüthe Mein Mädchen mir zum Angedenken gab, Was weckſt Du nun die Trauer im Gemüthe Mit der Erinnrung mächt'gem Zauberſtab?

Die ſüßen Wonnen, die ich einſt beſeſſen, Was zauberſt Du ſie wieder mir empor? Sie hat uns läugſt, die Holde, ſchon vergeſſen, Um die der Seele Frieden ich verlor.

Und in Gedanken trauervoll und trübe Schau' in die Ferne einſam ich hinaus, Ich lebe noch doch fern von meiner Liebe, Welk und vergeſſen, wie der Myrthenſtrauß.

O ſüße Nacht, mir hold und theuer, Verleih den Troſt mir, der mir fehlt, Der Liebe ungezähmtes Feuer

Uovellen-Zeitung.

(VIII. Jahrg.

Umhülle du mit deinem Schleier, Nimm von mir Alles, was mich quält!

Und deine Schatten will ich grüßen, Wie ein Unglücklicher das Glück, Mit meinen Armen ſie unſſchließen, Tief in ihr Dunkel zu zerfließen, Entfliehend meinem Mißgeſchick.

O ſüße Nacht, dir hingegeben

Fleht meine Seel' aus Gram und Noth; In deinen Schooß voll Freudebeben Der Erde möchte ſie entſchweben,

Wo Schmerz und Kummer ſie bedroht!

Die Sonne, längſt iſt ſie hinabgeſunken

In das geheimnißvolle, ſtille Meer,

Und ich ſteh', von Erinnerungen trunken, Und ſchaue Nacht und Dunkel um mich her.

Und mich umrauſchen ſauft der Lüfte Wogen Wie leichte Träume, die ich einſt geſchaut, Die mir geſchmeichelt, doch die mich betrogen, Als ich auf ſie mein ganzes Glück gebaut.

Doch nimmer kann das arme Herz ſich trennen Von den Gebilden, die es einſt gehegt,

Und heiße Flammen noch im Buſen brennen Der ew'gen Sehnſucht, die ihn noch bewegt.:

Dann möcht' ich mich in alle Lüfte ſchwingen, Von jeder Pein der Erdennoth befreit, Unhörbar ſtill vergehen und verklingen Ein Sehnſuchtswunſch an die Vergaugenheit.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Der Raub Straßburgs. Vaterländiſcher Roman in drei Theilen, von Heribert Rau. rariſche Anſtalt. 1862.

Berthold Auerbach brachte vor einiger Zeit unter den vorzüglichen patriotiſchen Aufſätzen und warmen politiſchen Herzensbeſtrebungen ſeinerDeutſchen Blätter auch eine Mahnung aus dem Elſaß. Es war eine Mahnung an viele unſerer Zuſtände, die wohl noch über jene Schattenſeiten hinausgehen, welche drüben möglich ſind bei franzöſiſchen, in ſo mancher Hinſicht verwerflichen Inſtitutionen. Eine ſolche Ironie zur rechten Zeit iſt trefflich, um den Deut⸗ ſchen damit dann und wann als ſpaniſchen Pfeffer auf das Butterbrod der Geduld und auf den gebratenen Apfel der ſtillen Zufriedenheit geſtreut zu werden. Es iſt in der That ſpaniſcher Pfeffer und erweckt aus manchen behag⸗ lichen Träumen des Indifferentismus, wenn die Elſaſſer ſagen: wir ſiud zwar geborne Deutſche und haben verlan⸗

Frankfurt, Lite⸗

gendes, treues Heimathsgefühl; doch wir möchten durch⸗ aus keine deutſchen Unterthanen wieder werden, ſo lange

Ihr, die Ihr noch nicht franzöſiſch geworden ſeid, mit die⸗

ſem und jenem Jammer behaftet werdet.

Aber das Elſaß bietet für alle im Publicum, die Deutſche zu heißen verdienen, noch eine andere Mahnung dar, eine hiſtoriſche Mahnung an eine wahrhaft hiſtoriſch gewordene Schmach.

In Geſchichtswerken, auch in leicht und faßlich ge ſchriebenen, ſind längſt ausführliche Schilderungen gegeben über jene demüthigenden Verhältniſſe, unter welchen durch politiſche Liſt eine der ſchönſten deutſchen Provinzen vom deutſchen Vaterlande abgeriſſen wurde, ohne daß auch nur ein deutſcher Fürſt einen entſcheidenden Schritt zur Ver⸗ hütung dieſer finſtern Nationalſchaude unternommen hätte. Sie wußten alle nichts von gemeinſamem deutſchen Patrio⸗ tismus, und das Volk exiſtirte damals noch weniger denut