Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
818
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Uovellen-Zeitung.

(VIII. Jahrg.

Auguſt Mahlmann.

Die Natur.

Hier, wo die Einfalt Hütten baut, Vom Weltgewühle fern,

Hier weilt, mit deinem Reiz vertraut, Natur! dein Liebling gern.

Ihn ſtort in deinem Tempel hier Der Rauſch der Erde nicht, Froh blickt er, gute Mutter, dir Ins ſchöne Angeſicht!

Du aber lachſt ihn freundlich an, Du gibſt ihm frohen Sinn,

Und führſt ihn deine Blumenbahn Durch's ganze Leben hin!

Einſt ſchläft er ein in deinem Schooß, Er fällt wie Blüthen ab!

Da ſchmückeſt du mit weichem Moos Sein kleines ſtilles Grab!

Des Jünglings Sehnſucht.

Du, der der Herzen Harmonie

Zum Segen ſeiner Welt verlieh, Gib, Gott der Liebe! mir ein Weib Mit ſchöner Seel' und ſchönem Leib!

Voll ſanftem Reiz und engelrein Laß du ihr blaues Auge ſein, Und gieße holder Tugend Luſt In ihre unſchuldvolle Bruſt!

Gib ihr ein ſanftes, gutes Herz

Voll Mitgefühl bei Freud' und Schmerz, Das froh die ganze Welt umarmt

Und jedes Elends ſich erbarmt.

Daß ſie in düſtrer Lebensnacht

Den ſchweren Traum mir heiter macht, Daß ſie von mir mit ſanftem Kuß Verſcheucht des Lebens Ueberdruß!

Gibſt du ein Weibchen mir ſo hold,

So frag ich nichts nach Rang und Gold, So kümmert mich kein Edelſtein,

Der ſchönſte Demant wär ja mein!

Dann bin ich froh, dann bin ich reich, Dann leb' ich deinen Engeln gleich, Dann blüh'n mir unter'm niedern Dach Der Freude Blumen tauſendfach!

Und wenn des Lebens Sonne ſinkt, Dein Bote mir nach jenſeits winkt, Dann ſchlummr'ich, um bei dir zu ſein, Am Buſen meiner Gattin ein!

Auguſt Mahlmann's ſämmtliche Gedichte.

Miniatur⸗Ausgabe.

Weihnachtslied.

Als unſer Herr zur Erde kam, Ins Thal der Noth und Sünden, Die Laſt der Menſchheit auf ſich nahm, Sein göttlich Reich zu gründen: Da pflanzt' er Lieb' und Gottvertraun Wohlthätig in die Thränenau'n Des armen Menſchenlebens.

Verſöhnung bracht' er, Troſt und Licht, Sein Thun war Heil und Segen, Sein Wort gab Kraft und Zuverſicht

Auf ſchweren Prüfungswegen; Ein Heil, Ein Glaub', Ein Liebesbund Sollt' auf dem ganzen Erdenrund

Die Seinen treu verbinden!

Der Göttliche war Kinderfreund; Der Unſchuld frommes Lallen, Ihr Blick, dem Alles heiter ſcheint, War ihm ein Wohlgefallen. In Kindesherzen, zart und weich, Erblickt' er ſeines Vaters Reich Und ließ ſie zu ſich kommen.

Er ſprach: Das heiligſte Gebot Iſt das Gebot der Liebe! Und ſtarb den ſchweren Opfertod In Wohlthun und in Liebe! Wir ſind die Seinen, unſre Bahn Geht glaubensvoll zu ihm hinan, Durch Wohlthun und durch Liebe!

Drum hat ſich Lieb' und Zärtlichkeit Das Weihnachtsfeſt erkoren,

Und Freud' und Wohlthun Dem geweiht, Der einſt der Welt geboren.

Beglückt vereint ſich Groß und Klein,

Um in der Liebe Sonnenſchein Sein heilig Feſt zu feiern!

Einſt tönte Cherubinenklang, Als er zur Welt getreten;

Jetzt lallen Kinderlippen Dank, Und Chriſtenherzen beten.

Herr! nimm die Deinen gnädig an!

Sieh' auf die Kinder, die ſich nahn, Um Liebe zu empfangen!

O ſegne, du biſt ſege nreich,

Du Gott der Mild und Güte, Die zarten Herzen ſanft und weich, Der Menſchheit neue Blüthe! Damit das künftige Geſchlecht, Im Lieben treu, im Leben recht, Dir deinen Tempel baue!

Leipzig, Hermann Fries. 1863.

R.