Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
802
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AEBEMI

Novellen-Zeitung.[VIII. Jahrg.

Emil Edel.

Ferien im Harze. Biſt Du ermüdet, ſo ruh', Aber bedenke Du: Froh in froher Knaben Kreiſe Gleicher Schritt Mach' ich meine Ferienreiſe, Kommt ſichrer mit. Und wer mitgeht, lernt genug: Jede Reiſe gilt ein Buch. Mancher Ziele Wahl Macht Euch viele Qual. Auf der Schule harten Bänken So wählt den erſten beſten Ort, Lernt Ihr an die Freiheit denken! Dann mindert ſich der Orte Zahl, Auf den Höhen, hier im Frei'n Und raſcher geht's zum andren fort. Lernt Ihr denkend, frei zu ſein. Nur Zaudern in der Wahl Macht Wahl zur Qual. Morgenſtunde Hat Gold im Munde. Genüſſe, die am Wege liegen, Jeder kann's ſich ſelber prägen, Gewähren flüchtiges Vergnügen, Vollen Werth hat's allerwegen, Doch wenn man ihn verdienen muß, Weil's kein träger Burſch erwirbt, Wird der Genuß zum Hochgenuß. d Weil es keinen Mann verdirbt. 1 jn Dort hindern Baum⸗ und Felſenreſte, Her Nun, Jungen, kommt! Marſchiret mit, Bequem und eben iſt es hier Die Gewöhnt Euch an den Männertritt, Der grade Weg iſt wohl der beſte, 3 So ſteil es auch und ſteinig wird: Den ſchönſten aber wählen wir. für Gleichmäßig, feſt und unbeirrt. St Damit iſt aber nicht geſagt, üü Die Sonne ſcheint, ein rothes Feuer, Daß uns der krumme Weg behagt, trä Noch kühl durch feuchte Nebelſchleier; Indeß wo grade Menſchen gehn, ſträ Der trübe Flor wird, wenn er fällt, Sind auch die krummen Wege ſchön. Ein Perlenſchmuck der Pflanzenwelt. müt Wir haben dieſen Berg erklommen, l ſein So folgt der Trauer friſch're Luſt, Die Andern ſind uns nachgekommen nach Iſt freier die befreite Bruſt, Auf Wagen und auf Pferden, dem Und aus der Wehmuth Nebelhülle Um ſchneller müde zu werden. l Lebe Perlt glänzend die Gedankenfülle. gleie Nicht alle Felſen ſind erſtiegen, ſtan Gold im Munde wie im Täſchchen, So trotzig ſie im Wege liegen; der Geiſt im Kopfe und im Fläſchchen, Wir ſchlüpfen, uns nicht aufzuhalten, falte Leichten Fuß und leicht Gepäck, Oft hier und da durch Riſſ' und Spalten, ſche Alſo kommen wir vom Fleck Der Hinderniſſe ſieggewiß Und erreichen Ziel und Zweck. Umgehn wir auch ein Hinderniß. d .. Tag Wir wandern, wie die Jungen pflegen, 9 blicken gerne 1 Auf Ab⸗ und Um⸗ und Nehen wgehe In Uie Adgerrbfit Maur Nachher auf Karten ſehn wir nach, Und der Brocken, mir zur Qual, I der Wo denn die große Straße lag. War und blieb ihr Ideal. St Jetzt erfahren ſie mit Staunen: frie Wer fragt: Warum? Rieſen haben rieſ'ge Launen. Der kehre um! 1 Doch Ihr ſollt das Sahicſal tragen be Am herrlichſten iſt die Natur Und mir nicht den Berg verklagen! die Auf möglichſt unbetretner Spur; Sprecht, denkt Ihr an ihn zurüuck: Ibe Es gehn auf der bekannten Damals hatten wir kein Glück. llln Philiſter und Pedanten. 3 ö f ſ

Kieine Welt. Von Emil Edel. Zweite

veränderte Auflage. Hildesheim, Gerſtenberg'ſche Buchhandlung. 1863. S