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Sturmnacht.
Wie's brauſet und ſtöhnt, Wie die Bäume ächzen, Die Hausthüre dröhnt, Die Windfahnen krächzen, Wie's fällt und ſteigt Gleich Donnersrollen, Und unheimlich ſchweigt Im finſtern Grollen! Wie in wilder Jagd
Die Wolken ſich treiben, Wie's ſtößt und kracht Um die eiſigen Scheiben! Wie drohend die Nacht, Wie ſchwarz ſie dunkelt! Kein Mondſchein wacht, Kein Sternlein funkelt! Und im Luftzuge bebt Die flackernde Kerze, Und es fluthet und ebbt Das bangende Herze, Und denket ans Meer, An die Rieſenwellen, Die brauſen daher
Und ſtürzend zerſchellen; An die Berge von Sand, Die heimlich lauern,
An den tückiſchen Rand Der Klippenmauern.— Fahrt wohl, ihr Schiffe, Die ausgezogen;
Gott baut die Riffe,
Er thürmt die Wogen. Schlaft wohl, ihr Brüder, Auf Meeresboden;
Die See gibt wieder Und das Grab die Todten.
Sterne.
Taucht ein Lämpchen nach dem andern
Aus dem nächtig blauen Grund, Gute Geiſter gehn und wandern Leuchtend über's Erdenrund.
Und in ſtiller Runde hüten
Sie des Pilgers Erdennacht,
Gehn vorbei am Schlaf des Müden, Tröſten den, der leidend wacht.
Streicht ein Wölklein auch vorüber, Hält ſein Nebelkäpplein vor,
Bald nur freu ndlicher, nur lieber Bricht der milde Strahl hervor.
Gedichte von Eduard Hlller.
AXBEIN
Uovellen-Zeitung.
Eduard Hiller.
Zweite Auflage. Stuttgart, Verlag von P. W. Quack. 1863.
Haide.
Auch die Haide iſt ſchön: Gar kräftig und kühn Auf mageren Stätten Bei Steinen und Letten, Da ſtreckt ſie ſich hin— Auch die Haide iſt ſchön!
Auch die Haide iſt ſchön: Im gelblichen Grün,
Wo aus niedlicher Mooſe Sanft ſchwellendem Schooße Felsnelken erglühn—
Auch die Haide iſt ſchön.
Auch die Haide iſt ſchön: Wo die Diſteln blühn, Wo um rauhliche Steine Gar zierliche kleine. Goldflechten ſich ziehn— Auch die Haide iſt ſchön.
Auch die Haide iſt ſchön: Da winden und drehn Sich unzählige Leben, Sie ſchaffen und weben, Sie kommen und gehn— Auch die Haide iſt ſchön.
Auch die Haide iſt ſchön: Wenn die Märzlüfte wehn, Gehn die Schafe zur Weide Auf die würzige Haide, Nach Winter und Wehn— Auch die Haide iſt ſchön!
Cultur.
Reich ſind ſie wohl die Fluren, Voll Saft ihr ſattes Grün, Des Unkrauts letzte Spuren, Die rafft der Fleiß dahin.
Doch mit dem wilden Kraute Rafft er die feine Blüth', Die man ſo gerne ſchaute: Die Ackerſchnalle flieht,
Die Vogelwicken fehlen, Es fehlt Kornblume blau— Dies will dir nicht verhehlen, Du üpp'ges Weizengau.
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[VIII. Jahrg.


