Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
783
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Il. dahn

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Irten und Enn

chem ähnlichen Proſaepos der Gegenwart.

ein wirkliches Kunſtwerk gar nicht entbehren kann: Klar⸗

ben, allerdings mit weniger Romantik untermiſcht, deun

bloß mit Hinweglaſſung der Namen dargeſtellt zu werden brauchen, um ein feſſelndes Gemälde tief ergreifender Handlungen aufzurollen.Der Stern von Iſola iſt ein ſolcher auf den Geiſt vergangener Thatſachen typiſch hin⸗ geſtellter ſocialer Roman, und Sie werden in demſelben mehr Talent und mehr Beweglichkeit finden, als in man⸗ Sie werden aber auch vermiſſen, was man nur ungern entbehrt und was

heit und Einfachheit der Zeichnung, Reife eines feinen

Geſchmacks, Regelung der Phantaſie und edle Styliſtik. Die Geſchichte, welche der Verfaſſer ſchildert, könnte

ihrem Weſen nach in allen möglichen Ländern geſpielt ha⸗

das wirkliche Leben iſt vorherrſchend proſaiſch, trocken und arm an Begebenheit. Der vorliegende Roman zeigt da⸗ gegen einen zu großen Reichthum an Stoff und Fülle der Begebenheiten. Wir ſehen die Theilnahme vorzüglicher, zum Theil hochgeſtellter Perſonen an freiſinnigen Beſtre⸗ bungen und endlich öffentliche Kämpfe zum Wohle des Staats, die mit einer materiellen Niederlage bei Wahrung eines ideellen Sieges endigen.

Aber die vorgeführten Geſtalten ſind intereſſant und haben zum Theil einen poetiſchen Nimbus, eine jugendliche Schwungkraft. Mit großer Beweglichkeit und vieler Sach⸗ kenntniß finden wir öffentliche Charaktere und Verhältniſſe geſchildert. Die breit angelegte Handlung umfaßt über⸗ haupt alle möglichen Sphären: Miniſtercabalen, Stellun⸗ gen der Executivbeamten, öffentliche Schwurgerichtsſitzun⸗ gen im politiſchen Proceß, unſichtbare Logen, Liebesintri⸗ guen, Gaunereien der Emporkömmlinge, ritterliche Kühn⸗ heit, bürgerliche Tüchtigkeit, Frauentugend, Verfolgung und Muckerei. Sowohl in die geheimen Acten des Staats⸗ dienſtes, als in die verborgenen Falten des Familienlebens in Freude und Leid wird dem Leſer der Blick nach Mög⸗ lichkeit entſchloſſen. Nicht immer ſind die Situationen völlig natürlich, was ſchon durch eine auf die Motivirung mit übergehende abenteuerliche und romantiſche Färbung oft hintertrieben wird; wohl aber zeigt ſich bei vielen Ge⸗ legenheiten ein lebhaft hervorſtechendes komiſches Element, ja ein recht heiterer Humor, der bei mehr Durcharbeitung und Einfachheit eine ſchlagende Wirkung machen würde.

Oft ſind jene Schilderungen im häuslichen Kreiſe recht treffend der täglichen Wirklichkeit entlehnt. So läßt der Verfaſſer einem ſeiner Haupthelden ein Kindlein geboren werden. Verfolgen wir ein Stückchen dieſer Darſtellung:

Der Tag der Entſcheidung kam. Es waren bittere Stunden der Sorge für Werner's Herz. Er ging mit Schritten durch den Salon, als wolle er in einem jeden einen Anlauf zu einem Sprunge durch die Fenſter nehmen. Dann lauſchte er wieder auf jeden Ton über ihm, wo das Zimmer ſeiner Gattin ſich befand. Das eintönige Ticke⸗ Tack der Uhr machte ihm Schmerzen, und doch war er nicht im Stande, irgend etwas vorzunehmen.

Eine wohlbeleibte reſpectabele Frau in einer großen Haube und mit einer noch größeren Taſche unter dem wei⸗ ten Tuch war ſchon ſeit Stunden droben. Es ſchien ihm

ſeitdem eine unausſtehliche Ruhe auf Allem zu liegen. Doctor Löwe, der neue Hausarzt, hatte geſagt, daß er im Lrufe des Nachmittags vorſprechen wolle, und er kam nicht.

Herr Gott, es war ſchon drei Uhr und er kam wirklich nicht! Eine ſchlechte Empfehlung für einen neuen Hausarzt!

Der Regierungsrath durcheilte den Garten. Die Blu⸗ men ſahen ihm aus, als ſeien ſie alle verwelkt, ſie ſchienen eine traurige Miene zu machen; ein böſes Omen, vor dem er zurück nach dem Salon kehrte. Jetzt vernahm er auf der Treppe haſtige Schritte, das Stubenmädchen eilte herab, aber ſie kam nicht zu ihm. Jede Thür, die ſich öff⸗ nete und ſchloß, ſchien ſich in ſeinem Kopfe zu öffnen. Er ging in ſein Zimmer und wollte leſen. Lächerliche Idee! die Buchſtaben tanzten vor ſeinem Blick ein kreuzbeiniges alla polacca.

Für einen Unbetheiligten kann es kaum eine Rolle ge⸗ ben, die bei allem Ernſt einen ſo überaus lächerlichen Bei⸗ geſchmack hat, als die eines ſorgenvollen unberatheuen Ehemanns in ſolcher Lage. So nahe iſt das Hochtragi⸗ ſche dem Komiſchen verwandt, ſo klein der Schritt vom Ernſten zum Lächerlichen. Jetzt wurde ein reges Leben in den oberen Räumen. Die beklemmende Stille war ent⸗ wichen. Dann näherten ſich die Schritte dem Salon, ſeine Schwiegermutter trat ein. Ihr Geſicht hatte einen über⸗ aus freudigen Eindruck. Er fiel ihr um den Hals und, obgleich es nur ſeine Schwiegermutter war, küßte er ſie dennoch. Dann eilte er nach dem Zimmer ſeiner Frau. Ein gedämpftes grünes Licht erfüllte den freundlichen Raum, der mit den luxuriöſeſten Bequemlichkeiten ausgeſtattet war. Die wohlbeleible reſpectable Frau trat ihm zuerſt mit einem freundlichen Ausdruck entgegen, ſie hatte ihre Haube ab⸗ genommen, ihre Backen waren geröthet und ihr Haar etwas in Unordnung, aber auf ihren Armen trug ſie in ſchweben⸗ der Bewegung ein Packet, das wie ein Zuckerhut ausſah. Sie überreichte es dem Herrn geheimen Regierungsrath, und wie er hinſah, da machten ein paar kleine Händchen krabbelnde Bewegungen, und ein paar kohlſchwarze Punkte glänzten zu ihm empor es war ſein Kind.

Er fühlte, daß er ſehr glücklich war, und er küßte es, ſein liebes kleines, theures Kind.

Es iſt ein Knabe, ſagte nicht ohne Stolz die reſpee⸗ table Frau, denn dieſe ſind immer ſtolzer, wenn ſie dem Vater einen Knaben vorſtellen können. Er drückte ihr einen Louisd'or in die Hand, welchen ſie mit einem edlen Anſtande in ihre große Taſche gleiten ließ.... Dann nahm er von neuem ſein Kind, ſehr ungeſchickt zwar und nicht ohne dringende Sorge der Schwiegermutter und der reſpectablen Frau, daß er ihm ſchaden könne; aber er nahm es trotz alledem und küßte es und gab es der Mutter, und ſie küßten es alle Beide, und ſie zeigten ihm die kleinen krabbelnden Hände, die kohlſchwarzen Augen, die es von ihm hatte, die blonden Härchen auf dem Kopf und das kleine Näschen und den niedlichen Mund. Es war gar zu allerliebſt, und obwohl es die Wahrheit zu ſagen, wie alle ſolche kleinen Dinger grundhäßlich ausſah, viel häßlicher als ein junger Froſch, ſo fanden ſie es doch Alle bildſchön, viel reizender als Alles, was man auf der Welt ſich denken kann.

Die humoriſtiſchen Züge dieſes kleinen Genrebildes werden in ähnlicher Weiſe vom Verfaſſer noch weiter ver⸗ folgt, und die Leſer, beſonders die Leſerinuen, werden aus dieſer Probe erſehen, daß man mit Vergnügen an die Wirklichkeit gemahnt wird, wenn man ſich der Lectüre die⸗

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