nopellen- Seitung.
—₰—
Clara Mohr.
Im Frühling 1853.
X. „. A
. X. Der Winter war Eegde, Der? Frühln kam heran,5„ ⸗ 2 Da wehn goldumſponnen.
Mich frohes⸗ Hoffnung an: 8.. Wenn bald die Bäume ſproſſen,⸗ Wenn mild die Lüfte weh'n,. Soll Ihn nach langem Sehnen Mein Auge wiederſeh'n!* Wohl ſah ich oft ihn wieder..
Mit meines Geiſtes Blick, ⸗
Doch vor des Leibes Auge„
Kommt jetzo er zurück.
Dann ſingt ihr Nachtigallen
Mich jeden Morgen wach,
Und eine frohe Stunde
Nur wird mir ſein der Tag.
An ſeinem treuen Herzen,
An ſeiner treuen Bruſt
Sei Gram und Leid vergeſſen,.
Erblühe mir die Luſt.
O ſel'ge, ſel'ge Stunden,.
Wenn dann ſein Wort ſo traut
Mir flüſtert voll Entzücken:.
Du meine holde Braut! 8 Wie will ich dann ihn lieben X So inniglich und treu, 8. Will an ihm feſter hängen
Mit jedem Morgen neu.
Mein Brautkleid will ich ſticken, Und Roſen ſtreuen hinein,
Denn roſig wie die Freude
Soll auch mein Brautkleid ſein. Blüht, blüht, ihr Frühlingsblumen, Du, Myrthe, blüh⸗ auch du,
Und weh' aus meinem Kranze
Mir ſel'’ge Wonne zu.
O kommt, ihr ſel'gen Stunden,
Du Tag, der Freude voll,
Wo ich nach langem Sehnen
Ihn wiederſehen ſoll!
«·
II.
Der Winter war vergangen, Der Frühling kam heran,
Da wehte nachtumdüſtert Mich Grabeshoffnung an: Ob auch die Bäume ſproſſen, Ob mild die Lüfte weh n, Ach, nimmer ſoll mein Auge Ihn freudig wiederſeh'n. Einſt hat er mich geliebet,
Ein Liederkranz von Clara Mohr.
8
Leipzig, Hermann Luppe.
*1 Nun iſt ſein Herz mir todt. Wo iſt ſie hin, die Liebe, 2 Die einſtens er mir bot? Singt auch ihr Nachtigallen Mich jeden Morgen wach, *Nur eine Nacht voll Kummer 4 d ſein mir jeder Tag. Nun⸗ ſeine Lieb vergangen, mir ſein Herz nicht ſchlägt, „Bram die Bruſt erfüllet, Wo Hoffnung ich gehegt. Wie iſt die Welt ſo trübe, Wie iſt das Herz ſo ſchwer, Nun ſeine liebe Stimme Mir tönet nimmermehr! 2 N rf nicht mehr an vn hangen, Ob Kuch das Herze bricht, Worm noch ſtets die Liebe, X Die bdffnungsloſe, ſpricht.— O ſchwere Schmerzensſtunden! O Tage voller Leid, Wie ſcheucht ihr aus der Seele Mir jede Freudigkeit! O tiefer Herzenskummer! Wer gibt mir Kraft und Ruh, Bis ich die müden Augen Im Grabe ſchließe zu! In tiefer, kühler Erde, Da endet alle Pein. O könnt' ich heut' mich legen Ins tiefe Grab hinein!. Im Grabe nur i Frieden, Im Gräbe nur i Nöbe . S deckt mit küh 4 de Die heiße iebe zun.
Im Herbſt.
Ach, ſchon iſt es Herbſt geworden, Herbſt da draußen, Herbſt auch hier, In dem Herzen, das voll Trauer, Faſt erſtorben ruht in mir.
Alle Blüthen ſind gefallen, Und die Kronen ſind verweht, Und die falben Blätter rauſchen, Wo der kalte Nordhauch weht.
Ach, die Blume meiner Liebe, Welkem Blatte gleicht auch ſie, Doch bei neuem Lenzeshauche Neu erſtehen kann ſie nie!
1862.
WVIII. Jahrg.


