Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
719
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Nr. 45. Dritte

den Landungsplatz von Caprera verlaſſend, einen Fußſteig, der nur von Menſchentritten und einem Karren gebildet war. Zur Linken ſieht man eine kleine, von trocken über einandergehäuften Steinen gebildete Mauer, welche das Alckerland und den Küchengarten Garibaldis vor dem ver⸗ vrichtenden Zahne der Eſel, Kühe und Pferde, die vollkom mien frei umherſchweifen, ſichert.

und licht, Tereſita, die Tochter des Helden, hatte mich ſchon von

. weitem wieder erkannt, ihren Vater herbeigerufen und

une nicht kam mir mit demſelben, von vielen Hunden begleitet, ent⸗ gegen....

Das weiße Wohnhaus liegt in einer kleinen Ebeve,

Aiſt weit, welche auf einer Seite von großen Felsblöcken, auf der

undern von einer Steinmauer begrenzt wird.... Das Häuschen iſt ringsherum von einer Terraſſe in der Höhe

1 einer einzigen Stufe umgeben. An der Vorderſeite hat ran Spaliere befeſtigt, welche einem Weiaſtocke, der eine Art von Veranda vor dem Hauſe bildet, zur Stütze dienen. Wenn man den Flur betritt, ſo ſieht man zur Linken der⸗ velß, ſelben die Schlafſtube der wirthſchaftlichen Frau Deiderj und Tereſitas, zur Rechten die Wohnung des Generals... Als ich im Auguſt des vorigen Jahres dieſes Haus zum euſten Male betrat, gab es in demſelben nur einen einzigen Seſſel, und auch dieſem fehlte ſeine Lehne.(Man ſieht, Garibaldi wird in ſeinem mit Recht ſo erbärmllich gefun denen Gefängniß zu Spezzia nur wenig Bequemlichkeiten bermißt haben, und die es ausſtaffirten, haben ſich wahr ſcheinlich ein Beiſpiel an ſeiner Frugalität genommen.) Yetzt aber befinden ſich dort neue Stühle von Taxusholz, en vier PählnWeſchenke der Officiere des Schiffes Waſhington, und Gerhalten utinige andere Seſſel. Das Wohnzimmer des Generals 95 ſam it jetzt gleichfalls beſſer meublirt. In demſelben ſteht ein lleines eiſernes Bett mit dünnen Zeugvorhängen, welche an hölzernen Stäben befeſtigt ſind. Dann befindet ſich dort ein Schreibtiſch von Nußbaum, über welchem ein Spiegel hängt. In der Nähe des Bettes ſteht ein Sche nel von Tannenholz, auf welchem Bücher und Briefe unt⸗ herliegen. An einem Seile, das in der Mauer befeſtigt 1 ſt und das ganze Zimmer der Länge nach durchſchneidet,

riunerung an. f bingen rothe Schooßjacken, Beinkleider und dergleichen, und an eun delche man dort trocknen läßt, weil der General die Ge wohnheit hat, bei jeder neuen Arbeit die Kleider zu wech aln. In der Mitte der Hinterwand befindet ſich der Feuer⸗ ſeerd, deſſen Gluth man niemals ausgehen läßt, um der Ueuchtigkeit des Zimmers zu wehren. Unter Kenſelben liegt nämlich der Behälter, welcher dazu dient, ſas zur Regenzeit von den Rinnen abfließende Ka ſſer aufzunehmen. Hierdurch werden die vierecki ſen Steinplatten, mit denen der Fußboden gepflaſtert iſt, ertwährend ſchlüpfrig und feucht. Zu beiden Säiten des Heerdes ſieht man Geſtelle voller geſchichtlicher, ſemänniſcher und kriegswiſſenſchaftlicher Bücher; wenn nen aber der Wahrheit die Ehre geben will, ſo ſehen alle nn deſe Bücher und Zeitſchriften ſehr darnach aus, als wenn

nd Geſchiat ſe zu nichts weiter dienten, als um die Geſtelle zu ſchmü⸗ u Reſultals da. Ueber dem Heerde hängt ein Oelbild, das Ro⸗ a, eine in der Kindheit zu Montevideo verſtorbene Toch

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des Diettecen ur Garibaldi's, darſtellt. In der Nähe des Bettes iſt ein Weltluuut,, älzernes Käſtchen an der Mauer befeſtigt, welches die ler gebleben Haare Anita's, ſeiner edlen, tapfern dahingeſchiedenen Gat cchi,betta

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Folge. 719

tin, enthält.... An der Mauer über dem Schreibtiſche ſchwebt das berühmte Schwert des Helden, ſeineReven que, eine Art von Geißel, und der Degen des tapfern Latour d'Auvergne, deserſten Grenadiers von Franl reich. Die Familie jenes tapfern Soldaten hat dieſe heilige Reliquie vor kurzem in die Hände des Generals gelegt, weil ſie ihn für den einzigen Sterblichen hielt, der da würdig wäre, dieſelbe zu wahren.... Gegen ſechs Uhr wurden wir zum Mittagseſſen gerufen. Bei Tiſche wie überall herrſchte die größte Freiheit. Der General, welcher während des ganzen übrigen Tages nichts als Waſſer aus einem irdenen Gefäße trinkt, das er gewöhnlich mit einem Stückchen Papier zudeckt, würzt ſein Mittagsbrod mit kalter Milch. Daſſelbe beſteht gewöhnlich aus Salat, Fleiſch, Milch, Kafſee oder Thee, je nach dem Geſchmach eines Jeden.

Aus dieſer Schilderung der Häuslichkeit, von welcher ich nur das Wichtigſte mitgetheilt habe, erſieht man, daß der in einem ſo merkwürdig ungeſunden Schlaf⸗ und Ar beitscabinet hauſende große Mann ſich, wie alle Geuien von wahrhafter Bedeutung, einen ungemein kindlichen Sinn bewahrt haben muß, und daß zugleich alle Effecthaſcherei ihm fern ſteht.

In der That berichtet der Verfaſſer in ſcheinbar klei nen Begebenheiten wirklich erhabene Züge von dieſem ſelt ſamen Manne.

Wiſſenſchaftliche Beſchäftigungen irgend welcher Art ſcheinen ihm nicht zuzuſagen, auch vieles Reden liebt er nicht. Seine Sprache iſt kurz gefaßt, und ſein inneres Denken ideenmächtig, aber einfach. An einfach geſunder Anſchauung und Tiefe des Gefühls, vorzüglich in Bezug auf Gerechtigkeit gegen Andere, ſelbſt gegen ſeine peliti⸗ ſchen oder perſönlichen Feinde, möchte es aber wohl Nie mand Garibaldi zuvorthun. Es wird erzählt, daß ihn nach dem Fall von Gaeta ein rührendes Mitleid für den jungen unerfahrenen König ergriffen habe; es wird aber auch eben ſo eigenthümliche innige Theilnahme von ihm berichtet, als ſich auf Caprera zufällig ein junges Lamm in den Felſen verirrt hatte und zu verhungern drohte. Nach⸗ dem er es mit ſeinen Freunden am Tage und mit Laternen ſchein zwei Mal vergeblich geſucht, iſt Garibaldi wieden holt in der Nacht ganz allein zu jener öden Stelle zurück gegangen, bis er endlich das Lamm gefunden; hat es dann auf ſein Bett getragen und bis zum Morgen gepflegt und beruhigt. Solche Einzelheiten zeigen allerdings jeue echte Seelengröße, welche ſich ſtets auch auf das Kleine im Le ben erſtreckt.

Um ſich zu zerſtreuen und zu erholen, pflegte der Feld herr auf Caprera ſich mit Gartenbau, Kartoffelgraben, Maueraufführen und Felſenſprengen zu beſchäftigen, lauter rein körperliche Anſtrengungen, allerdings auch ganz geeig net, um Körper und Geiſt jugendlich zu erhalten. Uebri⸗ gens iſt Garibaldi einer guten poetiſchen Lectüre und der Muſik ſehr zugeneigt und dem zwangloſeſten Umgang im Kreiſe weniger Auserwählter hold.

So führt uns dieſes Buch nach allen Seiten hin einen Mann vor Augen, der durch und durch voll Begeiſterung für das Edele, wie und wo es ſich auch zeige, und dabei durch und durch ein Mann der That iſt.

Wenn die Verehrer Garibaldi's in ihrem Enthuſias