Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
712
Einzelbild herunterladen

712

Der Burſch hat nicht gezuckt, ſagte der Doctor, als mein junger Schützling ſich entfernt hatte.SIch täuſchte mich nicht; das iſt, was ich einen Mann nenne.

Dann ließ er Abel ſagen, wenn er Zeit hätte, wünſchte

er, ſein Brodherr, mit ihm zu ſprechen. Der Gehülfe ließ ſeine Arbeit nicht augenblicklich liegen, allein nach einer halben Stunde ſah der Doctor ihn in ſein Cabinet treten. Abel, ſagte er zu ihm,Sie waren, wie Sie mir ſagten, auf dem Wege zu demBerge an jenem Tage, als Miß Venner und Herr Langdon miteinander von dort zurückkehrten?

Ich war dort, antwortete der phlegmatiſche Steb⸗ bins.

Miß Venner ging voran, und Herr Langdon folgte nicht wahr?

Es iſt, wie Sie ſagen.

Sie begegneten Herrn Richard Venner?

Sie haben ihm begegnet.

Hatte er ſie angeredet?

Nein.

Folgte er ihnen mit dem Blick?

ihr,

Sagte er Nichts?

O, doch.

Was ſagte er?

Er ſagte: Carauiba!

Es iſt gut. Laſſen Sie, ſo viel Sie können, Herrn Richard Venner nicht aus den Augen. Sie werden mich dadurch verpflichten, Abel. Ich möchte nicht, daß dieſen jungen Leuten ein Unglück begegnete.

Verſtanden.

Abel verließ ohne weitere Ceremonie das Cabinet. (Jortſetzung folgt.)

Uovellen-Zeitung.

([VIII. Jahrg.

Die Eroberung und Zerſtörung von Waſhington durch die Engländer im Jahre 1814.

Von E. Heuſinger.

Im Hinblick auf die augenblicklichen amerikaniſchen Zuſtände wird es für den Leſer nicht ohne Intereſſe ſein, üͤber die Einnahme und Zerſtörung der amerikaniſchen Metropolis durch den engliſchen General Roß etwas heres, als was im Allgemeinen darüber bekannt, zu erfah⸗ ren. Das Ereigniß erregte ſeiner Zeit ungleich größeres Aufſehn, als das zu Anfang unſers Jahrhunderts ſtattge⸗ fundene Bombardement von Kopenhagen und die Wegfüh⸗ rung der däniſchen Flotte durch die Engländer mitten im Frieden. Allgemein wurde damals angenommen, der bri⸗ tiſche General habe ſeinen bei Bladensburgh über die ihm an Zahl bedeutend überlegenen Gegner in glänzender Weiſe erfochtenen Sieg nur dazu benutzen wollen, auf barbariſche Weiſe in der Hauptſtadt Alles, was Staatsgut darin, zu verbrennen und zu zerſtören. Daß dem nicht ganz ſo war, wollen wir nachſtehend erzählen*).

Indeſſen hält wiederum eine amerikaniſche Armee von 70 80,000 Mann die der Unioniſten die Stel⸗ lung am Potomac beſetzt. Die feindlichen Brüder des Südens haben, wie General Roß im Jahre 1814, aber mit viel bedeutenderen Streitkräften, ihre Pläne auf die eigene Hauptſtadt gerichtet. Ob ſie glimpflicher verfahren, als der engliſche Feldherr, wenn ihnen die Eroberung von Waſhington gelingt? Die nächſte Zukunft dürfte es leh⸗ ren! Bei der leidenſchaftlichen Aufregung der Südſtaaten iſt große Schonung nicht zu erwarten. Jedenfalls aber iſt ohne eine ſchnelle, für beide Theile günſtige Wendung

§) Nach den Berichten eines unparteiiſchen Augenzeugen.

gen engliſchen Meilen ſorgfältig und mit Ordnung unterſucht werde, ſo daß nicht ein Zoll des Grund und Bodens übrig blieb, der nicht erforſcht worden war. Dieſe ſchwierige Unternehmung wurde mit großen Koſten am 19. und 20. März 1810 ausge führt.

Perleberg, eine ſehr alte Stadt, früher der Hauptort einer Provinz, aber jetzt zu einem Städtchen vierter Ordnung herabge ſunken und ohngefähr 3000 Cinwohner zählend, liegt an der Ste⸗ penitz, ohngefähr acht engliſche Meilen oberhalb der Mündung derſelben in die Elbe. Die Gegend iſt größtentheils mit Wald und Gebüſch bedeckt, und zu jener Zeit war ſie mit Bauerhöfen und zertrümmerten Häuſern beſäet. Um ſie ganz zu unterſuchen und keinen Gegenſtand von einem gewiſſen Umfang unbemerkt binter ſich zzu laſſen, bedurfte es der Mitwirkung mehrerer hundert Per ſonen. Madame Bathurſt wußte ſie zuſammenzubringen. Sie hatte eine große Anzahl Hunde gekauft, die für das Aufſuchen ver lorner Gegenſtände dreſſirt waren man ſpricht in Perleberg noch beutigen Tages von dieſen Hunden und mit dieſen Hun den und dem größten Theil der männlichen Bevölkerung der Stadt, der ſich freiwillig angeboten hatte, begab ſich die muthige Frau an das Werk, das ſie ſelbſt leitete. Während man jede Sielle unter ſuchte, jedes Gebüſch durchſtöberte, auf jeden Baum in der Ebene das Auge richtete, alle Erböhungen der Berge durchforſchte, waren die Fiſcher an der Stepenitz mit der ſorgfältigen Unterſuchung

des Fluſſes beſchäftigt. Es war aber verlorne Mühe. Man entdeckte nichts, durchaus nichts, was ein Licht über den Ver⸗

ſchwundenen zu verbreiten vermochte. Die junge Frau, die jetzt vollkommen überzeugt war, daß weitere Nachforſchungen in dieſer Gegend ſich als ganz nutzlos herausſtellen würden, entſchloß ſich

endlich zur Abreiſe. Verzweifelnd und nicht wiſſend, was ſie weiter machen könnte, begab ſie ſich nach Berlin und von da reiſte ſie in einem Anfall von halbem Wahnſinn nach Paris ab, um den Kaiſer ſelbſt zu ſehen und womöglich von ihm die Wahrbeit üben das Schickſal ihres Gatten zu erlangen. Der Kaiſer empfing die Madame Bathurſt mit der größten Leutſeligkeit, erklärte ihr aber feierlich, daß er von dieſer Angelegenheit nichts wiſſe, und zum Beweis erbot er ſich, ihr in ihren Nachforſchungen zu helfen. Man weiß nicht, ob dieſes Anerbieten angenommen wurde; ſoviel iſt aber gewiß, daß es wenigſtens keinen Erfolg hatte. Es ſchien, als ob das dunkle Verbrechen in Perleberg für immer ein Geheim⸗ niß bleiben ſolle..

Vor einigen Monaten hat ſich indeſſen ganz unerwartet etwas Licht über dieſe Angelegenbeit verbreitet. Bei der Vor⸗ nahme von Reparaturen in der Citadelle von Magdeburg fand man binter einer Mauer in einer kleinen Vertiefung das Skelet eines Mannes in einer ſenkrechten Stellung, deſſen Hände auf dem Rücken zuſammengebunden waren. Dieſe Entdeckung war der Gegenſtand aller Arten von Commentaren und Hypotheſen, als irgend Jemand auf die Idee kam, es möge wohl das Skelet des Herrn Benjamin Bathurſt ſein, von dem man ſeit ſo langer Zeit vermuthe, daß er ſein Leben in der Nähe von Magdeburg verloren habe. Dieſe Idee ſcheint jetzt von allen denjenigen, die in Deutſchland Theil an der Diseuſſion genommen haben, allge⸗ mein als die wahrſcheinlichſte angenommen zu werden. C.

füh geu Un

ner ebe R ten ſchl