J. H. Immergrün.
In der Maiennacht.
In einer ſchönen Maiennacht,—
Die Welt, ſie lag vom Schlaf umfangen, Der Mond hielt bei den Sternen Wacht,— Da war ich ſtill hinausgegangen.
Die Bäume ſah ich feierlich
Die Zweige hoch gen Himmel ſtrecken, Und tauſend zarte Knospen ſich
Im ſchönen, jungen Grün verſtecken.
Mich trieb's mit ſtiller Allgewalt, Nicht weiß ich was, zu jenen Bäumen; Die Maiennacht, der grüne Wald, Wie ließen ſie ſo ſüß mich träumen!
Ein Flüſtern ging von Baum zu Baum, Ein leiſes, wunderſames Rauſchen,
Ich wagte noch zu athmen kaum,
Es ſchien der ganze Wald zu lauſchen.
Aus allen Knospen drang'’s hervor
Wie Angſtgeſchrei in herben Schmerzen, Dann klang's wie Wehmuth mir ans Ohr, Wie Seufßzer aus bedrängten Herzen.
Und wunderbar— in meiner Bruſt Begann ein räthſelhaftes Drängen, Ein Zwiegefühl von Weh und Luſt, Es wollte mir den Buſen ſprengen.
Der Thau hing an den Knospen ſchwer, Die Thräne ſchwer an meinen Wangen, Da kam im Oſten hoch und hehr Der junge Tag heraufgegangen.
Und in der Sonne erſtem Glanz Da hat ein Wunder ſich geſtaltet, Es hat zum ſchönſten Blüthenkranz Sich jede Knoſpe ſchnell entfaltet.
Es floß von oben wonnereich
Ein Strom von Düften auf mich nieder, Von Melodien zart und weich
Erklang es in den Blüthen wieder.
Und was in dieſer Zaubernacht
Mein Herz ſo wunderbar durchdrungen, Das hat zum Dichter mich gemacht, Das hab'ich oft und gern geſungen.
Ich ſang ſeitdem von Jahr zu Jahr; Und immer ſtrömt’s von Neuem wieder
Durch meine Seele wunderbar, Und immer blühen neue Lieder.
Gedichte von J. H. Immergrün.
Die Veilchenbraut.
Was reißen dort die Wellen Des Baches mit ſich fort?
O ſieb', ein kleines Veilchen! Ach, Veilchen iſt ſchon verdorrt!
Einſt ſtand's am Quellenrande Gar munter und geſund,
Die Schmetterlinge küßten Gern ſeinen roſigen Mund.
Und in der Nacht da zogen Viel' liebe Sternlein daher, Da ſah das Veilchen einen, Den liebte es ſo ſehr.
Der lächelte ſo freundlich Das kleine Veilchen an; Er hat mit ſeinem Lächeln Die Lieb ihm angethan.
Der Stern mit ſeinem Strahle, Das Veilchen mit ſeinem Duft, Sie küßten ſich einander So innig in blauer Luft.
Doch über wenig Stunden War'’s Sternlein wieder fort, Da ſtand das arme Veilchen Verlaſſen an ſeinem Ort.
Es ſenkte ſtill ſein Köpfchen Zur Erde hin ſo ſchwer,
Und als es Morgen wurde, Da hatt' es geweint ſo ſehr.
Nun ſangen munt're Vögel Viel Troſt dem Veilchen gern,
Um den geliebten Stern.
Und als die Sonne wieder Verſank ins Abendroth,
Da klagte die Quelle leiſe: Das arme Veilchen iſt todt.
Drauf haben's linde Lüfte Den Wellen anvertraut, Und Nachtigall beklaget Den Tod der Veilchenbraut.
Am Himmel aber glänzet Schon lang' ein einz'ger Stern, Der ſähe wohl noch einmal Sein liebes Veilchen gern.
Bremen, im Selbſtverlage des Verfaſſers. 1861.
Das grämte ſich bleicher und bleicher
(VIII. Jahrg.
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jed kön⸗ wiſß wel neh ſei gei kön
Nene ſie, ſ urthe


