Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
672
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672 Uovellen-Zeitung.[VIII. Jahrg.

dankenswerther Geißelhieb für manchen breiten Rücken iſt. Ihr iſt's im Haupt ſo dumpf und ſchwül,

Es beſingt: Es fliegt der Puls, die Schläfe pochen, 1

3 Ihr Leib einſt ſtraff, nun welk und ſchlaff,

Die Gemüthlichen. 4 Und bleich und abgezehrt die Wangen! l ' An ihrer Seele zerrt der Pfaff 1 Wir loben die Gemüthlichkeit Mit ſeines Bußſermones Zangen.

Uns in den deutſchen Landen, Wie war Dein Geiſt ſo hellbeſonnt,

Seit jener ſel'gen erſten Zeit, 4 Wo wir im Club uns fanden. Als Du in Deinem kleinen Stübel Man plaudert über dies und das Noch herzlich beten haſt gekonnt: 1

Und weiß oft ſelbſt nicht über was O Herr, erlöſ' uns von dem Uebel!

Wie iſt das ſo gemüthlich! 8' Als Du am Feiertag noch kamſt . Voll Freudigkeit zur Seelenbeichte Da kommt Herr Schulze und Herr Quiſt, Und mit geſenkten Blicken nahmſt

Herr Müller und Herr Schlohmann; Das Abendmahl, das ich Dir reichte!

Man macht zu Vieren einen Whiſt, 1 Zu Drei'n mit einem Strohmann. Wie anders dann, als Du geherzt

Verliert man heut, gewinnt man doch Den Buhlen zu der Seele Schaden, Des andern Tags und ſtopft das Loch Als Du in frevler Luſt verſcherzt Wie iſt das ſo gemüthlich! Des Himmelsbräut'gams hehre Gnaden! Bekehre Dich, noch iſt es Zeit, Man ſpricht auch in beſcheidnem Ton Doch nur zu bald iſt ſie vorüber! Von Staats⸗ und Kirchenſachen, Du ſtehſt am Thor der Ewigkeit, Doch nicht um Oppoſition Schon wird Dein Auge trüb und trüber. Und großen Lärm zu machen; Zum Galgen wünſcht als guter Chriſt Man Jeden, der devot nicht iſt Wie iſt das ſo gemüthlich!

Und mühvoll hebt ſie ihren Leib

Und ſchmerzlich ſeufzt ſie aus den Kiſſen: Ihr habt, o Herr, mir armem Weib Gerührt das innerſte Gewiſſen! Verflucht der Tag, verflucht die Nacht, Wo ich an ſeiner Bruſt berauſcht war, A

Und wenn es nicht an Stoff gebricht,

So geht's ans Disputiren, Wo durch gewalt'ge Liebe smacht

Und iſt man einer Meinung nicht,. Sogar ans Perſifliren. Mein Herz und ſein's wie ausgetauſcht war!

Injurien fallen dann und wann Was ſchadet's? man gewöhnt ſich dran Am Rand des Grabes habt Ihr mich Wie iſt das ſo gemüthlich! Gerettet aus dem Sündenpfuhle! Geſtattet, heil'ger Mann, daß ſich Beim Schweſterkränzchen finden auch Nun auch bekehren darf mein Buhle. Die Frauen ſich vereinigt, Bringt mir ihn her, daß ich das Herz Wie wird da nach der Schweſtern Brauch Ihm ganz zerwühle und zermalme, Die Nachbarin geſteinigt, Bis er im tiefſten Seelenſchmerz Ihr alter Ruf und neues Kleid Entſagt der Sünde wüſtem Qualme! Zerſtückt, zerpflückt von Haß und Neid Wie iſt das ſo gemüthlich! Und leiſe tritt ihr Liebſter ein Und lengſam naht er ſich dem Bette. 6 Von den größern Gedichten, die mehr einer rein hu⸗ Da ruft ſie laut:Nun biſt Du mein! b woriſtiſchen Gattung angehören und in einer populären, mn Fhiaßt dir 1hn des in dette V V oft chronikenartigen Sprache erzählt ſind, möchte ich noch Von neuen Lebensgluthen ſcheinen, ganz beſonders auf folgende ſehr wohl gelungene aufmerk⸗ Hat heiß und brünſtig ſie getaucht ſam machen:Vou einem Könige, der eine Gans lieb Voll Liebeswahnſinn in die ſeinen. V hatte,Ja(ein treffliches Lied, das an die naive Fär⸗Was Seligkeit? was Himmelsluſt? uug der beſten Sachen von Claudius erinnert),Vom Kuft ſie und hält ihn feſt umfangen. Schah bis zum Gänſejungen,Frau Wahrheit undDer Himmel i*ſt an Deiner Bruſt, Der Deutſche an der Himmelsthür. Zum beſſeren Ver⸗ ünd Seligkeit an Deinen Wangen! dnſß 1 3; Noch einmal küſſen mußt ich Dich ſtändniß unſerer Beſprechung werden die geehrten Leſer die Nun fahr ich gern zur Hölle nieder! beeideu letzteren Gedichte im Feuilleton dieſes Blattes finden. Sie ſpricht's, und müde ſchließen ſich Nov Von den in knapper Form gefaßten Balladen zeichnen Auf ewig ihre Augenlider. ſich unter andernKönig Hake undDer beſte Schütz 8. durch eine draſtiſche, volksthümliche Darſtellung ſehr vor⸗ Dieſe ſchmuckloſe Dichtung aus der Pſychologie der theilhaft aus. Uuter den neueſten aber tritt beſonders eine Liebe paßt ſich allen Zeiten und vollſtändig der Gegenwart dan Ballade wegen ihres wahrhaft poetiſchen Gehaltes beach⸗ an, beſonders in katholiſchen Ländern, wo jeuer Stoff in 1 teuswerth hervor. Es iſt die der Wirklichkeit ſich immer in ſeiner ganzen Tragikomit 3 wiederholt. Ueberhaupt ſind die Gegenſtände, die Marg⸗ 1 3u Letzte Beichte. graff dargeſtellt hat, den Intereſſen des Lebens mit Vor⸗ 5 Sie liegt auf weißem, weichem Pfühl, liebe entnommen. Um ſo leichter wird ſie die lebende Ge u Die fieberheißen Adern kochen, genwart, das iſt das Publicum, wieder entgegennehmen. nh Reaedigirt unter BVerantwortlichkeit von Alphons Dürr in Leipzig. Verlag von Ilphons Dürr in Leipzig. Druck von Gitſeche à Devrient in Leipzig⸗ 3