b 626 1 Novellen⸗Zeitung.(VIII. Jahrg. XAXBAM
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Pipin Jocoſus.
Chriſtabend.
Der Chriſtbaum leuchtet, und die Freude lacht
Aus tauſend neugiervollen Blicken:
„Was wird das Chriſtkind Herrliches uns ſchicken?“ Tönt rings der Ruf des Kindes durch die Nacht!
Geheim ward manches Angebind' vollbracht, Und Ueberraſchung wird den Lieben üb'rall glücken;— Die Stunde ſchlägt!— Das iſt ein Herzen, Drücken, Ein Staunen, Jauchzen durch die Feiernacht!
Doch nenn' ich einen Mann Euch, gebet Acht, Umringt von Schachteln und von Stücken, Dem keine Freude aus den Augen lacht;
Ihm iſt ein Schrecken ſtets die heil'ge Nacht,— Es iſt verdammt, ſich auf das Pult zu bücken Der Poſtmann, der am Tintenfaſſe wacht.
Abſchied.
Gleichwie am klaren Himmelszelt Bisweilen wir ein einſam Wölkchen ſchauen, Gleichwie an unſren reinen Engelsfrauen Bisweilen dennoch etwas uns mißfällt:
Gleichwie bisweilen auch den kühnſten Held Ein leer Phantom erfüllt mit bangem Grauen, Und einem Meiſter beim ſolid'ſten Bauen Bisweihn doch ein Ziegel'runterfällt:—
So miſcht ſich auch in unſre laute Freude Ein Wermuthstropfen heute plötzlich ein: Die Kunde, daß der theure Freund uns ſcheide!
Gebt d'rum aus unſren gleichbeſeelten Reih'n Mit inn’'gem Wunſche für ſein Wohlgedeih'n Ein dreifach Hoch dem Freunde als Geleite.
Dorf und Stadt.
Wohl mag Dir, Freund, die Stadt viel Schönes bieten, Mit Ball und Thee, mit reifberockten Damen, Die morgen ſchon vergeſſen Deinen Namen,
Dein ganzes Herz mit einem Lächeln miethen!
Magſt auf volit'ſchen Räthſeln dort Du brüten, 2 Woher dem Michel Zank und Zwietracht kamen, Magſt faſſen Du in einen goldnen Rahmen
Der Säng'rin Kopf, Millionen von Pepiten:
Scherz und Ernſt. Poetiſche Spielereien von Pipin Jocoſus.
Des Lebens Würze find' ich nur am Lande, Im ſtillen Hain, auf buntbelebter Wieſe, Und Ekel fühl' ich gegen jene Bande!
Ich ſchätz' die Luſt ſo hoch, die ich genieße, Wenn rings Natur in ihrem Prachtgewande, Daß ich um Gold ſie nicht mir rauben ließe!
An gewiſſe Leute.
Nennt mich nur Taugenichts, Ihr hohlen Köpfe, Schmäht mich, ſo oft zu reden Euch gelüſtet, Thut, als ob Ihr meine Pläne wüßtet,
Ziſchelt Lügen nur, Ihr heiſern Kröpfe!
War es anders denn, Ihr ſteifen Zöpfe, Als Ihr jung noch Eure Braut umtaubert, Und an Liebchens Fenſter hingezaubert Mit leiſer Hand die ſchönſten Roſentöpfe?
Laßt mich drum die Jugend auch genießen,
Die Zeit der Liebe iſt ja ſchnell vorbei,
und iſt die Jugendlieb' auch oft nicht treu,— Müßt drum das Kind nicht mit dem Bad vergießen!
Es fließt das Bächlein durch die bunten Wieſen, Und ſpielt mit mancher ſchönen Uferblüth',— Schaut zu, ob es für Eine nur ſich müht,—
Laßt es, Ihr Leutchen, doch nicht weiter fließen.
Zum Geburtstag.
Der einſt Dir, ſüßes Lieb, das Leben gab, Und Kronos ruft empor ihn mit dem Stab, Um wieder Deiner Schaffung Glück zu koſten!
In dehſnen graut der Tag im Oſten,
Womit begeh'n wir denn die edle Feier? Wo iſt das Ständchen, wo das Transparent? Ich ſeh' kein Feuerwerk, das luſtig brennt, Kein Zuckerwerk iſt da und kein Tokaier!—
Das geb' ich Alles Dir, doch im Geheimen: Mein Herz iſt offen Dir und transparent, Worin als Feuerrad die Liebe brennt,
Ein Zuckerküßchen und ein Lied in Reimen!
Biſt Du zufrieden, ſoll's mich herzlich freuen, Doch biſt Du's nicht, ſo kann ich nichts dafür, Denn wollt' ich theure Sachen kaufen Dir,
Müßtſerſt mein Onkel mir zehn Gulden leihen!
Augsburg. In Commiſſion der v. Jeniſch& Stage'ſchen Buchhandlung.
1862.


