AEBEMMI
Die zwei Räuber.
Auf der Waldung lag der kühlen
Nacht Talar, der ſternenloſe;
Durch die Waldung brauſt' der Nordwind,
An dem Laub der alten Eichen Glänzten leiſe die Nachtthränen. In den Höhlen barg das Wild ſich, Schlief im warmen Neſt der Vogel; Nur noch zwei Raubvögel wachten, In dem ſchwarzen Tannenſchatten Heimlich auf die Beute lauernd.
An dem Waldrand unter'm Felſen
Hielten Stand zwei böſe Räuber, Gierig harrend auf den Rclub—
Der ein Jüngling— der ein Graubart.
„Ei, was ſchimmert,“ ſpricht der Jüngling, „Ei, was ſchimmert dort am Bergkamm?“— „Vielleicht irret dort der Mondſchein
In den Wipfeln dunkler Tannen,
Oder wacht der Schwan ſo früh auf; Vielleicht kommt aus ferner Heimath
Gar ein Freund, dich zu beſuchen, Oder eilt zu dir das Liebchen.“
Da erbebt der ſtolze Jüngling Und antwortet ihm dann leiſe: „Ach, das iſt nur neuer Schnee;
Längſt ging heim der blaſſe Mondſchein, Fortgewandert ſind die Schwäne— Habe weder Freund noch Heimath,
Und mein Liebchen iſt nicht mehr!
Heimath iſt mir nun der Hochwald, Mein Gefährte iſt das Stahlſchwert,
Meine Braut die ſchwarze Nacht.“
Beim Morgendämmerſchein—
Beim Morgendämmerſchein, O weh', da flog von mir
Das Turteltäubchen fort, Ins weite Feldrevier.
Du herzig Lieb, es trank
Das Naß aus deinem Quell,
Du ſtellteſt ihm das Netz, Du fingeſt es ſo ſchnell.
Dein Turteltäubchen rieſ's Zu ſich heran ſo ſüß,
Die Himbeer' that's, daß ſich's Vom Garn umſtricken ließ.
„Nicht hab' ich einen Quell, Ein Turteltäubchen nicht, An Himbeer'n mir's, wie an Garnnetzen auch gebricht.“
—nn—
Alfred Waldan.
Karl Hynek Mächa's ausgewählte Gedichte. Aus dem Böhmiſchen übertragen von Alfred Waldau.
„ Dein blaues Augenpaar, Das iſt ja jener Quell, Die liſt’ge Himbeer' iſt Dein Mündlein roſenhell.
Das Turteltäubchen iſt
Dein Wort ſo ſilberklar, Das Netz, das haſchende,
Das iſt dein gold'nes Haar.
Das weiße Reh.
Zeletinka's Haine Spenden ſanfte Kühle, Durch den blauen Schatten Geh'n der Rehe viele.
Unter allen Rehen, Welche dort im Haine Schattig wohnen, glänzet Silberweiß das eine.
Prag, das hundertthürm'ge, Trennt von dieſer Stätte
Der geſchwinde Thalfluß Und die Hügelkette.
Dennoch wandr' ich gerne Durch die nächt'gen Matten, Wo die Zeletinka Sä't die leiſen Schatten.
Freundlich ſtrahlt der Vollmond, Goldgeſtirne funkeln,
Doch ſie alle kann das Weiße Reh verdunkeln.
Wär das Reh mein Eigen! Denk' ich mit Betrüben;
Doch ſchon hat's mein Eilſchritt Wieder fortgetrieben.
Reh, o weißes Waldreh, olge meiner Bitte, Das Haindunkel meide, Lenk' zur Stadt die Schritte!
Aber es verbarg ſich Tiefer im Gewälde, Heimiſch fühlt das Reh ſich Nur im freien Felde.
Um das Waldreh weint' ich Bang im Spätnachtſchauer;
Früh erſchien die Sonne, Sah noch meine Trauer.
Prag, Verlag von H. Dominicus. 1862.
—₰
Lichte heim
bunge
lihd Fenſt entgen hun Berge tagmo Geräu Wind trager T
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