Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
590
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Goethe lachte und erwiderte:Es freut mich, daß Sie meine Werke ſo gut kennen! Adieu, Madame! und damit ging er an ihr vorüber.

Ueberglücklich kam die Frau in den Gaſthof zum Elephanten, deſſen Wirth ein höchſt jovialer Mann war. Entzückt rief die Frau Fleiſcherin ihm entgegen:Nun habe ick ihn jeſehen und jeſprochen! Jott, welch' ein Mann! Folgendes Geſpräch entſpann ſich nun zwiſchen ihnen. Er:So? Sie haben alſo Goethe geſehen und ge⸗ ſprochen? was haben Sie denn mit ihm geſprochen?

Sie:Na, wovon anderſter denn, als von ſeine Werke? Ick habe ihm jleich vordeclamirt: Feſtjemauert in der Erde.

Er:Das haben Sie ihm angethan? Das verzeiht Goethe Ihnen im Leben nicht.

Sie:Woſo? Er hat ja jelacht und jeſagt: Es freut mir, daß Sie meine Werke ſo jut kennen.

Der Wirth machte ihr nun die arge Verwechſelung, deren ſie ſich ſchuldig gemacht hatte, klar. Die äſthetiſche Fleiſchersfrau ſank faſt in Ohnmacht, ſich ſo blamirt zu haben, und verließ in höchſter Eile das deutſche Athen.

8.

Gedicht von Friedrich Dannemann.

Mein Stern.

Wie ſo wunderbar die Sterne Hoch am dunkeln Himmel ſtehn, Wemuthſeliges Erinnern

Fühle ich mein Herz durchwehn.

Uovellen-Zeitung.

Ach, die Sterne ſeh' ich immer, Leuchten ſie auch noch ſo fern, Doch dein Licht ging mir verloren, Unvergeßlich ſchöner Stern!

Gedicht von Karl Sondershauſen.

Der Geiger Remeny).

Im Lager geht es luſtig her, Sie zechen, jubiliren; Doch draußen gehet Alles quer: Die Feinde concentriren. Der Feldherr will, daß es ſo ſei: Ruft mir den Geiger auch herbei!

Der Geiger kommt in vollem Lauf, Stimmt unterwegs die Saiten; Auf, Geiger Remeny! ſpiel' auf! Hal ſoll's den Kampf bedeuten? Wohlan! Hurrah! Hurrah! Hurrah! Eljen! Eljen! Victoria!

Horch! ſeine Geige gottbeſeelt Beſchwört der Zauberbogen. Sie nah'n! Ragotzy ha, wer zählt, Die kühn das Schwert gezogen Für Freiheit, Gott, Hungaria? Eljen, Eljen! Sie ſtehen da! *) Iſt das derſelbe, der neulich in Berlin bei Hofe ſich hören ließ? von dem in derGartenlaube berichtet wurde?

Meißner's Schreibweiſe hat etwas Warmes, Lebhaftes, und ſeine Schilderungen ſind im Verhältniß zu der Menge, welche er in ſeinen verſchiedenen Romanen liefert, merkwürdig gut, wenn auch mehr farbenreich, als durch eine ſchöne, plaſtiſche Zeichnung hervorſtechend. Ebenſo hat ſich der Verfaſſer immer noch den Vorzug eines intereſſanten, oft geiſtreichen Dialogs bewahrt.

Auch denjenigen großen Leſerkreiſen, welchen die Tendenz dieſer Erzählung vielleicht nicht klar werden ſollte, muß das mannigfaltige Leben des modernen Stoffes eine Entſchädigung und gute Unterhaltung bieten. O. B.

Miscellen.

Eine Wundercur.

Der berühmte Doctor Alibert erzählte einſt einem ſeiner Freunde:

Ich habe ein ganz neues, ausgezeichnetes mediciniſches Sy⸗ ſtem entdeckt. Jeden Morgen ſchreibe ich gegen hundert Recepte auf kleine Zettel Papier, die ich dann in meine Taſche ſtecke und meine Krankenbeſuche mache. Jedem meiner Kranken gebe ich dann ganz nach Zufall eins dieſer Recepte. Nun gut! Können Sie es wohl glauben? Früher ſtarb mir von zehn Kranken im Durchſchnitt Einer, jetzt tödte ich nur Einen auf hundert Kranke.

Ich habe ſogar in der Art wunderbare Curen gemacht. Ich wurde zu einer Dame gerufen, welche an einem heftigen Schmerz in der Gurgel litt. Ich ziehe eins meiner Recepte aus der Taſche, das zufällig das Mittel vorſchrieb, das bei Verſtopfungen ſehr

hapven ſollen.

gute Dienſte leiſtet und das die Aerzte dem Storche abgelernt Als die Dame kaum das Recept geleſen hatte, wurde ſie von einem förmlich convulſiviſchen Lachanfall heimge⸗ ſucht. Sie lachte aus vollem Halſe, und in Folge deſſen brach das Geſchwür auf, das ſie im Halſe hatte, und damit hatten ihre Schmerzen ein Ende, und ſie war bald geheilt. Zweifeln Sie nach ſolchen Thatſachen noch daran, daß mein neues Syſtem ganz ausgezeichnet ſei? C.

Mannigfſaltiges.

Als Herzog Albrecht von Oeſterreich, Kaiſer Friedrich's III. Bruder, mit demſelben wegen Vertheilung der gemeinſchaftlichen Erblande in einigem Zwieſpalte lebte und er eines Tages gedach⸗ tem Kaiſer Friedrich, als derſelbe nach Wien kam, unterwegs mit 3000 Mann zu Pferde begegnete, ſagte ſein Oberſt, der ſie führte: Wenn es Euch gefällt, will ich Euch heute leicht zum Herrn der Stadt Wien, ja von ganz Oeſterreich machen, denn was ſollte uns hindern, daß wir den Kaiſer und all' ſein Geſinde nicht unterwe⸗ ges und zugleich mit ihm allen Streit wegen der Erbtheilung aufheben? Dem, der die Oberhand hat, geben hernach alle Ge⸗ ſetze und Jedermann Recht! Da entgegnete Albrecht:Wenn Du es ohne mein Wiſſen und hinter meinem Rücken gethan hät⸗ teſt, ſo hätte ich Dir es vielleicht nachſehen können, nunmehr aber muß ich es Dir verbieten, eine ſolche unehrbare That zu be⸗ gehen!