Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
562
Einzelbild herunterladen

Emanuel Geibel.

Erinnerungen aus Griechenland.

Zu dem ſchönen Griechenvolke Ueber's blaue Mittelmeer

Schifft in dichter Schwalbenwolke Wonnevoll der März daher.

Am Hymettus blühn die Wieſen, Und ein warmer Strahlenguß Röthet deine Säulenrieſen, Jupiter Olympius.

Und wo blitzend am Geſtade Der Iliß vorüberſchwillt, Stehn in Veilchen alle Pfade, Grünt der Lorbeer im Gefild.

Herz, wie badeſt du im friſchen

Wo des Oelwalds Schatten dämmern, Raſt' ich matt vom Sonnenſchein; Fern am Berg bei ihren Lämmern Lagern Hirten und ſchalmei'n.

Müd' eintönig ſchwimmt die Weiſe Durch den Mittagsduft heran, Und mir träumt, es ſei das leiſe Flötenſpiel des großen Pan.

Wie webt ſo ſtill der Sonnenſchein Im Säulenhof! Die Fächer

Der hohen Palmen ſchaun herein Ueber die flachen Dächer.

Ein wilder Roſenbuſch umzweigt

Blüthenduft der ſel'gen Flur; Das Bogenthor der Halle; 9 D Sprich, o ſprich, was ſoll dazwiſchen Im Porphyrbecken wallt und ſteigt Johan Dieſer Laut der Sehnſucht nur? Der Born mit leiſem Schalle. gen, w ..2e 9 Ach, dich mahnt s in ſüßem Grauſen, Dort ſchlürft, im Haar das rothe Feß, ſüsbe Wie durch's ſchnee'ge Waldgebiet Den Arm im goldnen Reife, Sture Deiner Heimath jetzt mit Brauſen Das ſchönſte Kind von Melanes Grafen Erſte Frühlingsahnung zieht. Den Rauch der Waſſerpfeife. TWhätig Sie ſchaut behaglich himmelan, Vire Sie kräuſelt leichte Ringe, Daupt In dieſen Säulengängen, Und denkt dabei man ſieht's ihr an Chevo 3 Wo um vermorſcht Geſtein An lauter ſüße Dinge: zeugen Sich tauſend Blüthen drängen, Schra 6 Wie träum' ich gern allein! An ihren Schatz, der nach Corfu nen d Geſchifft zum Weinverhandeln, wei d Mit räthſelhaften Schauern An ihren bunfen Kakadu, einem Beklemmen hier die Bruſt An Fruchtconfect und Mandeln; man w Erinnrungsvolles Trauern wmauf de Und reichſte Jugendluſt. Und an den Halsſchmuck von Opal,' Bete Den morgen in Naxia Behel Wohl klagt das Herz bekümmert Sie tragen ſoll zum erſten Mal vorwur Um dieſe ſchöne Welt, Am Feſt der Panagia. man d 4 Die rettungslos zertrümmert G welche Gemach in Staub zerfällt.. ſetze

Doch ſpür' ich, von den Düften g Des jungen Tags umglüht, Wiegt ſich das ſchaukelnde Boot Daß auch auf Göttergrüften Von Poros Felsgeſtaden

Der Frühling wieder blüht. Hinaus ins Abendroth.

Hoch mit Orangen beladen

Die Jungfrau ſitzt am Steuer Und nimmt des Segels wahr; Des Tages letztes Feuer

Umſäumt mit Gold ihr Haar.

Granaten bringt und Reben Verſöhnend jedes Jahr, Und ſüß iſt beut' das Leben, So wie's den Alten war.

Ach, wäre jener Sonnen Berauſcht von Glanz und Düften, Erlauchtes Roſenlicht Das Herz in tiefer Ruh,

Nicht auch in Nacht zerronnen, Bedünkt mich faſt, wir ſchifften So liebt' ich heute nicht. Den ſel'gen Inſeln zu.

Ein Münchner Dichterbuch. Herausgegeben von Emannel Geibel. Prag, Verlag von A. Köner. 1862.