Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
530
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M. Ant. Niendorf.

Die welken Blumen.

Die Blumen, ſie blühten wohl auf der Au, Ich hab' ſie gebrochen im feuchten Thau, Sie ſcherzten ſo fröhlich im Morgenſchein, Ich wollte ſie bringen der Liebſten mein;

Welk Blümelein,

Wir blühen, wir blühen für ſie allein.

Ich hab' ſie gewunden zum lieblichen Strauß,

Ich habe nicht funden mein Lieb' zu Haus,

Das Fenſter iſt öde, mein Lieb mir nticht hold,

Ich hab' Euch betrogen ich hab's nicht gewollt; Welk Blümelein, Wir leiden, wir leiden für ſie allein.

Sie hat Euch verſchmähet, das Mägdlein ſchön, Sie hat nicht gehöret der Liebe Flehn, Ihr ſendet, ſüß bittend, noch Düfte mir, Ich ſang umſonſt mein Weh zu ihr!

Welk Blümelein,

Wir welken, wir welken für ſie allein.

Ich ſahe Dich

Ich ſahe Dich und tauſend Kerzenflammen

Beſchauten Dein Geſicht voll ſüßen Neides,

Du ſchwandeſt und die Nacht ſchloß ſich zuſammen Dicht hinterm letzten Rauſchen Deines Kleides,

Es hatte nur ein Lied mein dunkles Leben,

Ich ſang's, in Deinem Traum es Dir zu weben.

Und wieder ſah ich Dich es blühten Roſen, Die liebe Sonne ſtrahlt' aus blauem Grunde, Und da erblühte ſtill dem Hoffnungsloſen Ein ſüßes Hoffen auf an Deinem Munde, O dürft' ich mehr als nur dies Ein' erflehen, Dies holde Lächeln ewig blüh'n zu ſehen!

Ich wußt,, ich ſollte ſchauen

So trübe war der Morgen, Es regnete ſo ſacht,

Da war mein Herz mit Sorgen Aus ſeinem Traum erwacht.

Doch als nach kurzer Dauer Hold das Gewölk ſich brach,

Da ſchien in meine Trauer Herein der helle Tag.

Ich wußt', ich ſollte ſchauen Und küſſen heute Dich Und jubelnd auf zum Blauen

Hob eine Lerche ſich.

Gedichte von M. Ant. Niendorf.

Zweite vermehrte Auflage⸗

Emilie.

Heute ſchrieb ich auf verſchwiegnen Pfaden Deines Namens Züge in den Schnee, Und ſo deutſam ſah in Huld und Gnaden Aus dem Schnee empor Dein holdes E, Stand ſo klar auf heilig reinem Grunde, Stand allein in ſtiller weißer Runde, Hingefurcht von meinem Liebesweh.

Und mir fielen ein die blaſſen Blüthen, Die der Froſt an unſre Fenſter drückt,

Die er in der Nacht dem treuen Hüten Ohn Erbarmen von den Fluren knickt, Und ſie an die Scheiben drückt zum Zeichen, Wie des Herzens Wünſche ſterben, bleichen, Wenn der Winter ſeinen Schnitter ſchickt.

Und die Thräne ſiel mir auf die Fläche, Und ich wünſchte mit dem Thau ſo heiß: Wärt Ihr, meine Augen, Thränenbäche, Solltet weg mir ſchmelzen Schnee und Eis! Und dem Lenz wollt' ich die Knie' umfaſſen, Sollt' aus dieſem E mir ſprießen laſſen Roth die Blume meines Lebensmai's.

Sieh', Du hebſt die Augenlider

Senke, Mädchen, ſanft die Lider Ueber Deiner Augen Schein, All' dies Prangen ſenke nieder In die eig'ne Pracht hinein. Schließ in ſtillem Augenblicke Dieſe Welt voll Licht und Glanz; Aber ſchließe meinem Glücke Dieſes Eden nur nicht ganz!

Laß ihn funkeln, laß ihn glänzen, Dieſen dunkeln Streifen Licht, Der aus blonden Wimperkränzen Brennend und vergoldend bricht, Gleich der Sonne, die den feuchten Rand des Weſtgewölkes malt, All' ihr überquellend Leuchten Auf die Sonnenwimper ſtrahlt.

Daß der ſtille Abendſegen

Mich beſchleiche ſüß und ſatt, Wo das Aug' am Strahlenregen

Sich getrunken müd' und matt: Kehre morgen, Sonne, wieder,

Doppelt will ich Dein mich freu'n! Sieh' Du hebſt die Augenlider,

Und der Morgen bricht herein.

Wittenberg, Verlag von R. Herr.ſé. 1862.

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