Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
510
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Und was weiter nun? Ich ſtreifte und ſuchte um her nach den Reizen der Ferne. Was fand ich? Men⸗

Uovellen-Zeitung.

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ſchen, hohe und niedere, berühmte und unbedeutende,

Friedrich Wilhelm III. und Tieck, und Andere im Bade, alle im Negligé der Menſchheit und Gebrechen, menſchlicher hier, als daheim auf dem Divan des Salons, im Sorgenſtuhle der Hütte; Alle ſuchend in der Ferne, was ſie zu Hauſe verloren oder verkannten, Geſundheit und Lebensgenuß; jetzt zur Paradeſtunde im Parke, und uun, von dem kategoriſchen Imperativ des Magens ge⸗ trieben, im Glashauſe der Reſtauration; Berge, Wieſen und Felder, Bäume und Geſträuche, alle ſchön, aber nicht einzig, alle bekannt, aber nicht vertraut. Zu Hauſe ſind ſie mir alle liebe, alte Freunde, meine Wege dahin Be⸗ ſuche, meine Blicke Fragen nach ihrem Befinden, Fragen des Hausfreundes in den Blumenfamilien und Baum⸗ gruppen umher, gleich den beſuchenden Vögeln und Schmetterlingen. Mit derlei Betrachtungen gelangte ich aus dem Gewühl der bunten, Heilung ſuchenden Menge hin zum unfehlbaren ſtillen Teiche Bethesda, zum Friedhofe. Die Roſenfülle des Juli quoll auch hier über Mauer und Gräber wie zu Hauſe. Ein Grab nur entbehrte des gewöhnlichen Schmucks. Kahl, zertreten und wüſt, in einer Ecke, nahe bei den Kulmer Gefallenen, ſchien es mir vor allen das Haus des Todes zu ſein, ja, des Fluchs und der Vernichtung. Tiefe Wehmuth, ein unbeſtimmtes Mitleid ergriff mich: Hier ſind wir doch überall in der Fremde zu Hauſe! gemahnte es mich. Es war mehr als das, was mich anheimelte. Mutter des Lebens, du gehſt ſo mild verſöhnend an den Wiegen des Todes hin, ſtreuſt Blumen darauf und Im⸗ mergrün der Erinnerung, und die Vögel ſingen auf dem Namen der Schlummernden das Auferſtehungslied des Lenzes und Lebens! nur hier gehſt du ſtiefmütterlich ſtumm, düſter, kalt, mit Verachtung vorüber! Wer liegt da? zer⸗ treten!Eine arme Unglückliche, hieß es,weit her, aus

dem Lande der Ketzer geſchneit, ein dürres Blatt, vom Winterſturme der Verzweiflung hergejagt. Man nannte mir den Namen. Da ſtand ſie vor meiner Seele, die ich Hoft geſehen, die zarte, ſchöne Blondine mit dem fein

lächelnden Blicke, die Braut eines Kriegers, die Geliebte zweier Freunde aus Weimar. Sie hatte dem intereſſan⸗ teren muſikaliſchen Abenteurer vor dem proſaiſchen Ehe⸗ manne den Vorzug gegeben. In Folge davon war ſie ge⸗ nöthigt, in die Ferne zu ſchweifen. Der romantiſche Zug ihres Herzens führte ſie hieher, in die böhmiſche Fremde. Hier ward ſie Mutter, einſam und verlaſſen im Winter. Die Mairoſe der Liebe erlag dem Mißgeſchicke. Sang⸗ und klanglos wurde ſie hier eingeſenkt auf dem fremden, unfriedlichen Friedhofe. Gern hätt' ich einen Denkſtein ge⸗ ſetzt. Schauerlich flüſterte es mir zu:

Kurz war der Tag, bangſchwer die Nacht;

Nun, Gott ſei Dank es iſt vollbracht!

Dem ich das Leben gab,

Er gab mir Kraft zum Siege.

Seine Wiege ward mein Grab,

Nun wird das Grab mir Wiege.

Zurück! rief ich mir zu, zurück in die Ferne der Heimath! Bald war ich auf dem Heimwege.

Peterswalde. Schoffen's? Was ſchoffen's der Herr? Ja, dürft' ich nur ſchaf⸗ fen! behende Schafft' ich vor Allem zuerſt, Zollviſitator, Dich fort.

Nimmer verrath' ich euch, ſelbſt wie das Theater geſpielt.

Dresden. Hold, in italiſchem Reiz umfängt mich die Venus der Elbe. Bis ein Petrarca dich ſingt, leiht dir Roſſini das Wort. Gallerie und Kirchen.

Zeigt die Gemälde nur ſelbſt, die Deutung erlaſſ⸗ ich dem Führer! Auf nur geſchloſſen den Dom, predigen ſoll mir ſein Geiſt!

Miscellen.

Der guano.

Die ſo offenbare Einwirkung des Guano, der jetzt in einer ſo bedeutenden Menge verbraucht wird, hat bis jetzt, nach den Behauptungen Liebig's, noch keine genügende Erklärung gefunden. Dieſer berühmte Chemiker, deſſen Arbeiten dem Ackerbau ſo große Verdienſte geleiſtet haben, ſagt, man habe die guten Wirkungen dieſes Düngers gewöhnlich dem ſtarken Verhältniß des Stickſtoffs, den er in ſich enthalte, zugeſchrieben, welcher Stoff beſonders in Ammoniakſalzen und Harnſäure beſtehe. Eine große Zahl Be⸗ obachtungen habe indeſſen gezeigt, daß ein mit Guano gedüngtes Saatfeld eine ſehr reiche Ernte gibt, während die Hinzufügung einer Menge Ammoniakſalze, die hinſichtlich ihres Reichthums an Stickſtoff genau dem angewandten Guano entſprachen, in einem Theile deſſelben Bodens, in demſelben Jahre und für dieſelbe Cultur faſt ohne Einwirkung auf die erlangte Ernte iſt.

Wenn in dem erſten Falle der Guano ſeine fruchtbar machen⸗ den Eigenſchaften ſeinem Stickſtoffgehalt verdankt, ſo begreift man nicht, wie im zweiten Falle dieſelbe Menge Stickſtoff, die in ſeiner thätigſten Form dem Boden hinzugefügt wird, keinen Ein⸗ fluß auf die Ernte ausübt. Man muß daher die Urſache der energiſchen Einwirkung des Guano in den andern Elementen ſuchen, die er in ſich enthält. In einer gelehrten Denkſchrift über dieſen Gegenſtand, die in dem Répertoire de chémie appliquée

veröffentlicht worden iſt, ſucht nun Liebig durch Thatſachen und

Der ausgezeichnete Chemiker widmet den letzten Theil ſeiner Arbeit der Prüfung der aus Thatſachen gezogenen praktiſchen Schlüſſe und den Mitteln, die Verfälſchung des Guano zu erkennen, dieſes Düngemittel vor der Anwendung zu unterſuchen und die befruchtende Wirkung deſſelben richtig abzuwägen. C.

Worte für Welt und Haus.

hegen, dürftig. Damit Du nicht beides wirſt, wirf alle Wünſche, die Du nicht befriedigen kannſt, zur Thür Deines Herzens hinaus. Dieſe müßigen Bettler nehmen beſſeren Empfindungen nur den Platz weg und ſaugen ſich an Deinem Mangel groß. Willſt Du

dieſes Alles jedoch einer Frau zumutheſt, verlange lieber eine Arie von einem Fiſch.

ling, und der Staat har es in der That auch nothi

immer ſehr gern übernommen bat.

angeſtellte Verſuche zu beweiſen, daß der Guano ſeine ſchnelle

Wirkſamkeit ſeinem Gehalt an Sauerklee

oder Zuckerſäure ver⸗ danke.

[VIII. Jahrg.

Ich ein verkappter Spion? Unſchuldiger gibt es wohl keinen.

Entbehrungen fühlen, macht unzufrieden, ſehnliche Wünſche

aber von vorn herein der Schickſalsſchlange den Kopf zertreten, ſo lerne die Weisheit, Entbehrungen nicht zu fühlen. Ehe Du

Wo der Staat durch eine enge Richtung die Viſſenſchaft gleich einem Säugling wickelt und nabelt, da kann ſich dieſelbe nicht frei bewegen; im Gegentheil gebehrdet ſie ſich dort als Säug⸗ g, ſie von Zeit zu Zeit neu einzuwickeln und trocken zu legen. Die Geſchichte lehrt, daß die Geiſtlichkeit dieſes Geſchäft mit vieler Reſignation

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