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Dritte Folge.
Melodien ſind die Vorzüge, die ihm im Ganzen nachzu⸗ Jüdin“ u. meiſten und abgeklärteſten in ſeinem ſtiſchem Ausdruck und populärer Melodie ſelten erreicht, Ganz ausgezeichnet war Marſchner in niemals übertroffen werden. Dieſelben Vorzüge haben Fanny's reizendes auch Marſchner's auderweitige Geſangscompoſitionen.
rühmen ſind, am Hans Heiling“ dem Liede der Romanze und Ballade.
ſ. w. ſind Stücke, die an originellem, humori⸗
eied mit dem abwechſelnden Zwei⸗ und Dreivierteltakt, Die Lieder des Orientes, die hebräiſchen Geſänge Lord
die darauffolgende düſter unheimliche Ballade, das von
Byyou's, die Lieder des Griechen⸗Müller's athmen abwech⸗
friſcher Laune überſprudelnde Trinklied im„Vampyr“, ſelnd Gluth, erhabenen Schwung, tiefe Innigkeit nach den
das Lied des Narren, des Bruder Tuck, der wilde Schlacht⸗ jedesmaligen Vorlagen der Dichter.
Seine Männerchöre
geſang der Sachſen, das Jägerlied des Mönches, die Ro- gehöreu unter die beliebteſten, die je geſchaffen worden ſind. 6.
manze auf das ſtolze England in„der Templer und die
Max von Schenkendorf's Gedichte, herausgege⸗
ben von A. Hagen, Stuttgart, Cotta'ſcher Verlag 1862. Die deutſchen Lyriker haben nicht je nach ihrem Werth, ſondern je nach den zufälligen Strömungen des Zeitge⸗ ſchmacks ein ſehr verſchiedenes Schickſal gehabt. Die
Sache iſt natürlich und in ſofern berechtigt; ſchade nur, daß jener zufällige Zeitgeſchmack an und für ſich gewöhn⸗
eas ſchreibt faſt immer der eine Verfaſſer Weſentliches
lich weder eine ſittliche noch eine literariſche Berechtigung hat, indem er mit ſehr trivialer Moderichtung auf das Fri⸗ volſte Hand in Hand geht.
So haben ſich denn manche Namen erhalten, die weuig
abſoluten Werth haben; anderntheils ſind tüchtige Ta⸗ lente, weil ſie nie den Ton der Mode trafen oder dieſer ſich ſchnell änderte, unverdient in den Hintergrund gedrängt. Auch die Literaturgeſchichte hebt nicht, wie ſie eigentlich thun ſollte, ſolche Ungerechtigkeiten auf, und wenn man nach dem Grunde fragt, ſo liegt derſelbe ſehr einfach in zwei Umſtänden. Erſtens beſitzen wir noch gar keine un⸗ befangene, ebenſo geiſtvolle als möglichſt parteiloſe objec⸗ tive Geſchichte der deutſchen Nationalliteratur, und zwei⸗
vom anderen ab. Neu und original pflegt er nur in den Urtheilen zu ſein, die ſeine Richtung und literariſchen Freunde betreffen, am entſchievenſten in denen, welche ihn felbſt angehen, denn zahlreiche deutſche Literaten erbauen in ſolchen Literaturgeſchichten ihrer Coterie und ſich ſelbſt ein kleines Mauſoleum der Unſterblichkeit, damit ihre dich⸗ eriſchen Gebeine nicht etwa von der Welt, wie es ihnen oft zukäme, ohne Sarg und Grabſtein in die allgemeine Grube geworfen werden. Außerdem iſt es Brauch gewor⸗ den in der Kritik, die unzurechnungsfähigen Meinungen des großen Publicums bereitwillig nachzuſprechen und ſie durch künſtliche Motivirung zu Urtheilen zu erheben, ein ſchändliches Geſchäft, wozu der großen Maſſe der üble Wille, der nöthige Verſtand und die literariſchen Fechter⸗ künſte fehlten. Ich habe es oft mit angeſehen, wie ſelbſt ſolche Aeſthetiker, die an und für ſich vernünftig und nicht bösartig waren, ſich mit einer ordeutlichen Ehrfurcht vor dem öffentlichen Urtheil alle Mühe gaben, s„gerechtfertigte Motive“
Literariſche Briefe
Otto Banck.
für den vandalen Indifferentismus aufzuſuchen, weßhalb die Gedichte von Feuchtersleben, Julius Moſen, Hermann Lingg ſo erbärmlich lange auf ihre Verbreitung warten mußten..
Wirklich ſchleppte ihr dienſtwilliger Profeſſorenwitz
wie ein unermüdliches Droſchkenpferd auch eine Anzahl
ganz ſtattlich ausſehender Scheingründe herbei, womit ſie den„richtigen Inſtinct“ des Publicums glorificirten, eine mühevolle Arbeit, worauf in der That ein Bund Heu von der Gemeindewieſe verabreicht werden ſollte. Dagegen war es ihnen immer ſonnenklar, einzuſehen, weßhalb viele mattherzige Dichtungen ſo raſch Eingang fanden, während ich, zur Ehre der gegenwärtigen Bildung ſei es geſtanden, noch einige Jahre vergeblich darüber nachdenken müßte, gebräche es mir nicht an überflüſſiger Zeit.
Endlich fingen dann wenigſtens die Lingg'ſchen Ge⸗ dichte an, ſich ſehr ſtark zu verbreiten, und hierauf ſetzten ſich nun dieſelben Männer wiederum hin und ſuchten ſich und Anderen zu beweiſen, weßhalb dies ganz in der Oxd⸗ nung wäre, ja ſich hätte vorherſehen laſſen! Dergleichen Mangel an Selbſtbewußtſein und feſter Anſicht, welcher aller Leute Meinung iſt, nur nicht die ihrige, mag viel— leicht ein Schauſpiel für Götter ſein, die mit homeriſchem Gelächter ſolches Treiben vom hohen Olymp mit anſehen,
für Menſchen jedoch iſt es zu ekelhaft.
Wenn Jeder, der ein geſundes Urtheil haben könnte, ſolches auch ohne Scheu geltend machte, ſo würde die An⸗ ſicht der Majorität ſehr bald die der Minorität, das heißt mit anderen Worten, aufgeklärt und gebildet werden.
Zu den zum Theil verkannten Lyrikern gehört auch Max von Schenkendorf. Es war vielleicht weniger ein Zeitbedürfniß, als eine Pflicht der Pietät, ſeine Poeſien jetzt noch einmal aufzulegen. Hagen hat denſelben eine kurze leſenswerthe Biographie beigefügt.
Ich ſage, es wäre dieſe neue Edition kaum ein Zeitbe⸗ dürfniß, indem nur noch wenige Lieder von Schenkendorf etwas Anderes, als eine rührende, oft auch erhebende Er⸗ innerung an die Tage der Freiheitskriege ſind. Wohl aber wurde die Nation dem Dichter ſchuldig, ſein Anden⸗


