Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
450
Einzelbild herunterladen

V 1

3 2

Des Frühlings Rückkehr.

Mit den linden, lauen Lüften Zieht der Lenz in unſer Land, Rufet Blumen aus den Grüften, Streuet Gras auf Fels und Sand, Lockt die grünen Blättchen wieder Aus der Knospe Kerkerzwang, Weckt im jungen Laub der Lieder Freudevollen Feierklang.

Mit des Maies froher Feier

Wacht in mir der Jubel auf,

Und ich ſtimme ſchnell die Leier, Und ich laß dem Lied den Lauf. Jauchzet, hüpft in frohen Sprüngen, Denn der Lenz iſt neu erwacht,

Eure Seele zu verjüngen

In der Auferſtehungspracht.

Abendbeleuchtung.

Ich ſah vom Waldesſaume Hinab ins weite Thal;

Es lag, ſo fern ich ſchaute, Im goldnen Abendſtrahl, Um Berg und Hügel hoben Aus Dunſt und Lichtesflor Sich blaue Schleierwolken Mit gelbem Schein empor.

Im matten Schimmer lagen Die Wieſen ohne Glanz, Darüber röthlich ragte

Der Bergesſtirnen Kranz;

Es füllte falbes Flimmern

Den weiten Waldesraum,

Ein Strahlenzittern blickte Durch jeden Strauch und Baum.

Die düſtern Tannen hoben

Sich in die blaue Luft,

Von Roſenlicht umflogen

Und goldnem Nebelduft;

Aus Haid und Ginſtern flammte Ein buntgebrochner Schein

Vom blaſſen Höhenkamme

Auf Dorn und Felsgeſtein.

Es blickte zwiſchen Hügeln Und dunklem Wolkenkranz Zur Waldesſchlucht hinüber Des Tages Abſchiedglanz; Vom Bachesufer ſtrahlte, Um Buſch und Erlenhain Mit ſcheuem Licht zu malen, Der Waſſer Wiederſchein.

[VIII. Jahrg.

P. Scherfgen.

Umglänzte Dünſte ſchwächten Den dichten Farbenduft Geſenkter Höhenflächen

Mit trüber Spiegelluft.

Die Sonne war geſunken; Es fiel ins graue Thal

Aus ſchwarzer Wolken Luken Der letzte rothe Strahl.

Erfahrungslehren.

Ohne Murren, ohne Zagen, Kräftig dulden, muthig tragen, Schweigen können muß der Mann; Unverſehn auf ebnen Wegen Treten Höhen ihm entgegen,

Die kein Fuß beſteigen kann.

Doch er ſpare feige Thränen,

Wenn auch plötzlich Abgrundsgähnen Ihm die Wahl des Todes läßt; Lacht am Rande zum Verderben, Wählet Freiheit oder Sterben,

Und ihr ſtehet immer feſt!

Das Leben iſt ein Drängen, Ein Treiben hin und her; Hat Einer Ruh gefunden, Er hält ſie nimmermehr; Kaum war er eingegangen In ſichern Hafens Hut,

Da trägt ihn ſtürmiſch weiter Der Wellen wilde Wuth.

Und wer an Freundes Herzen Gefunden ſüße Raſt,

Und wer im Schooß der Liebe Vergeſſen jede Laſt:

Ob ihm der junge Morgen Noch roſenfarben tagt,

Wir hören, wie am Abend Den Unbeſtand er klagt.

Wenn drum des Lebens Wogen

Dich werfen auf und ab,

Verzage nicht und hoffe

Und traue bis ans Grab.

Was dir in Neid und Tücke 4 Ein böſer Tag entriß,

Erſetzt der Wechſelwille

Der Schickung dir gewiß.

Natur, Liebe, Leben. Von P. Scherfgen. Trier, F. A. Gall's Verlagsbuchhandlung. 1862.

d zwä nach ſtäd ihm zuj

ſchen

nen

Dal

de Co ohr lich imn Pl No beſt