Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
418
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f. A. Maercker.

Die Genien des Lebens.

Es iſt ſo ſüß zu boffen,

Süß wie der Roſe Duft:

Steht nicht die Welt uns offen,

Wenn uns die Hoffnung ruft?

Die Hoffnung reicht der Jugend Stets treu die Schweſterhand;

Dem Thatendrang, der Tugend

Beut ſie das ſchönſte Pfand. So lang uns labt der Hoffnung Kuß, Trägt uns des Lebens voller Fluß.

Fs iſt ſo ſchön zu glauben:

Ea ut 1 der Stern der Nacht;

Er läßt uns niemals rauben

Des Jenſeits Wundermacht.

1.n. iſt der Hort der Herzen,

Der Lehrer der Geduld.

Wer trüge Qual und Schmerzen, Wenn nicht des Himmels Huld

Uns durch des Glaubens Kraft geſtählt

Und ſeinen Engeln uns vermählt?

3* Und köſtlich iſt zu lieben Mit ganzer Seelengluth, Mit allen Schöpfungstrieben, Mit höchſtem Glaubensmuth. Die Lieb' entflammt die Sterne, Die Lieb' entzückt die Welt, Sie lebt in Näh' und Ferne, Iſt aller Thaten Held; Wem ihr Geheimniß ſie vertraut, Der hat die Seligkeit geſchaut.

Morgenroth.

Sag, Mädchen, wie iſt uns geſchehen? Wie ſind wir verwandelt ſo ganz?

Sonſt haſt du mich angeſehen,

Frei führt' ich zum Spiel dich, zum Tanz.

Wie ſangſt du ſo liebliche Lieder!

Wie quollen die Töne hervor!

Jetzt ſenkſt du den Blick auf das Mieder, Kaum leihſt du noch halb mir dein Ohr.

Und ich auch bin ſtumm geworden, Als wäre das Wort mir verſagt.

Tief regt ſich in Himmelsaccorden, Was nicht an das Licht ſich wagt.

Wlhs varde den a ſeh ich vor mir ſtehn

Was gimir Reu und Schmerz.

Waslt mir Reu und Schmerz, Wasin Erbarmen!

Du ſt ein reiches Herz

Tros verarmen.

Dmnteſt Tag um Tag Mlücklich wähnen; Dtief im Auge lag Weer von Thränen.

n kaum in ſtiller Nacht h Schlaf umfangen, 3 wilden Traume wacht

in heiß Verlangen.

id ſoll zur Gruft nun gehn,

S

Verlaßiberben.

Was gilt mir Ald Schmerz, Was dein Erbarmen

Du ſahſt das treuſte 8. Hülflos verarmen. S

1

W

In Frieden ſchlummere fort.

Wenn todt ich bin,

Legt fern mich hin, Fern in die ſtille Gruft, Wo Menſchenſtimme nicht Der Oede Zauber bricht, Nichts regt die heil'ge Luft.

Nur Ton und Hall Der Nachtigall Mag einſam rufen dort,. Im lauten Schmerzensſang, Die Frühlingsnächte lang: In Frieden ſchlummre fort!

Ach, wäre mein

Ein Seufzer dein, Ein Mitleidswort von dir! Wie Himmelslichtes Strahl Für bangen Sünders Qual, Geliebter, wär' es mir!

Ja, ruhelos

Im Erdenſchooß Lauſch' ich nur jenem Wort. Mein Schatten irrt allein, Wiegt nicht dein Laut mich ein: In Frieden ſchlummre fort.

Grinnerungen. Geſammelte Gedichte von F. A. Maercker. Berlin, 1862. Verlag der Königl. Geh. Ober⸗Hofbuchdruckeret(. Decer).