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414 Novellen-
ſah ſich voll Erſtaunen um, ohne jedoch ſeinen Taufpathen zu entdecken.
Zu den Merkwürdigkeiten der Altenburg gehören einige an verſchiedenen Stellen in die Mauern gefügte Monumeute fränkiſcher Ritter, die beiden in einem nahen Wäldchen gelegenen Denkmäler Adalbert von Babenberg’s und des Dr. Markus, vor allem aber die alten Wart⸗— thürme mit ihren Verließen. Von einem dieſer Thürme aus genießt man ein Rund⸗Panorama, das Jedei unver⸗ geßlich bleiben wird. Mag der Zauber, den Menſchen und Menſchenwerk üben, noch ſo anziehend für den Geiſt ſein, die volle Wärme der Empfindung wird doch erſt durch die Wunder ſolcher unvergleichlichen Natur hervor⸗ gerufen. Die Fülle von Schönheit, die auf jeder Stelle dem Auge entgegentritt, läßt die Altenburg auch als einen beſonders günſtigen Schauplatz für ein liebliches Feſt erſcheinen, das dort alljährlich gefeiert wird.
Am erſten Sonntag im Mai iſt dort der Sammel⸗ platz für Hunderte, ja Tauſende von Menſchen aller Stände, die ſich zuſammenfinden, um ein Frühlings- und Volksfeſt im urſprünglichſten Sinne des Wortes zu bege⸗ hen. Wie Pilger zu einem Wallfahrtsorte, wandern vom frühſten Morgen an die Spaziergänger jene Pfade ent⸗ lang, die zur Höhe führen. Die dienenden Claſſen, denen keine andere Zeit zu Gebote ſteht, begeben ſich ſchon Mor⸗ gens um vier Uhr hinauf, um ſich von dem Pächter, der die Gartenanlagen pflegt, ein fröhliches Frühmahl bereiten zu laſſen und dem erſten Morgenconcerte beizuwohnen. Gegen acht Uhr nimmt die herbeiſtrömende Menge ſchon einen gewählteren Charakter an; die beau monde, die ſich an dieſem Tage ungewöhnlich früh vom Lager erhoben hat, miſcht ſich in großer Zahl und im friſcheſten Frühlings⸗ putze unter die Bürgersleute, denn um 9 Uhr beginnt dort oben der Gottesdienſt im Freien, eine Frühlingsfeier, wie ein andächtiges und für Poeſie empfängliches Herz ſie nicht ſchöner wünſchen kann.
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Zeitung.
Der vorhin erwähnte Altar auf dem Bergabhange iſt mit Teppichen und Blumen reich geſchmückt, und mit allen Ceremonien des katholiſchen Cultus wird dort, mitten im
Grün, Angeſichts der herrlichen Gotteswelt ein feierliches
Hochamt abgehalten. Immer neue Gruppen ſtrömen über die hölzerne Brücke, die aus dem Thore über den Burggra⸗ ben führt, in die unmittelbare Nähe des Altars, und ſo⸗ wohl diesſeits, als jenſeits des Grabens iſt jedes Plätzchen beſetzt. Hunderte von bunten Geſtalten bedecken die grü⸗ nen Bergabhänge, und beim Klange des Glöckchens, das das Sanctus verkündigt, wirft ſich die zahlreiche Menge auf die Kniee, wobei ſich unbewußt gar maleriſche Grup⸗ pen bilden, und alle Stimmen vereinigen ſich beim Schluß des Gottesdienſtes zu dem herrlichen Liede:„Großer Gott, Dich loben wir! ꝛc.“
Wer an einem himmelblauen, ſonnengoldnen Mai⸗ tage jenſeits der Brüſtung ſteht und dem lebensvollen Vorgang in all ſeinen Wandlungen mit Sinn und Ge⸗ müth folgt, muß von dem Eindruck deſſelben lebhaft erfaßt V werden. Die ganze Menge ſcheint nur dem Gedanken an einen freundlichen Gott der Güte hingegeben, und der heilige Friede der von Schönheit verklärten Natur umher ſtimmt auch den zum Gebet, der deſſen entwöhnt iſt.
Kaum iſt aber das letzte Wort des Prieſters verklun⸗ gen, als auch ohne allen Uebergang dem Vergnügen die⸗ ſer Welt gehuldigt wird. Die leichtbeweglichen Maſſen ſtrömen auseinander, wie eine Proceſſion geht es zurück über die kleine Brücke, und eilfertig breiten ſie ſich auf den Gartenanlagen und Terraſſen aus. Glücklich der, der ſich und ſeiner Geſellſchaft ein Plätzchen erobert und bei dem Sturm auf die enge Küche Erfolg hat, aus der der hartbedrängte Reſtaurateur nun Tauſende von kleinen heißen Bratwürſten, dem officiellen Gerichte des Tages, hervorreicht. Das berühmte Bamberger Bier ſchäumt in den Gläſern, die beiren Muſikchöre laſſen abwechſelnd ihre Klänge erſchallen, und ein volksthümliches Leben
wenig kümmerte, ja daß dieſe bald nur als läſtige Nachbarn be⸗ trachtet wurden, deren man ſich entledigen müßte.
Eines Tages glaubten die Anſiedler zu bemerken, daß einige Stücke Vieh von ihren Heerden fehlten, und dies war ein vollgül⸗ tiger Grund für die Thaten, die geſchehen ſollten. Spätere Unterſuchungen, die durch einige Officiere der Armee vorgenom⸗ men wurden, haben freilich ergeben, daß es ſich um den Verluſt einiger weniger Ochſen handelte, die ſich vielleicht verirrt hatten, vielleicht— und das iſt das Wahrſcheinlichere— von den weißen Männern ſelbſt getödtet waren. Die Anſiedler begaben ſich am hellen Tage in bewaffneten Haufen nach den Hütten der nichts Böſes ahnenden Indianer und ſchoſſen die harmloſen, ſchwachen, wehrloſen Geſchopfe nieder, ohne Rückſicht auf Geſchlecht und Alter. Sie erſchoſſen Frauen, die ihre Säuglinge an der Bruſt hatten, erſchlugen oder verſtümmelten die umherlaufenden nackten Kinder, und nachdem ſie alle dieſe Heldenthaten vollbracht hatten, riefen ſie das Gouvernement zu Hülfe. Unterſtützt von einer zur Unterſuchung der Sache abgeſandten Commiſſion hielten die Mörder dann die Höhen von Nome⸗Cult noch monatelang beſetzt
und tödteten jeden Indianer, der, dem allgemeinen Blutbad auf
irgendwelche Weiſe entronnen, endlich wagte, in die Heimath zu⸗ rückzukehren, die ihm die Regierung angewieſen, in der ſie ihm Schutz und Sicherheit verſprochen hatte.
Niemals ſind von weißen Männern unter den Augen einer aufgeklärten Regierung eine Reihe von abſcheulichern Gräuel⸗ thaten begangen worden, wie an den armen Indianern zu Nome⸗ Cult. und ſie beſchützten ihn, indem ſie Weiber und Kinder grauſam hinmordeten.
„Der Staat muß beſchützt werden,“ ſagten die Anſiedler,
ſah alle dem ruhig zu.„Was ſollen wir thun? Wir können doch die Bürger unſerer Staaten nicht beſtrafen! Nähren und kleiden wir nicht die Wilden? lehren wir ihnen nicht die Grundſätze der
Moral? was kann man mehr von uns verlangen?“ 5.
Miscellen.
Immerwährende Trauer.
Im Mittelalter war in keinem Lande die Familienverbindung inniger als in England, wenn es darauf ankam, Todte zu be⸗ trauern. Man zählte die Verwandtſchaft bis ins zwölfte Glied; ſo war manche Familie das ganze Jahr genöthigt, in Trauer⸗ kleidung zu gehen, da faſt alle Monate mehr als ein Vetter, eine Muhme ſtarb und für jedes ein Jahr getrauert wurde. Bei ſolchen traurigen Vorfällen wurden, galt es dem nächſten Verwandten, die Spiegel verhangen und die Meubles in Unordnung gebracht, um ſich deſto mehr daran zu erinnern, daß der Todte jeden Augen⸗ blick vermißt werde. 1 Andenken der Todten geweihtes Feſt ſtatt, wo denſelben ein Stuhl und ein Couvert am Tiſche bereit da ſtand Man ſprach mit ihnen, als ſeien ſie gegenwärtig, Ein Mahl ward eben ſo auf dem Kirchhofe angerichtet und an den Gräbern verzehrt. Man hätte glauben ſollen, die Stätte der Todten ſei der Aufenthalt der Lebenden.
Die oberſte Gewalt der Vereinigten Staaten aber
(VIII. Jahrg.
Alle Jahre fand im Hauſe ein großes, dem
die ſte ſchiede Saal ſchein und! Nache wir i Berg eines
gwif


