Novellen-Zeitung.
Gearg Pertz.
Liebe.
Entzücken, Denken, Leidenſchaft,
Und was nur aufrührt Hirn und Blut, Iſt dienſtbar doch der Liebe bloß
Und nährt die heil'ge Gluth.
Oft in mein waches Träumen ſchwebt Zurück mir jener ſel'ge Tag,
Wo bei dem halbverfallnen Thurm Am Bergeshang ich lag.
Der Mond, dem Spätroth ſanft vermählt, Lag zitternd auf dem nächt'gen Ort,
Und mit mir Sie, mein Traum, mein Glück, Mit mir ſchön Hedwig dort.
Sie lehnte an dem Bild von Stein, Dem Rittersmann mit Helm und Schwert, Sie ſtand und lauſchte meinem Lied Vom Mondlicht ſanft verklärt.
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Noch kennt ſie wenig eig'nes Leid,
Mein Glück, mein Traum, mein frommes Reh; Doch liebt ſie mich am meiſten, haucht
Mein Lied ins Herz ihr Weh.
Ich wählt' ein ſanftes Klagelied, An Thränen reich, aus alter Zeit, Von ſchlichtem Klang, für Trümmer recht Und wilde Einſamkeit.
Und ſanft erröthend lauſchte ſie, Verſchämt den Blick geſenkt vor mir; Sie wußt,, ich konnte anders nicht Als ſchaun ins Antlitz ihr.
Vom Ritter ſang ich, der geführt
In ſeinem Schild ein Flammenſchwert, Und der zehn lange Jahre ſich
In eitler Lieb' verzehrt.
Ich klagte, wie er litt, und ach! Der tiefe, herzentquoll'ne Harm,
Mit dem ich fremde Liebe ſang, Sprach für die meine warm.
Und ſanft erröthend lauſchte ſie, Geſenkten Blicks, in ſcheuer Gluth, Und ſie vergab mir, daß zu heiß Mein Aug' auf ihrem ruht'.
Doch als ich von Verſchmähung ſang, Die ſeine Sinne trüb' verwirrt,
Und wie er ruhlos Tag und Nacht Im dunkeln Forſt geirrt;
Wie manchmal ihm in wilder Schlucht, Und manchmal ihm in ſchatt'gem Hain,
Und manchmal, wenn empor er ſchreckt' Am ſonnenhellen Rain,—
Fremdes und Eigenes von Georg Pertz
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Leipzig und Heidelberg, C. F
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Sich naht' und über ihn ſich beugt' Ein Engel, ſchön und wunderklar, Und wie der arme Ritter wußt', Daß es ein Unhold war;
Und wie, bewußtlos was er that, Er kühn aus blut'ger Mörder Mitt', Vor Tod und Schmach errettete
Die Maid, um die er litt;
Und wie geweint ſie und gekniet, Und ihm gekühlt die heiße Stirn,
Und Sühne für den Trotz geſucht, Die ihm getrübt das Hirn.
Wie in der Grotte ſie ihn hegt’, Und wie der Wahnſinn von ihm wich, Als auf dem gelben Herbſtlaub er Gebettet ſterbend ſich.
Sein letztes Wort— doch als den Theil, Den rührendſten, mein Lied erreicht,
Schmolz, bei dem Stocken meines Tons, Ihr Herz, von Gram erweicht.
Denn was Gemüth und Sinn ergreift, Erſchütterte mein arglos Kind,
Die Melodie— die trübe Mähr’— Der Abend, weich und lind,—
Und Hoffnungen, von Furcht erzeugt,— Und Furcht, von Hoffnungen erregt,—
Und ſüße Wünſche, lang bezähmt, Bezähmt und doch gehegt.
Sie wurde roth vor Lieb' und Scham, Sie gab entzückten Thränen Raum, Und meinen Namen hört ich leis Sie flüſtern wie im Traum.
Ihr Buſen ſchwoll— ſie trat zurück, Sie wandte ſich in ſüßem Graus,
Dann flog ſie zitternd mir ans Herz Und brach in Thränen aus.
Sie ſchloß mich ſanft in ihren Arm, Der wie bewußtlos mich umſpann,
Dann warf das Köpfchen ſie zurück Und ſah verſchämt mich an.
'S war theils aus Lieb', und theils aus Scham, und theils aus kluger Sittſamkeit— Ich ſollte fühlen eh'r als ſchau'n Des Herzens ſüßen Streit. Ich ſprach ihr zu, und ſie ward ſtill, Dann hat ſie ſtolz ſich mir vertraut; Und ſo gewann ſchön Hedwig ich Zur holden, ſüßen Braut.
Winter'ſche Verlagshandlung. 1862.
[VIII. Jahrg.
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