Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
384
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Uovellen-Zeitung.

dieſer Probe, wie ſehr der Verfaſſer uns um Perſonen beängſtigt, für die er es gar nicht vermocht oder erſtrebt hat, uns Sympathie und warmen Antheil einzuflößen. Wäre ihm dies nur bei einer einzigen Figur dieſer hiſto⸗ riſchen Erzählung gelungen, ſo dürften die vielen vorge⸗ führten Gefahren und Abenteuer noch peinlicher wirken. Die Johanniter erobern nun die Ilderymsburg, und während das Thor geöffnet iſt, entflieht Hohenlohe, dem ſich die chriſtliche Haremsſchönheit angeſchloſſen hat, mit derſelben, weil er in ſeiner mohamedaniſchen Verkleidung doch getödtet worden wäre. Man ſollte meinen, er hätte nur in fränkiſcher Sprache zu rufen brauchen:Ich bin der Johanniterritter Hohenlohe, und alle ſeine Cameraden hätten ihn mit Freuden erkannt, da ſie ſeine Gefangen⸗ nahme wußten. Doch wäre dann Folgendes nicht möglich geweſen. Tankred, nämlich ein franzöſiſcher Ordenscomthur, der als talentirter Don Juan ſchon lange damit umgeht, das laugweilige Gelübde der Keuſchheit zu brechen, erblickt Hohenlohe mit dem ſchönen Weibe und hält dies für eine paſſende Gelegenheit, ſeinen Vorſatz auszuführen. Mit einem Freunde und einem paar Knechten verfolgt er die Fliehenden. Als er ſie eingeholt, verleugnet er Hohen⸗ lohe, der ſich als Johanniter zu erkennen gibt, und läßt ihn in eine Ciſterne werfen; das Weib aber opfert er ſei⸗ ner Begierde, nachdem er ſie in ein altes Gemäuer geſperrt. So iſt denn unſer Held verſchwunden. Doch dieſe Erzählung heißt nicht vergebens Die Drachenhunde von Rhodos. Die Titelrolle muß beſchäftigt werden, und ſo findet denn die Dogge Suleika ſehr bald den in der Ci⸗ ſterne Schmachtenden auf und ernährt ihn mit Broden, welche ſie ſich von den Soldaten bettelt und ihm zuträgt. Hierdurch kommen die nachforſchenden Ordensbrüder dem Unglücklichen auf die Spur; er wird gerettet; ebenſo

[VIII. Jahrg.

das Weib, und in einer heimlichen, feierlichen Gerichtsloge der Ritter um Mitternacht wird Tankred mit ſeinen Hel⸗ fershelfern verurtheilt und hingerichtet. Das unglückliche Weib nimmt den Schleier und geht nach Spanien, und der Verfaſſer läßt ahnen, daß ſie und Hohenlohe ſich platoniſch geliebt haben.

Die Geſchichte iſt hiermit billigerweiſe beendet; als hiſtorifche Zugabe zeigt uns indeß der Autor noch, wie nach dieſem Siege die Ordensritter mit Hülfe des franzöſiſchen von 20,000 Mann begleiteten Marſchall Boucicaut nach Syrien gehen und dem Sultan Mahomed jene glückliche Schlacht am Sanin(beim Libanon) liefern, durch welche nach einem vortheilhaften Friedensſchluß das heilige Grab wieder in die Verwaltung der Chriſten kam. Nach dieſenn Triumph ſtirbt Friedrich von Zollern in Ruhm und Alters⸗ ſchwäche zu Jeruſalem.

Ich glaube, der Inhalt und Gang dieſer Geſchichte kritiſirt den literariſchen Werth derſelben genügend. Der Leſer bleibt ſehr neutral bei dieſer Lectüre, denn es wird in derſelben weder ein Intereſſe angeregt noch befriedigt.

In Ermangelung von poetiſchen Motiven und einer ſolchen Durchführung derſelben würde es wenigſtens beleh⸗ rend geweſen ſein, wenn der Schriftſteller dem Publicum das Weſen und Ritual der Johanniterritter und einen kur⸗ zen Abriß ihrer Geſchichte auseinandergeſetzt hätte. Er thut unrecht, dieſes Wiſſen vorauszuſetzen. In vorliegen⸗ der Geſtalt iſt ſein Buch ganz beſonders geeignet, den Ge⸗ ſchlechtern Hohenzollern und Hohenlohe ein paar ſchmei⸗ chelhafte Bilder von ihren Vorfahren darzubieten.

Uebrigens muß jeder Schriftſteller wiſſen, was er ſich ſelbſt ſchuldig iſt und wie weit die Zeit hinter ihm liegt, in der ſich das Publicum ſchon allein bei ritterlichen Kriegs⸗ thaten mit Kampfgeſchrei recht gut unterhielt.

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