Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
364
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lichen Angelegenheiten beendigt, aber mit vielen Schwie⸗ rigkeiten von Seiten des Geſetzes, die ihm ſo große gei⸗ ſtige, wie ſeiner Krankheit körperliche Qualen bereitet hätten, um derjenigen gerecht zu werden, der er unaus⸗ ſprechlich verpflichtet war(Anaſtaſia Robinſon). Er habe es nothwendig gefunden, nicht nur allen ſeinen Verwand⸗ ten ſeine Vermählung anzuzeigen, ſondern auch, da der Pggeſter, welcher ſie getraut, geſtorben ſei, ſich nochmals mit ihr in der Kirche zu Briſtol vor Zeugen trauen zu laſſen. Er ſpricht davon, daß er nach Lyon reiſen will, aber ohne Zweifel kann er nur bis zur Seeküſte kommen. Mich dauert das arme Weib, das alle ſeine Leiden getheilt hat und das ihn durchaus nicht überreden kann, ſich zu ſchonen.*

ſia welche 1735 öffentlich als ſeine Gemahlin ilrde und ſeine zweite Gattin war, überlebte Fahre, und da ſie keine Kinder von ihm hatte,

Iin Titel auf ſeinen Enkel über. Ihr untadelhaftes Benehinen und ihre Anmuth gewannen ihr die Freund⸗ ſchaft der höchſtgeſtellten Perſonen ihrer Zeit.

Ein anderes auffälliges Beiſpiel bietet Lavinia Fen⸗ ton, wie ſie gewöhnlich genannt wurde. Sie war 1708 geboren und die Tochter eines Schiffslieutenants, Namens Beswick. Bald nach ihrer Geburt heirathete ihre Mutter Mr. Fenton, welcher ein Kaffeehaus in Charing⸗Croß hatte. Dieſer gab ſeiner Adoptivtochter mit einem aner⸗ kennenswerthen Zartgefühl ſeinen eigenen Nanien, unter welchem ſie nachher bis zu ihrer Vermählung ausgezeichnet wurde. Er behandelte ſie mit eben ſolcher Sorgfalt und Liebe, als wäre er ihr wirklicher Vater geweſen, und als

ſie frühzeitig Taleut zum Geſang entwickelte, gab er ihr

eine für eine Engländerin vorzügliche muſikaliſche Bildung.

Bei ſolchen Talenten, und da das Kaffeehaus von Schöngeiſtern und Schauſpielern beſucht wurde, fand ſie bald den Weg zur Bühne. Doch wurden nicht ihre muſi⸗ kaliſchen Talente zuerſt erprobt, ſondern ſie trat 1726 im

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VIII. Jahrg.

Schauſpiel des Haymarket⸗Theaters mit günſtigem Crfolg auf. Ihr Ruhm zog viele ausſchweifende Bewunderer an. Ein Wüſtling von hohem Range wollte ſie überre⸗ den, mit ihm ein einſames Leben auf dem Lande zu führen, wogegen er ſich verhindlich machte, den Vergnügungen der Hauptſtadt, in welcher er bisher eine ausgezeichnete Rolle

geſpielt hatte, zu entſagen. Obgleich aber dieſer Vorſchlag

von freigebigem Geldanerbieten begleitet war, beſaß ſie doch ſo viel Ehrgefühl, daß ſie den leidenſchaftlichen Ver⸗ ehrer zurückwies.

Bald darauf lockte ſie der Director des Coventgar⸗ den⸗Theaters durch das verführeriſche Anerbieten von funfzehn Schilling wöchentlich, was noch viel weniger iſt, als jetzt eine Choriſtin bekommt. Im Jahre 1728 machte ſie ihren erſten Verſuch als Sängerin in Gay's berühmter Operder Bettler im Theater von Lincoln's⸗ Inn⸗Fields als Polly Peachum, und zwar mit ſolchem Glück, daß der Director Rich ihre Gage auf dreißig Schil⸗ ling wöchentlich erhöhte, was nach der Anzahl der Wochen, in welchen damals geſpielt wurde, jährlich nur fünfund⸗ vierzig Pfund betrug. Um für dieſe geringe Gage einige Entſchädigung zu gewähren, war es damals Sitte, daß reiche, vornehme Leute den beliebten Schauſpielerinnen freigebige Geſchenke machten, deren Annahme dem Rufe der Letzteren keinen Eintrag thaten. Das Bildniß der Miß Feuton war in allen Kunſtläden zu finden und eine Zierde auf den Fächern der Damen, da, dieſe die auszu⸗ zeichnen ſuchten, welche durch ihr gutes Verhalten ihrem Geſchlecht ſo viel Ehre machte.

Ueber dieſes herrliche Gemälde glitt ein vorübergehen⸗ der Schatten, als ſie mmit dem Herzog von Bolton davon⸗ ging, der ihr bei einem dauernden Verhältniß jährlich vier⸗ hundert Pfund, wenn es ihr aber mißfiele, noch zweihundert Pfund beſtimmte. Mag nun dieſes Gerücht in ſeinem ganzen Umfange gegründet ſein ober nicht, ſo iſt doch ſo viel gewiß, daß ſie ſich während der dreiundzwanzig Jahre

ſich ſelbſt maßregeln. Sie ſind die eigenen Cenſoren und Vor⸗ münder ihrer ſchüchternen minorenn erklärten Gedanken. Dieſes traurige Gewerbe iſt beinahe ſo kleinlich wie ſein Zweck, nur we⸗ niger rentabel. 5.

Aufruf zur Vollendung des Hermanns⸗Denkmals.

Von Hannover aus wird von den Herren Obergerichts⸗An⸗ walt Lüders, königl. Hann. Maſchinen⸗Director Kirchweger, Commerzrath, Verlagsbuchhändler Rümpler, Eiſenbahn⸗Bau⸗ inſpector v. Kaven und Agent Buſſe folgender Aufruf zur Vollendung des Hermanns⸗Denkmals erlaſſen:

Deutſche Fürſten und deutſches Volk haben vor etwa 24 Jahren ein Werk begonnen, welches der Nachwelt Zeugniß geben ſoll von dem Siege deutſcher Kraft über den Uebermuth römiſcher Herrſchaft in unſerm geliebten Vaterlande, zugleich aber auch von den Gefühlen des Dankes und der Anerkennung der jetzigen Ge⸗ neration gegen unſere ruhmwürdigen Vorfahren. Es iſt dieſes das Hermanns⸗Denkmal im Teutoburger Walde.

Ungünſtige Zeitverhältniſſe brachten dieſes Werk ſeit beinahe 16 Jahren ins Stocken, aber eine Schmach wäre es für ganz Deutſchland, daſſelbe unvollendet zu laſſen. Sein völlig fertiger Unterbau erhebt ſich bereits meilenweit ſicht⸗ bar in die Gefilde hinein, in denen der Cheruskerfürſt das römi⸗ ſche Joch für immer zerbrach, und zieht ſchon jetzt alljährlich zahl⸗ loſe Beſchauer von nah und fern heran. Wird er gekrönt durch die darauf zu errichtende Heldenfigur und dadurch die eigentliche Idee des Denkmals erſt verwirklicht, ſo wird das Ganze in ſeinen

geſchmackvollen, gigantiſchen Formen als ein Meiſterſtück deut⸗ ſcher Kunſt in ferne Jahrhunderte hinausragen.

Die aus Kupfer zu fertigende Figur iſt von dem Herrn Bild⸗ hauer von Bandel in allen ihren Theilen modellirt und Alles ſo weit vorbereitet, daß ſie binnen nicht gar langer Zeit vollendet und aufgerichtet werden kann, ſobald die dazu erforderlichen Geld⸗ mittel zuſammen gebracht ſind. Je nach den Preiſen des Mate⸗ rials und Arbeitslohns werden zwiſchen 35,000 bis 40,000 Thlr. dazu nöthig ſein. Das iſt viel für Wenige, aber wenig für etwa vierzig Millionen Deutſche!

Wir ſind im Einverſtändniſſe mit dem Detmolder Haupt⸗ vereine zu einem Hannoverſchen Vereine zuſammengetreten, um dem Künſtler, welcher Standbild hier in Hannover arbeiten wird, zur baldthunlit ollendung des Werks nach beſten Kräften die Hand zu re..

Vertrauensvoll wenden wir uns an alle Deutſchen, weß Standes, weß Landes und welcher politiſchen Richtung ſie auch ſein mögen, vertrauensvoll in dem Bewußtſein, daß es ſich hier um die Förderung eines Werks handelt, welches, dem deutſchen Herzen entſproſſen, zur Ehre des geſammten großen deutſchen Vaterlandes gereichen wird. Wir wenden uns an Alle mit der dringenden Bitte, Jeder wolle in ſeinem Kreiſe, ſei es einzeln, ſei es durch die ſehr wünſchenswerthe Bildung von Zweigvereinen, durch Sammlung von Beiträgen und deren Einſendung an den Detmolder Haupt⸗oder an den Hannoverſchen Verein in unſeren erwähnten Beſtrebungen uns unterſtützen.

Briefe und Gelder bitten wir zu adreſſiren:An den Verein für das Hermanns⸗Denkmal in Hannover.

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