Der verliebte Schäfer an ſeine Geliebte.
O komm und ſei mein Herzgeſpiel, Und Erdenluſt, ſo ſüß, ſo viel
Nur Thal und Hügel, Schlucht und Hain Auch bieten mögen, nenne Dein!
Dort ſitzen wir auf luft'ger Wacht * Und haben rings der Lämmlein Acht, Herüber grüßt vom Waſſerfall Der Vöglein Lied mit ſüßem Schall.
Dort mach' ich Dir ein Bettchen fein Von Roſen und Vergißnichtmein, Ein Blumennetz zur Lockenzier, Und Myrthengrün an's Mieder Dir.
Ein Kleid von Wolle, zart getupft, Friſch von der Lämmer Vließ gerupft, Und warme Schuh', umbändert hold, Mit Schnallen von dem reinſten Gold.
Von Immergrün ein Gürtelband,
Mit Muſchelſpang' und Bernſteinrand— Und wenn ſolch' Kurzweil Dir gefiel,
So komm und ſei mein Herzgeſpiel!
Hoffnung.
Zu jedem Kummer gab uns Gott Die Hoffnung in den Kauf, Und ſelbſt der Mörder am Schaffot Pflanzt noch ihr Banner auf.
Sie leuchtet froh durch's Erdenthal Wie Grubenlicht im Schacht, Und um ſo lichter glänzt ihr Strahl, Je ſchwärzer rings die Nacht.
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Der Kuß.
Feuchtes Siegel ſüßer Schmerzen, Einſt'gen Glückes Vorgenuß, Liebſtes Land der jungen Herzen, Erſtes Veilchen, Mädchenkuß!
Redend Schweigen, ſtumm Erklären, Gluthenkern und Kindlichkeit, Taubenwonne, ſüß Gewähren, Morgenroth von beſſ'rer Zeit!
Trauerjubel, letztes Scheiden, Wenn die Lippe zögernd flieht— Wer ſo ſchaurig-wahr das Leiden Malt wie du, das uns durchglüht?
Uovellen-Zeitung.
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Gearg Pertz.
An den Kuckuck.
Willkommen, Fremdling! Wonniglich Lockſt du wie einſt im Grund;
O Kuckuck! Heiß' ich Vogel dich? Heiß' ich dich Wandermund?
Weil lauſchend deinem Doppelſchrei Ich ruh' auf weichem Moos,
Scheint er, bald nah, bald fern, vorbei Zu wandern ruhelos.
Ob du im Thal nur plauderſt gleich Von Lenz und Sonnenſchein, Zieht mir ins Herz ein Märchenreich Voll Zauberglanz doch ein.
Heil Liebling dir vom frühen Jahr! Mir heut' wie damals ſchon Kein Vogel— nein, ein unſichtbar
Geheimnißvoller Ton.
Derſelbe, dem als Schulkind ich Gelauſcht, derſelbe Hauch,
Der überall mein Ohr beſchlich Aus Luft und Baum und Strauch.
Wie oft bin ich geſchweift nach dir Im grünen Waldesraum,
Ein Wunſch, ein Hoffen warſt du mir, Ein nie enthüllter Traum.
Noch heute kann ich lauſchen dir, Kann liegen auf dem Plan, Und lauſchen, bis von damals mir Die goldnen Zeiten nah'n.
O Vöglein ſüß, das Erdenzelt Geſtaltet wieder ſich
Zur körperloſen Feenwelt, Der Heimath recht für dich!
Das Brandopfer.
Ich nahm den Brief, ich trug es nicht,
Daß ihn ein And'rer ſchaut' nach mir,
Daß je ein fremdes Angeſicht
Entweihen möcht' ein Wort von Dir.
Die ſchlanke Kerze brannte hell,
Ich hielt die Blätter an das Licht,
Ich ſah die Flamme lodern ſchnell—
Verſchont ward ſelbſt Dein Name nicht!
In Aſche ſah ich ſinken jetzt 1 3 Die Gluth— wie ward mein Trauern groß! So bell zuerſt, ſo trüb zuletzt—
Mir bangt, dies iſt der Liebe Loos!
Fremdes und Eigenes von Georg Pertz. Leivzig und Heidelberg, C. F. Winter'ſche Verlagshandlung. 1862.
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mit danr
ſeina deſ
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