Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
322
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Novellen-Zeitung.

8 AX

An meine Koſe.

Du meine ſchöne, junge Roſe,

Alfred Meißner.

Die mir an's Herz das Schickſal warf, Daß nun das Herz, das hoffnungsloſe,

Nicht mehr in ſich verzagen darf,

Du bringſt mir meinen Frühling wieder,

In friſche Purpurgluth getaucht, Es iſt dein Duft, der dieſe Lieder

Mit neuer Ahnung ſüß durchhaucht.

Daß leuchtend meine Stirne werde, Blickſt du mich an, du milder Troſt

Dein Lächeln iſt ein Kind der Erde,

Das mit den Engeln Gottes koſ't! Daß ich in's große Loblied ſtimme,

Hebt mich dein Wort an's Licht empor

Wie an der Blume hängt die Imme,

An deinen Lippen hängt mein Ohr.

Mit deinem blühenden Gewinde, O, deck mein wundes Herz mir zu, Daß ſich's in Roſengluth entzünde

So jung und ſchön, ſo rein wie du!

Einſamkeit.

Daß ich dein auf ewig bliebe, Tiefes, felsumſchloßnes Thal, Traurig⸗ſchön wie unſrer Liebe Tiefe, hoffnungsloſe Qual!

Tannen ſchauern an den Wänden,

In der Schlucht der Bergſtrom toſ't, Winkt, als wie mit weißen Händen:

Komm, o komm und trinke Troſt!

Und ich ſchleiche um die Föhren, Horche auf der Waſſer Gang, Glaube immer noch zu hören Deinen ſchmerzlichen Geſang.

Jenes Lied voll Qual und Beben, Das die Seele mir umſpann, Von dem Herzen, das nicht leben, Ach, und doch nicht ſterben kann!

Rauſche fort, du wild Gewäſſer, Ueberſchrei' des Herzens Noth Nie geboren wäre beſſer,

Aber gut auch wär' der Tod!

Dichtungen von Alfred Meißner.

Abend am Meere.

O Meer im Abendſtrahl,

An deiner ſtillen Fluth

Fühl' ich nach langer Qual

Mich wieder fromm und gut..

Das heiße Herz vergißt, Woran ſich's müd gekämpft, Und jeder Wehruf iſt

Zu Melodie gedämpft.

Kaum daß ein leiſes Weh Durchgleitet das Gemüth, Wie durch die ſtumme See Ein weißes Segel zieht.

Spaniſche Ballade. 4

Hätt' ich doch nimmer Cadig verlaſſen,

Wo einſt die Tage ſo glücklich mich ſahn; Hohe Paläſte, lärmende Gaſſen, Ach, einen Bettler ſtarrt ihr jetzt an!

Inez war mein, mit der blaßrothen Wange,

Mein, mit der Bruſt, die entgegen mir flog,* Hal wie ſie ſchön war, die gaukelnde Schlange, Die ich an meinem Herzen erzog!

Als ich nun ging, da zog ſie mich nieder, Nieder zu ſich mit dem brechenden Blick.

Kind! In zwei Wochen kehre ich wieder Sie ſagte: Nein! Du kehrſt nicht zurück!

Und einen Faden von ihrer Spule

Um meinen Finger wickelt' ſie mir, Sprach erröthend: O du mein Buhle,

Du mein Geliebter! o bleibe hier!

Denk dir: geſponnen aus meinem

Ich aber nahm das blinkende Scheerchen,

Das ihr am Gürtel tänzelnd hing,

Schnitt entzwei das bindende Härchen, Warf mich auf's Roß, auf's flinke, und ging.

Hohe Paläſte, lärmende, hehre

Stadt, dich durchſchreit' ich mit nagendem Schmerz Scheere, 4 Traun, ich ſtäche mich mitten durch's Herz!

Hätt' ich zur Hand dich, blinkende

Leipzig, Verlag von Fr. Wilh. Grunow. 1862.

Herzen Sei dieſer Faden, du theurer Mann; Ziehſt du, ſo reißt er mit tauſend Schmerzen, Und dieſes Herz verblutet ſich dann!

(VIII. Jahrg. ſ

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