Novell
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en-Zeitung.
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Julius Hammer.
Geſtillt.
Welch ein Weben, welch ein Streben? Um mich her ein heimlich Wehn
Läßt in meinem tiefſten Leben
Süßes Wunder mir geſchehn.
Wie von ird'ſchen Feſſeln freier, Fühl' ich meinem Stern mich nah, Der in roſ'gem Abendſchleier Tröſtend oft ins Herz mir ſah.
Schweigend ruht das Weltgedränge, Kein Verlangen droht Verluſt, Mild verheißungsvolle Klänge
Ueber Nacht.
In den Knospen lang' verſchloſſen Hat das junge Grün geharrt, Bis, in reichen Strom ergoſſen, Endlich ihm die Freiheit ward.
Nächtig kam erſehnter Segen Mit prophet'ſchem Liebesgruß; Säuſelnd bot ein warmer Regen Tief erquickenden Genuß.
Und in Thränen ſtrömt die Wonne, Quellend es ihm nachzuthun, Mir ins Auge, da die Soßne
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[VIII. Jahrg.
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Füllen die verſöhnte Bruſt. Kündet: es iſt Frühling nun! V 5 Schmerzlos bluten meine Wunden, So auch weint oft das Gemüthe wüͤhrte Und die Gluthen, die getobt, Selig bang dem Schmerze nach, ſiezu Sind vom Frieden überwunden— Wenn des Glückes reine Blüthe volte Gott im Himmel, ſei gelobt! Hold ſchon aus der Knospe brach. raßt nr — halte Die Sprache. nis Die Inſchrift. gehen Es ging ein Schwingen durch den Aether, Gebr „Immer heiter, Gott hilft weiter!“ Da ward aus Nacht der erſte Tag, Las ich einſt an einem Hauſe; Und mit ihm ward dem erſten Beter ſchn Kaum ein Haus war's, wenig breiter Zum Worte ſeines Herzens Schlag. ſor Als das Bächlein bei der Klauſe. So wardſt auch du in Licht und Glanz, d Du heil'ge Sprache meiner Väter, dräf Und das Mühlrad ging, als triebe Du Sprache meines Vaterlands. All Müllers Liedlein es geſchwinder: l ms „Gottvertraun und Fleiß und Liebe In frühſten Lebensmorgenſcheine gl Schafft beglückte Menſchenkinder.“ Klang mir mein Wiegenlied aus dir; Mo Die Mutterliebe bot, die reine, lich Weilend vor dem Spruch, dem kleinen, Aus deiner Füll' Erquickung mir; hatte Las ich wieder ihn und wieder. Und mehr und mehr in tiefſter Bruſt ſöl „Alles haſt du in dem Einen,“ Ward ich des Glücks:„Du biſt die Meine!“ er Sprach er mild zu mir hernieder. Voll ſtolzer Freude mir bewußt. h Aug⸗ Da erſchien ein Bild, ein holdes,„Du biſt die Meine!“ und das heiße, udh Nebenan im Fenſterrahmen, Was ſolchem Glück ich ſchuldig bin; laſe Und im Licht des Morgengoldes„Du biſt die Meine!“ und das weiſe laſſe Schien's zu lächeln:„Amen! Amen!“ Von meinem Recht zur Pflicht mich hin! Der Wie könnt' ich keuſchen Geiſtes ſein, in ſ Eine Mutter mit dem Kinde— Bewahrt ich nicht zu deinem Preiſe, richt O, der Sinn der Inſchrift oben In deinem Dienſt den Sinn mir rein? du Hatt' auf einmal licht und linde ſc Sich ins Leben eingewoben! O, ſchirme mit der Wahrheit Schilde dun Dich deutſcher Geiſt und deutſch Gemüth, ſer
Und wie nun durch's Thal herunter Und was dich ſchmücke, was dich bilde, Mir das Bächlein war Begleiter, Sei Jugend, die ſtets neu erblüht; uc Sang's das Sprüchlein hell und munter: So blühe deines Ruhmes Kranz, „Immer heiter, Gott hilft weiter!“ Du hohes Lied voll Kraft und Milde, Und Du Sprache meines Vaterlands! Red und diſe n Lerne, liebe, lebe. Dichtungen von Julius Hammer. Leipzig, F. A. Brockhaus. 1862. ſhe —


