Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
246
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Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

mit einer Miene, die wechſelweiſe tiefen Ingrimm und Er faßte ſich mit der freien Hand nach dem Kopfe, zog

hoffnungsloſe Verzweiflung ausdrückte; ich ſaß am Ofen und rauchte ebenfalls; dabei wurde kein Wort gewechſelt, aber wir verſtanden uns dennoch.

Nach jener Geſellſchaft, die zwei Herzen eiuander ge⸗

öffnet, hatte uns eine zweite Einladung in die Salons des

Goldſteinſchen Hauſes geführt; hier war auch zwiſchen Gumal und Mama Goldſtein das Eis gebrochen, ſie hatte ſein Geſtändniß empfangen, eine Thräne im Auge zerdrückt und ein Defenſiv⸗ und Offenſivbünduiß mit ihm geſchloſ⸗ ſen; ein dankbarer Handkuß hatte dieſen feierlichen Ver⸗ trag beſiegelt. Am zweitfolgenden Tage ſollte der Lieute⸗ nant, nachdem Papa Goldſtein gehörig vorbereitet worden, in aller Form um die Hand der Tochter anhalten.

Wiederum Punkt ein Uhr Mittags nickten und wog⸗ ten die ſchwarzen Hahnenfedern über den Marktplatz; ich ſah ſie von einem Feuſter desSchwans aus im Gold⸗ ſtein'ſchen Hauſe verſchwinden. Meine Segenswünſche begleiteten den treuen Cameraden auf dem ſchweren Wege, ich kniff den Daumen für ihn und trank auf glückliche Ver⸗ richtung ſeines Heirathsgeſchäftes.

Die Zeit wurde mir bei der geſpannten Erwartung ſehr lang; Gumal hatte mit mir verabredet, er wollte, wenn Alles glücklich vorüber ſei, an eines der Goldſtein' ſchen Fenſter treten, das ich im Auge hatte, und mir mit dem weißen Taſchentuch ein Zeichen geben; ſehuſüchtig blickte ich nach dieſer Flagge, welche mir die Capitulation Papa Goldſtein's verheißen ſollte; vor einer guten Stunde ließ ſich ihr Erſcheinen nicht erwarten.

Es war aber noch keine halbe Stunde vorüber, als ich meinen Freund wieder in der Hausthür erſcheinen ſah; ſeine Mienen ließen ſich aus ſo weiter Entfernung nicht unterſcheiden, den Federhut trug er in der Hand. Selt⸗ ſamerweiſe blieb er in der Hausthür, etwas zurückgezogen, ſtehn und machte nach mir herüber alle möglichen Caprio⸗ len, die ich beim beſten Willen nicht zu verſtehen vermochte.

ſeltſame Kreiſe über demſelben, hielt ſeinen Federhut hoch, kurz, er war unbegreiflich.

Ein ſchrecklicher Gedanke zuckte mir durch den Kopf.

Gott im Himmel, der Alte hat ihn abgewieſen, und er wird darüber den Verſtand verloren haben!

Ich ſpraug auf und ſtürzte aus demSchwan, machte einen Umweg längs der Häuſerreihen des Marktes, um von den Goldſtein'ſchen Fenſtern nicht geſehn zu werden, und war bald bei ihm. Er ſah entſetzlich blaß und düſter aus, ſeine Augen rollten förmlich, und war ich bisher noch in Zweifel über meine ſchreckliche Vermuthung geweſen, ſo ſchwand dieſer jetzt ganz.

Als er mich erblickte, ſagte er in einem wahren Gra⸗ bestone:

Lieber Camerad, es iſt Alles aus!

Faſſen Sie Muth, iheuerſter Gumal, ſagte ich tief⸗ betrübt und gerührt zu ihm tretend,auch dieſer Kelch wird an Ihnen vorübergehn; Sidonia war eigentlich nicht ein⸗ mal ein ſchönes Mädchen, es giebt viel hübſchere mit fünf⸗ zigtauſend Thalern, ſogar Chriſtinnen

Schaffen Sie mir nur eine Mütze, unterbrach er mich ſchmerzlich.

Gott, das iſt erklärter Wahnſinn! dachte ich bei mir und fuhr laut fort:

Faſſen Sie ſich, Gumal, und erkennen Sie mich, Ihren beſten Freund. Geben Sie mir Ihren Arm, ich werde Sie nach dem Lazareth führen.

Wie unvorſichtig von mir, das Lazareth zu nennen! das Wort war mir herausgeſchlüpft, und ich bereute es ſchon im nächſten Augenblicke, als er heftig auffahrend ſagte:

Nach dem Lazareth? wollen Sie ſich einen Scherz mit mir machen, jetzt, in dieſem Augenblicke?

Nein, auf Ehre nicht! ich verſprach mich nur, ich wollte ſagen: nach Ihrer Wohnung.

doch erlangte ich bald wieder die Beſinnung. Einige der Män⸗ ner fingen mein Pferd ein, und ſchnell war ich wieder im Sattel und erkannte bald, daß ich Urſache hatte, mir zu meinem guten Glücke zu gratuliren; denn ich fand einen Mann, der auf ähnliche Weiſe abgeworfen worden, nicht weit von mir ganz bewußt⸗ los daliegend, und ſo wurde er in's Lager zurückgetragen. 4

Ich ſchloß mich wieder der Jagd an, traf auf einen Büffel und hatte die Befriedigung, ihn auf den erſten Schuß zu erlegen. Erregt durch meinen Erfolg, warf ich meine Mütze hin, galop⸗ pirte weiter und durchbohrte bald mit einer Kugel ein zweites ge⸗ waltiges Thier. Dieſes fiel indeſſen nicht, ſondern ſtellte ſich mir entgegen, ſtampfte den Boden, brüllte und ſtarrte mir wild mit leuchtenden Augen in's Geſicht. Das Blut ſtrömte reichlich aus ſeinem Maule, und ich dachte, es müßte bald ſinken. Die Stel⸗ lung, in welcher es ſtand, war ſo ſchön, daß ich dem Verlangen, ſie flüchtig zu zeichnen, nicht widerſtehen konnte. Ich ſtieg daher ab und hatte eben begonnen, als es plötzlich einen Sprung nach mir machte. Mir blieb kaum die Zeit, mich auf mein Pferd zu ſchwingen und mit Zurücklaſſung meiner Flinte und alles Uebri⸗ gen davon zu eilen.

Als der Buüffel an die Stelle kam, wo ich geſtanden, wühlte er die Gegenſtände um, die ich hatte fallen laſſen, ſtampfte wü⸗ thend, indem er ſie herumſchleuderte, und zog ſich dann zur Heerde zurück. Ich holte ſogleich meine Flinte wieder, verfolgte ihn und

brachte ihm bald einen zweiten Schuß bei; diesmal blieb er lange u 1 Gold 1 nannten Ovens entdeckt, unfruchtbare Felſenklüfte, wohin man von

genug für mich auf den Beinen, um eine Skizze von ihm zu ent⸗ werfen. Nachdem ich ſie vollendet, kehrte ich damit ins Lager

zurück, dem Gebrauch gemäß die Zungen der Thiere, die ich erlegt 1 33Tiefe gegen eine jährliche Rente von 20 Dollars vermiet het.

hatte, als Trophäen meines Jägerglückes mit mir forttragend.

V

Ich bin oft Zeuge einer Büffeljagd geweſen, doch nie einer in ſo großem Maßſtabe abgehaltenen. Auf meinem Rückwege

ins Lager traf ich einen der Jäger, der ganz kaltblütig einen ver⸗

wundeten Büffel vor ſich hertrieb. Auf meine Frage, warum er ihn nicht todtſchieße, antwortete er, daß er es nicht eher thun wolle, bis er den Hütten ganz nahe ſei, da er ſo die Mühe ſparte, einen Wagen hinauszufahren, um das Fleiſch zu holen. Er hatte ihn ſchon ſieben Meilen getrieben und tödtete ihn nachher unge⸗ fähr zweihundert Yards von den Zelten. Am ſelbigen Abend,

während noch die Jäger abweſend waren, kam ein durch die Jagd Jäg

ganz verſtörter Buͤffel zwiſchen die Zelte und endlich in eins der⸗ ſelben, nachdem er alle Weiber und Kinder erſchreikt, die ſchleu⸗ nigſt die Flucht ergriffen. Als die Männer zurückkehrten, fanden ſie ihn noch da, und da ſie nicht im Stande waren, ihn hinaus⸗ zubringen, erſchoſſen ſie ihn durch die Oeffnung oben im Ihte 855 6.

Aus der Gegenwart. Neuſchottland ein goldland.

Die Zahl der Goldländer vermehrt ſich von Jahr zu Jahr: auch Neuſchottland oder nach engliſcher Benennung Nova Scotia gehört jetzt zu denſelben. Im vorigen Jahr wurde in der Nähe des kleinen Städtchens Neulüneburg ein Goldfeld bei den ſoge⸗

Neulüneburg aus zur See in einer Stunde gelangen kann. Die ſes Land wird von der Regierung in einer Größe von 30 Länge zu