Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
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ſterbeetat ſtehn! Ich will Papa Goldſtein um jeden Preis verſöhnen, ſollte ich auch beſchwören müſſen, daß die

Beſoldung unſerer Lieutenants eigentlich verſchwenderiſch

ſei, daß die Bürgerwehren viel mehr leiſten würden als

reguläres Militair, und daß der Quäker Elihu Burritt ganz

in meinem Sinne ſpräche! Und wenn er Ihnen dennoch nicht ſeine Tochter gibt? fragte ich bedenklich.

Dann mache ich aus der Noth eine Tugend und ent⸗

ſchließe mich, dem Friſchling die Cour zu machen. Das wäre eine Mesalliance, lieber Freund, ſagte ich kopfſchüttelnd,zumal Sie nicht vergeſſen dürfen, daß der blaue Eber ſeine Verbindlichkeiten hat. Ach, das iſt bloße Redensart von ihm; vorläufig denke ich überhaupt nur an Sidonia Goldſtein. (Schluß folgt.)

Amerikaniſche Sportsmen.

Die langen Vacanzen dienten zu einer Eutſchuldigung, ich hätte mir aber in der That in der beſchäftigtſten Zeit des legalen Jahres der Gerichtshöfe eine Ferienzeit gön⸗ nen dürfen, ohne dadurch an meinem Verdienſt eine be⸗ trächtliche Einbuße zu leiden, denn wenn ich als Auwalt auch nicht ganz unbeſchäftigt war, ſo belief ſich mein gan⸗ zer Verdienſt in den letzten zwölf Monaten doch nur auf 19 ½ Guineen. Glücklicher Weiſe hing ich in Betreff meines Brodes nicht von der Gönnerſchaft der Sachwalter ab; ein Vermächtniß meiner Großtante hatte mir eine be⸗ ſcheidene Unabhängigkeit geſichert, und ich fühlte den ſehr lebhaften Wunſch, Amerika zu beſuchen und meinen Bruder einmal wieder zu ſehen. Von einer ziemlich zahlreichen Familie waren wir Beide allein übrig geblieben. Ich war

Uovellen-Zeitung.

(zu Hauſe zum Rechtskundigen erzogen worden, aber Wil⸗ liam hatte vorgezogen, ſein Glück in der neuen Welt zu machen. Bisher hatte er die veränderliche Göttin mit ſolcher Hitze verfolgt, daß die Briefe ſeiner Verwandten ihn ſelten erreichten, und daß die ſeinigen ſelten zwei mal

aus einem und demſelben Orte oder nur aus demſelben

Staate datirt waren. Er hatte die unruhige Gewohnheit des wanderungsſüchtigen Yankee angenommen, ſich von Florida nach Maine gewandt, ſpeculirt, war Goldſucher, Plänemacher und Landmakler geweſen, hatte Geſchäfte un⸗ ternommen, die er, wenn ſie erſt zur Hälfte verſucht waren,

wieder aufgab, kurz er hatte das Jack-of-all-trades-Leben geführt, das unſern transatlantiſchen Vettern ſo lieb iſt,

die ſo gern und oft ihren Beruf ändern, um zu zeigen, daß ſie in Allem ſattelfeſt ſind. Aber Willy verdiente Geld; er klagte nie und bat ſeine wenigen noch lebenden Verwandten nie um Beiſtand, und ſein elaſtiſcher Geiſt ſchwamm, einem Korke gleich, auf allen Gewäſſern von Schwierigkeiten. Als ich zuletzt von ihm hörte, war er der jüngere Aſſocié in einer neuen Bank in Neuorleans;

er befand ſich in ſehr guten Umſtänden und lud mich drin⸗ gend ein, ihn in der geſunden Jahreszeit, wo ich nichts von dem gelben Fieber zu befürchten habe, zu beſuchen.

Er wohnte in der Rochambeauſtraße und, wie er ſagte, könne er mich bei allen Celebritäten einer Stadt einführen, im Vergleich zu welcher ſelbſt Paris nur matt und alltäglich ſei. Der Herbſt kam, und ich reiſte ab. Seitdem ich mich zur Reiſe entſchloſſen, hatte ich ihm zweimal geſchrieben, ohne indeſſen eine Antwort zu erhalten, was mich aber gar nicht beunruhigte. Ich ſetzte nicht den geringſten Zweifel

Hauptbüchern und dem Caſſabuch finden werde.Das Bankweſen, ſagte ich zu mir ſelbſt,iſt ein feſtes und dauerndes Geſchäft, und ich freue mich, daß Willy ſich die⸗ ſen Stand auserwählt hat, um ſich Vermögen zu erwerben.

Dieſes Geſchäft iſt ſehr verſchieden von ſeinem Landma

ſehr geſpannt war. gerichtet werden, während der Hausherr vor Wuth heiß war, aber der Dichter kam nicht. An einem andern Abend war eine Vorle⸗ ſung überdie Entſtehung, den Fortſchritt und den Verfall des römiſchen Reichs von dem Herrn Samuel Taylor Coleridge vom Jeſus College in Cambridge angekündigt. Die feſtgeſetzte Stunde kam, der Saal war gedrängt voll doch kein S. T. Coleridge war zu ſehen. Eine halbe Stunde verging, und der Vorleſer war noch nicht erſchienen. Zuletzt wurde angekündigt,ein ſehr zu be⸗ dauernder Umſtand verhindere den Herrn Coleridge, dieſen Abend ſeine Vorleſung zu halten.Irgend ein Familienunglück! ſagte der Eine,irgend ein ſchrecklicher Unfall! rief der Andere; doch

ſeine Freunde, die ihn beſſer kannten, glaubten, der Poet werde wahrſcheinlich in Nr. 28 in der College Street, ſeinem öftern nicht

zu bezahlenden Logis, ganz ruhig ſeine Pfeife rauchen. Dieſelbe Gleichgültigkeit hinſichtlich ſeiner Verpflichtungen, die in ſeinem

ganzen Charakter lag, zeigte ſich bei der folgenden Gelegenheit.

Einige Jahre ſpäter waren an einem ſchönen Früblingstage in der Albemarle Street in London die Vornehmen, Geputzten, die précieuses des ſchönen Geſchlechts, die Kritiker des ſtarken Ge⸗

über Belletriſtik zu hören. ſperrte die Straße. Pairs, Parlamentsmitglieder, vornehme Ladies und Dandies hatten ihre Sitze eingenommen. zwei Uhr, kein Coleridge; halb drei Uhr begannen die Herren nach ihren Uhren zu ſehen; ein Viertel vor drei Uhr wurden die Herren, die um fünf Uhr im Parlament erſcheinen wollten, auf ihren Sitzen unruhig; Einige gingen fort, Andere ſtanden auf;

Das Diner wartete, mußte zuletzt kalt an-

Es ſchlug

er endlich; ſein langes, ſchwarzes Haar ganz in Unordnung,ſein Geſicht bleicher als gewöhnlich, ſein Anzug weniger anſtändig. Er nahm ſeinen Platz auf der Rednerbühne. Nun, dachten die Anweſenden, endlich wird etwas ſehr Beredtes erfolgen. Er ſah im Kreiſe umher; eine tiefe Stille folgte.Meine Damen und Herren, ſagte er,ich habe keine Vorleſung keine Vorleſung; er bewegte ſeine Hand, verſuchte aber keine falſche Entſchuldigung. Aber, fügte er hinzu,wir wollen uns erinnern, daß die neun Muſen alle aus Mangel einer Mitgift alte Jung⸗ fern waren. Dieſer Schuß ins Blaue erzeugte ein Gelächter, und dann begann er. Die Wirkung ſeiner feurigen Beredſamkeit war wunderbar. Er ſprach eine ganze Stunde lang. Die Macht ſeiner Beredſamkeit war auch bei dieſer Gelegenheit ſo groß wie immer. Der Herausgeber desTable Talk ſprach über Cole⸗ ridge folgendes Urtheil aus:Man kam zu einem Manne, der viele Länder und in kritiſcher Zeit bereiſt hatte; der die Welt in ihren meiſten Ständen und in vielen ihrer Veränderungen und

Schwächen geſehen und gefühlt hatte; zu einem Manne, dem jede

Literatur und Kunſt durchaus unterworfen und dem, nach dem

G billigen Abzuge der techniſchen Einzelnheiten jede Wiſſenſchaft in ſchlechts in Menge verſammelt, um eine Vorleſung Coleridges C. Eine lange Reihe von Kutſchen ver⸗

dem außerordentlichſten Grade bekannt war.

Zur Länder⸗ und Völkerkunde. Aus dem Rirgiſenlande. Ueber dieſes noch wenig bekannte weite Gebiet des innern

Aller Augen waren auf die Thür gerichtet. Um drei Uhr erſchien ruſſiſchen Aſiens erzählt ein engliſcher Reiſender, Atkinſon, viele

[VIII. Jahrg.

darein, daß ich meinen Bruder im Bankcomptoir bei ſeinen

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ij land wählte, s war puchkoe Mfräulich jüten, nuen, ichen b Majo nd ilddei Qmingſt Hoße lirme Haarw gaſſend 8