Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
208
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Manne verrichtet werden kaun. Freilich genießen bei die⸗ ſem mißlichen Unternehmen nur ganz alte, ungemein be⸗ rühmte Autoren die Vergünſtigung, nicht den Schein der Eitelkeit auf ſich zu lenken, der um ſo mehr zu bedauern iſt, wenn er dann und wann Jemanden unverdient treffen ſollte.

Uebrigens hat die Lewald, aus deren Worten Sie gleich erſehen, worauf es in Grey's Roman ankommt, ſehr Recht, wenn ihr die Naturſchilderungen darin durch ihre Wahr⸗ heit und Lebendigkeit aufgefallen ſind. Sie gehören in der That zu dem Beſten und wirklich Tüchtigen, welches dieſe Darſtellung enthält, denn ſo treffend, eigenthümlich und im Einzelnen poetiſch die Schilderungen mancher Cha⸗ raktere und Verhältniſſe, mancher Gefühlsbewegungen und Seelenzuſtände auch ſind, ſo erinnern ſie doch nebenher nur zu oft an die Manierirtheit, durch die ſich der talentvolle Verfaſſer in ſeinem WerkeDrei Pfade bekannt gemacht hat. Gewiß aber würden dieſe Naturbeſchreibungen für den Augenblick noch mehr alle Mängel übertragen, wenn ihr Genuß nicht durch die geſuchte Sprache ſeemänniſcher Kunſtausdrücke getrübt wäre. Man könnte aus dem Werke ein ganzes Regiſter ſolcher fachwiſſenſchaftlicher Benennun⸗ gen herausziehen, die nur alten Schiffscapitänen oder ſol⸗ chen Romanſchriftſtellern Verwechſelungen vorbehalten geläufig ſind, die ſie auswendig gelernt haben, um ſie als Seemanscoſtüm literariſch anzuwenden.

Wenn ein Schiff mit gewickeltenRaaendicht ge⸗ braßtvor dem Winde ſegelt, dasReff in dieTop⸗

Uovellen-Zeitung.

ſegel eingebunden, dasBramſegel beigelegt wird, der Steuermann ſich an derBeſantakelage zurLuvſeite feſthält, denAußerklüverbaum beobachtet und plötzlich das Ruder in Lee commandirt, ſo wird dadurch kein Leſer klug, jeder aber verwirrt. Die Romanſchreiber ſtört es jedoch nicht, mit ſolchem Aufputz zu prunken. Manche möchten uns auch einreden, nur uns Deutſchen wäre als Landratten dieſe Matroſenſprache verſchloſſen, und im britiſchen Publicum verſtände ſie alle Welt. Dies iſt aber nicht wahr, denn in England gibt es ungemein viel Men⸗ ſchen, die das Meer bloß von weitem geſehen und ſich bei der Lectüre immer über die unverſtändlichen Ausdrücke des guten Capitän Marryat geärgert haben.

Trotz dieſer Auswüchſe findet manan Bord der Lady manchen angenehmen Genuß und in der Darſtellung des Verfaſſers wenigſtens nicht jene Art von vorwitziger, alt⸗ jüngferlicher Geſchraubtheit, mit welcher ſelbſt berühmte engliſche Novelliſten hin und wieder mitten in der Dich⸗ tung dengeneigten Leſer oder dieſchöne Leſerin an⸗ reden und durch fade, witzig ſein ſollende Bemerkungen den letzten Funken von Illuſion verlöſchen. Dieſe ſchreckliche Geſchmackloſigkeit macht wahrhaft gebildeten Leſern z. B. Thackeray'sVanity fair zeitweiſe ungenießbar.

Herbert Grey iſt ein Geiſt der Reflexion, welcher mit einem mäßigen Fond von ſchöpferiſcher Phantaſie geſchickt hauszuhalten und ſeine an ſich magern Geſtalten oft in ein ſehr bedeutſames Licht zu ſetzen verſteht.

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Redigirt unter Verantwortlichkeit von Alphons Dürr in Leipzig. Verlag von Alphons Dürr in L

eipzig. Druck von Gieſeche ½ Devrient in Leipzig.

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