Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
207
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II. Jahrg

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Und ſeine Maunen beruft er zur Stund',

Und Maurer und Steinmetz weit in der Rund'; Es klirret das Eiſen, es dröhnet der Schlag Die Zinnen, ſie ſtürzen mit Donnergekrach.

In Trümmern und Schutt liegt der herrliche Bau, Still ſinket hernieder des Abends Grau.

Der Ritter hat ſtumm das Alles geſchaut:

Fluch treffe die Hand, die es wieder erbaut!

Beim ewigen Himmel, denn beſſer Stein

Die Mauern, als eine Zwingburg ſein!

Viel lieber häufe ich Trümmer auf's Land,

Als auf der Villigen Namen die Schand'!

Und heute noch ſchauet der Beſſerſtein, Ein Trümmerhaufen, ins Land hinein.

Dritte Folge.

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Gedicht von Th. Vogt. O gönne mir für dieſes Leben Nur einen flücht'gen Liebestraum;

Und gern will ich Dir Alles geben, Was mein ich nenn' im Erdenraum.

Wenn ich den Augenblick genoſſen

Und ausgeträumt den kurzen Tag, Dann ſei auch dieſes Herz gebrochen, Ein Kuß und dann der letzte Schlag.

Denn beſſer iſt ein raſches Sterben, Weun man am höchſten iſt beglückt, Als wie ein langes dunkles Leben,

In das die Liebe nie geblickt.

Literariſche Briefe von Otto Banc.

An Bord der Lady. Roman von Herbert Grey. Aus dem Engliſchen von Ottilie Meyerowicz. Leip⸗ zig, Bernhard Schlicke.

In London unterhielt ſich eines Tages eine Geſell⸗ ſchaft, welche aus den bedeutendſten Schriftſtellern von Eugland beſtand, über die Schwierigkeit, den durch unmer geſteigerte Reizmittel verwöhuten Geſchmack des Publi⸗ cums zu feſſeln und zu beſchäftigen, ohne von dem Gebiet des Schönen und Natürlichen abzuweichen.

Ein junger Dichter, in der literariſchen Welt unter dem Namen Herbert Grey ehrenvoll bekannt, behauptete, daß man dem Publicum Unrecht thue, daß es ſich auch an dem Einfachen erfreue, und daß es nur auf den Verſuch ankomme, ihm das Einfache zu bieten. Man ſprach über die Noth⸗

wendigkeit ſpaunender Verhältniſſe, anziehender und bedeu⸗

tender Charaktere und Hintergründe, und vereinigte ſich

zuletzt zu einer Art von Wette darüber: ob es möglich ſei,

auf einem nicht wechſelnden Hintergrunde, ohne Heranzie⸗ hung ungewöhnlicher Geſtalten und Ereigniſſe, ohne leb⸗ haft vorſchreitende Handlung ein feſſelndes Seelengemälde zu ſchaffen.

Dieſem Geſpräch verdanktAn Bord der Lady ſeine Entſtehung, ſeiner Abgeſchloſſenheit und Einfachheit ver⸗ dankt es ſeinen Erfolg. Was der Roman erzählt, ent⸗ wickelt und löſt ſich in dem engen Raume eines Schiffes, üm Laufe einer Seereiſe von England nach Calcutta. In flüchtigen Tagebuches, deſſen Original der Verfaſſer, ſo weit es die Naturſchilderungen und das Leben nuf dem Schiffe betrifft, einſt auf ſeiner eigenen Reiſe nach Indien geſchrieben und welches dadurch das volle Ge⸗ präge der Wahrheit und Urſprünglichkeit an ſich trägt, enthüllt er das Schickſal einzelner Paſſagiere, ſieht man rie Fäden ſich leiſe knüpfen, welche dieſelben verbinden, ſieht man dieſe Fäden ſich verwirren und löſen. Und unter dem Anſchein des täglich gleichen Stilllebens wachſen Liebe

auziehendes Buch, ein

und Haß mächtig empor und bringen Glück und Verder⸗ ben, je nach ihrer Natur.

Eine Dichtung, welche geſchaffen iſt, um die Entbehr⸗ lichkeit beſonderer Anreize darzuthun, kann ſolche abſicht⸗ liche Anreize nicht beſitzen. Sie reißt nicht fort, aber ſie feſſelt uns allmählich, gewinnt uns und hält uns feſt.

Dieſe Macht war es, welche ſie auf mich geübt hat. Man lebt auf dem Schiffe, man gewöhnt ſich, Theil zu nehmen an dem Kleinleben auf demſelben, man macht Be⸗ kanntſchaft mit den Officieren und Paſſagieren, man iſt an das Schiff gebannt und findet für den Augeablick ſeine Welt darin. Wie man ſich von Charles Didier's unver⸗ gleichlicher Schilderung derFünſzig Tage in der Wüſte in den Wüſtenkreis hineingezogen fühlt, hinziehend auf den Kameelen durch die ſchweigende, gleichförmige Einſamkeit, ſo zieht manan Bord der Lady durch das Weltmeer hin und fühlt den Sinn beruhigt und das Herz bewegt. Weil man aber immer Freude daran hat, Andere Theil nehmen zu laſſen an dem, was uns erfreut, überredete ich Herrn Herbert Grey, ſeine Arbeit überſetzen zu laſſen, und Fräu⸗ lein Meyerowicz, ſich an die Ueberſetzung zu machen, und ſo mögen denn diejenigen ſich getroſtan Bord der Lady begeben, welche geneigt ſind, auszuruhen im ſtillen Be⸗ trachten der großen Natur und des menſchlichen Herzens.

So ſpreche nicht ich zu Ihnen, ſondern Fanny Lewald redet dies zu denjenigen, welche ſich das vorgenannte Buch kaufen oder aus der Leihbibliothek holen laſſen, welches letztere bekanntlich ein Weg i*ſt, auf welchem ſich ſelbſt fürſtliche Perſonen in Deutſchland die neuen Werke hoch⸗ herzig zueignen. Es iſt neuerdings immer mehr Mode geworden, daß unbekannte Schriftſteller oder Ueberſetzer ihr Werk von etwas mehr bekannten durch den Liebesdieuſt einer empfehlenden Vorrede vor den Augen der Oeffent⸗ lichkeit pouſſiren laſſen, eine Gefälligkeit, die eben ſo gut mit oder ohne Ueberzeugung von einer Frau als von einem